Einheit rockt. Die Vielfalt verstellt den Sender

Bruder Paulus Terwitte, Kapuziner und seit März 2006 Geistlicher Beirat der GKP, schreibt einmal im Monat unter dem Titel "Mittel.Punkt" ein Wort der Besinnung, das stets auf der letzten Seite der Mitgliederzeitschrift „GKP-Informationen“ abgedruckt wird. Im Februar 2012 schreibt er unter der Überschrift "Einheit rockt. Die Vielfalt verstellt den Sender".

"Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben" (Mk 3,24)

Manchmal scheint der ungeteilte Rock des Herrn sich in Fäden aufzulösen, die nicht mehr zusammenkommen wollen. Zum Beispiel die vielen katholischen Medieninitiativen. Die erfolgreichsten sind kein Werk amtskirchlicher Planung. Man nehme die unvergessene Katholische Glaubensinformation. Ihr weitsichtiger Gründer P. Ferdinand Krenzer hat lange vor E-Mail-Seelsorge und Newsletter-Betreuung im Briefa-postolat eine Kirche bezeugt, die zum Menschen geht. Leider wurde kgi abgeholzt. Statt weiter bundesweit agierend auf Nichtglaubende und Suchende zuzugehen, werden nun durch die eher analytische, beobachtende Arbeitsstelle für missionarische Pastoral in Erfurt kleine Setzlinge beobachtet. Oder Radio Horeb. Sein unermüdlicher Vater Pfarrer Kocher, lange gedemütigter Bittsteller in deutschen Generalvika-riaten, entwickelt langsam, aber sicher Radio Horeb zum einzigen bundesweit agierenden katholischen Radiosender. Dass er nun auch DAB+ Radiogeräte mit Radio-Horeb-Taste promotet, ist ein wirksamer Schachzug: Wer das Gerät bekommt, weil Bekannte es gut finden, dass dieser oder jener katholische Mensch ein christliches, bisweilen sehr frommes Programm empfangen kann, wird bald auch das Programmheft wollen. Mit ihm kommt der unvermeidliche Überweisungsträger ins Haus. So macht man erfolgreich Fundraising – „an den Kollekten werdet ihr das erkennen!“, möchte man dafür ein Wort des Herrn gern ummünzen (sic!).

Auch k-tv  und sein Pfarrer Buschor müssen genannt werden. Ich denke weiter an Bibel.tv und Norman Rentrop. Oder den Evangeliumsrundfunk Wetzlar und Horst Marquard. Und natürlich Eternal Word Television Network, EWTN. Mother Angelica, die mittlerweile nicht mehr tätig ist, kommt gerade in Deutschland an, und zwar mit einem Vollprogramm auf Deutsch mit zaghaften Kooperationen, etwa mit dem domradio. Auch das zwar bischöflich-kirchensteuerlich - Joachim Kardinal Meisner ist dazu missionarisch genug eingestellt - aber darin ein Solitär. Die Reihe lässt sich noch weiter fortsetzen.

Was fast alle diese Gründerfiguren gemeinsam haben: Sie traten neben den vorhandenen Medienstrukturen der Kirche auf den Plan, verstanden sich ganz als Kirche und mussten nicht selten Widerstand ertragen von denen, in deren Verwaltungshorizont das nicht einzuordnen war. Sie überzeugten und überzeugen durch Engagement und Inhalte.

Zu jedem privaten Werk gehören veritable Verwaltungen, Buchführungen etc. Was für eine Verschwendung! Dazu kommt noch: Der Umsatz dort steht im Schatten des kirchensteuerlich gefütterten Budgets von 27 Bistümern. Schätze ich. Deren Wirkung kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass mehr Deutsche die katholische Kirche in Deutschland mit einem Radiosender wie horeb.org und mit dem Fernsehsender wie k-tv ins Haus geliefert bekommen, als dies katholisch.de und alle Internetseiten und Kirchenzeitungen zusammen vermögen. Natürlich wirken die zig „Worte zum Tag“ oder „Gedanken zur Nacht“ und wie immer sie heißen. Trotzdem gibt es mehr, als man denkt, die lieber eine ausführliche Sendung religiöser Art zum zehnten Mal wiederholt sehen, als die Zeit mit Seichtem zu verplempern. Im westfälischen Münsterland oder im Fränkischen – man betet Rosenkranz mit Radio Horeb, hört geistliche Vorträge per k-tv, eher altmodisch. Oder geht per domradio mit der Kirche durch den Tag, mittlerweile schon bis Fulda. Wie oft höre ich: Ich habe im Radio gehört, im Fernsehen gesehen – und dann, im zweiten Schritt – „hab ich mal im Internet nach(!)gesehen, nach(!)gehört“.

Die Gesellschaft beobachtet, wie viel Mühe sich die katholische Kirche macht, ihre Einsicht in Welt und Glaube anzubieten. Die Heilig-Rock-Wallfahrt betet darum, dass Gott zusammenführe, was getrennt ist. Ich würde mir wünschen, dass die katholische Vielfalt transparenter wird auf den Einen Absender hin. Aus der GKP kam schon der Ruf nach einer katholischen Medienstiftung, in die Anteile des Weltbild-Verlages eingebracht werden könnten. Ich halte Ausschau, wo, nach einem halben Jahr, das Katholische Medienhaus einigende Aktivitäten entwickelt hat. Und wo Angebote sind, die einem katholischen Fernsehsender, von dem die Bischöfe ja zu Gunsten von katholisch.de abgesehen haben, ähnlich sind.

Das alles mag sich sehr weltlich anhören. Der Mittelpunkt unseres publizistischen Wirkens ist aber ein Sender, Einer, der in Vielfalt bezeugt werden will, keine Frage. Sein ungeteilter Rock jedoch, dem wir GKP-ler uns auf unseren Besinnungstagen Ende April annähern wollen, erinnert daran, dass auch Einheit nötig ist, damit die Sendung nicht in lauter Einzelfäden zerfällt. Und von keinem mehr gesehen werden kann. Und will.

Herzlich willkommen in Trier! Ihr und Euer Bruder Paulus

Die Seite "Mittelpunkt" in den GKP-Informationen 02/2012.

Zum Archiv der Rubrik "Mittelpunkt", in dem Sie frühere Texte von Bruder Paulus nachlesen können.

 
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