Beate Schley: ihr Beruf hat sie Menschenkenntnis gelehrt

Beate Schley (59) arbeitete zunächst als Redakteurin bei „Weltbild“ in Augsburg. Nach dem Aus für die Zeitschrift wechselte die Münchnerin als Pressereferentin zu dem Buchverlag Droemer Knaur (damals Droemer Weltbild), den sie jetzt wieder verlassen hat. Inzwischen arbeitet sie als freie Journalistin. Die Arbeit in einem Buchverlag ist "immer auch ein geistiges Abenteuer", schreibt sie in der Dezember-Ausgabe der GKP-Informationen:

Meine Langzeit-Recherche ist beendet! Fast 17 Jahre habe ich für einen Buchverlag gearbeitet und dabei viel über den Ort gelernt, wo sich Geist und Geld begegnen. Nun bin ich wieder das, was ich immer war, immer sein wollte: Journalistin, „von niemandem vereinnahmbar“, frei nach Erasmus von Rotterdam, dem berühmten Humanisten, und frei nach Reiner Kunze, einem meiner Lieblingsdichter. Nun, mein Ex-Buchverlag veröffentlicht keine Gedichtbände, und völlige Unabhängigkeit, die ja auch im Journalismus eine Seltenheit ist, kann sich kein Publikumsverlag leisten. Ein Verlag bringt ja oft Kultur hervor, doch muss er, da er keine Subventionen erhält, von seinen Verkäufen auch leben. Ein schmaler Grat! Das wurde mir mit meinen hehren journalistischen Idealen in der kleinteiligen Text-Manufaktur namens Buchverlag schnell klar. Doch trotzdem ist die Arbeit in einem Buchverlag immer auch ein geistiges Abenteuer.

Auf wie vielen quirligen Frankfurter Buchmessen bin ich nicht gewesen, wie viele interessante Autoren – von Kardinal Lehmann bis Nina Hagen – habe ich nicht als Pressereferentin kennengelernt. Ich habe viele Pressekonferenzen organisiert und in vielen Redaktionen konnte ich den Blatt- oder Sendungsmachern interessiert über die Schulter schauen. Denn mindestens zweimal jährlich – immer zum Programmstart – durfte ich Redaktionsbesuche unternehmen, die auch meine natürliche Neugier auf fremde (journalistische) Lebenswelten befriedigten.
Auch die Digitalisierung des Verlagswesens habe ich quasi hautnah mitbekommen. Viel Routinearbeit am Servicetelefon gab es natürlich auch, die manchmal viel Geduld erforderte: Warum wollte der sich so wichtig nehmende Schreiber vom Hinterdupfinger Volksblatt in seiner Penetranz („Ist doch Werbung für Sie!!“) einfach nicht verstehen, dass eine Rezension in seiner Postille den Verkauf des Titels sicher nicht schwunghaft beleben und die Bereitstellung von 30 Gratis-Rezensionsexemplaren rechtfertigen würde. Klassisch auch der nicht einmal mehr Freud’sche Versprecher am Telefon, wenn „Rezessionsexemplare“ bestellt wurden. Jedesmal musste frau sich dabei, innerlich lächelnd, verkneifen, zu erklären, dass das Wort etwas mit Rezensieren und nichts mit wirtschaftlicher Schieflage zu tun hat. Obwohl – ich will nicht ungerecht sein, vielleicht bin ich auch voreingenommen: Die Journalisten waren meist viel netter als manche sich selbst stark überschätzende Autoren mit unrealistischen Forderungen. Jedenfalls: Der Umgang mit so unterschiedlich tickenden Zeitgenossen hat mich Menschenkenntnis gelehrt – eine hohe Schule der Diplomatie. Nur das Verfassen eigener Texte kam mir als gelernter Frau des Wortes immer zu kurz. Der Pressetext, die Pressemitteilung ist keine Gattung, bei der man sich sprachlich oder journalistisch austoben kann. Doch jetzt kann ich wieder – bitte lassen Sie mir die Illusion! – nach Lust und Laune schreiben, was ich will. Es müssen ja nicht unbedingt Bücher sein. Auch wenn ich weiß, wie’s geht.

 

Druckversion

AddThis

|||||