GKP warnt vor Gefährdung der Pressefreiheit in der katholischen Kirche

Kritik an Äußerungen des Passauer Bischofs Oster zur Finanzierung kirchlicher Medien

Porträtfoto von Bischof Stefan Oster, GKP-Jahrestagung 2017 in Passau. Foto: Karl GrünerKöln/Kürten, 21. April 2021. Die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) sieht in jüngsten Äußerungen des Passauer Bischofs Stefan Oster eine Gefahr für die Pressefreiheit innerhalb der katholischen Kirche. „Wer die Verbreitung unliebsamer Inhalte zum Anlass nimmt, die Finanzierung kirchlicher Medien infrage zu stellen, offenbart ein vormodernes, autoritäres und dirigistisches Verständnis von Kommunikation“, sagte der GKP-Vorsitzende Joachim Frank.

Oster hatte sich auf „Facebook“ gegen die öffentliche Kritik der Tübinger Dogmatikerin Johanna Rahner am Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern in der katholischen Kirche verwahrt. Besonders wandte sich Oster in diesem Zusammenhang gegen den Begriff des Rassismus und monierte die Verbreitung von Rahners Vorwurf durch die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und das Internetportal katholisch.de. Es wirke „beinahe grotesk“, dass „wir Bischöfe“ der Verwendung von Kirchensteuermitteln „für die Finanzierung bestimmter Medien“ zustimmten, die „eine große Bühne“ ermöglichten, „auf der wir selbst als Rassisten bezeichnet werden dürfen“, schrieb Oster.

Die GKP bekräftigte demgegenüber die unbedingte Geltung der Meinungs- und Redefreiheit. „Es wirkt grotesk, das einem ausgebildeten ehemaligen Journalisten sagen zu müssen, dem zudem der Unterschied zwischen Bote und Botschaft nicht klar zu sein scheint“, sagte Frank. Er erinnerte an die unter Papst Paul VI. veröffentlichte Pastoralinstruktion „Communio et progressio“ aus dem Jahr 1971, die als Folgedokument des Zweiten Vatikanischen Konzils die „Freiheit der Meinungsäußerung“ betont und feststellt, dass die Kirche der öffentlichen Meinung bedürfe, weil nur dann „in ihrem Denken und Handeln Fortschritt möglich“ sei.

Mit Blick auf Osters Äußerungen sagte Frank weiter: „Genauso grotesk ist die Vorstellung, die Bischöfe könnten über Kirchensteuern wie über eigenes Geld verfügen. Kirchensteuern sind das Geld der Gläubigen. Sie haben das Recht, über strittige Themen wie das Frauenpriestertum umfassend informiert zu werden.“ Hier liege der besondere Wert der konfessionellen Medien, die sich kirchlichen Themen oftmals in größerer Breite und Tiefe widmen könnten als säkulare Medien.

Die GKP forderte Oster auf, sich unmissverständlich zur Unabhängigkeit der Berichterstattung kirchlicher Medien zu bekennen. „Dass der in der Medienarbeit so versierte Bischof Zweifel an ehernen Prinzipien der Publizistik und der selbstverständlichen Geltung von Freiheitsrechten aufkommen lässt, ist aus Sicht der GKP mehr als befremdlich.“

(Bildquelle: Karl Grüner)

(Korrektur: 21. April, 12.40 Uhr: Bischof Oster ist nicht Mitglied der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, wie es ursprünglich in der Stellungnahme hieß.)

 

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