Ärger über die Berichterstattung in der Causa Wulff

In der Rubrik "Zu meinem Ärger" äußert sich in den GKP-Informationen 02/2012 Markus Weßling. Er ist Redakteur bei der Waltroper Zeitung.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Über einige Berichte über die Causa Wulff. Zweifellos hat der Bundespräsident schwere Fehler gemacht. Es ist auch Aufgabe von Journalisten, das aufzudecken und öffentlich zu machen.

Mancher Versuch, nun noch weitere vermeintliche Fehlleistungen aufzudecken, birgt jedoch eine gewisse Doppelmoral, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie gerne Mitglieder unseres Berufsstandes Rabatte und andere Vorteile, die mit dem Presseausweis zu bekommen sind, annehmen. Es gibt sogar Kollegen, die auf Presserabatt- Seiten im Internet öffentlich darüber schimpfen, wenn ein Rabatt gekürzt wurde – gerade so, als hätte man einen Anspruch darauf.

Natürlich: Die Rabatt-Regeln der Unternehmen für Medienleute kann jeder nachlesen, und indem wir diese Rabatte annehmen, tun wir nichts Illegales. Aber so lange in unseren Kreisen das Denken herrscht, dass uns solche Vergünstigungen quasi zustehen, fällt es schwer, die zur Schau moralische Entrüstung mancher Kollegen in Sachen Wulff ernst zu nehmen.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Ich liebe generell schön geschriebene Reportagen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir einander im Kollegenkreis viel öfter loben und anspornen sollten für unsere journalistische Leistung. Das würde in schwierigen Zeiten in vielen Medienhäusern sicher bei manchem neue Kräfte und Kreativität freisetzen.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Der verfliegt meistens von selbst wieder. Dem täglichen Rauschen im Blätterwald sollten auch und gerade Journalisten keine übertrieben große Bedeutung zukommen lassen.

Die Seite "Zu meinem Ärger" in den GKP-Informationen 02/2012

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