Virtuelle GKP-Veranstaltungen

Es dauert wohl noch eine Weile, bis das normale Verbandsleben wieder Fahrt aufnehmen kann: Die Jahrestagung und viele Regionalgruppen-Termine sind bereits ausgefallen. Um die veranstaltungsfreie Corona-Zeit zu überbrücken, hat der Vorstand eine Lizenz des Videokonferenzsystems Zoom angeschafft, um virtuelle Veranstaltungen anbieten zu können.

Seit Mai bieten wir in der Regel zwei Veranstaltungen pro Monat an. Unsere nächsten Termine:

Bereits stattgefunden haben folgende Veranstaltungen:

Abenteuer im Beruf: Stasi-Anwerbeversuch

Dr. Andreas Püttmann, Politikwissenschaftler und  freier Publizist in Bonn, berichtet in den GKP-Informationen über ein Erlebnis kurz vor dem Fall der Mauer in Berlin:

Im Mai 1989 nahm ich an einem Kongress „40 Jahre Grundgesetz“ in Berlin teil und wollte erstmals für einen Tag nach Ost-Berlin. Am Bahnhof Friedrichstraße musste ich nach Vorzeigen meines Passes auffällig lange im Kontrollhäuschen warten. Vielleicht weil ich Mitglied der IGFM und der JU war und an der Uni für einen Berater Kanzler Kohls arbeitete? Oder weil ich soeben im Streitgespräch des WDR-Mittagsmagazins (wo ich Redaktionsassistent war) die DDR ein Unrechtsregime genannt hatte, das an der Grenze auf Menschen schießen lasse „wie auf Hasen“?
Als ich endlich passieren durfte, sprach mich auf dem Bahnhofsvorplatz ein Mann mittleren Alters an: „Reinhard Wilk. Volontär beim Neuen Deutschland. Ich recherchiere zur Sicht der Bundesbürger auf die Partei ‚Republikaner’, darf ich Sie dazu befragen?“ Ich fand ihn für ein Volontariat zu alt, aber er behauptete umzuschulen. Weiterlesen »

Annas Erscheinung

Am Beispiel des Films „L‘ Apparition“ (Die Erscheinung, 2018) von Regisseur Xavier Giannoli zeigt P. Christof Wolf SJ in den GKP-Informationen, dass wir Glaubenserfahrungen anderer Menschen nicht als die unsrigen integrieren können.

Der Reporter Jacques Mayano ist geschockt. Jetzt ist es doch passiert. Jahrelang war Christophe als Fotograf an seiner Seite. An unzähligen Kriegsschauplätzen haben sie gemeinsam das Geschehen dokumentiert, um den betroffenen Menschen eine Stimme zu geben. Und nun ist er beim letzten Einsatz in Syrien brutal ums Leben gekommen. Stumm besteigt Jacques das Transportflugzeug mit dem Sarg seines Freundes und fliegt nach Hause. Doch das Geschehene lässt ihn nicht los. Zum Leidwesen seiner Familie verbarrikadiert er sich. Klebt alle Fenster und Türen zu. Zudem leidet er an einem Hörsturz. Aber deshalb den Beruf aufgeben? Niemals! Wann kann ich wieder arbeiten, fragt er den Arzt. Da erreicht ihn ein Anruf aus Rom. Der Anrufer gibt sich sehr schmallippig. Nein, genaue Details könne er nicht nennen, aber der Kardinal übernehme alle Reisekosten, und es sei sehr wichtig, dass Jacques in dieser delikaten Angelegenheit nach Rom komme. Jacques ist skeptisch. Was will dieser Kardinal der römischen Glaubenskongregation von ihm? Letztlich siegt die journalistische Neugier. „Sind Sie religiös?“ fragt ihn der Kardinal. „Ja, aber ich gehe nicht in die Kirche, wenn Sie das meinen.“ – „Sehr gut! Dann sind Sie bestens geeignet.“ Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Ausgerechnet er soll mit anderen Expertinnen und Experten eine Marienerscheinung in Südostfrankreich auf ihre Echtheit untersuchen? Weiterlesen »

Was ist der Mensch?

Zum 10. Todestag von P. Albert Keller SJ, dem langjährigen geistlichen Beirat der GKP, erschien in den GKP-Informationen im Juli der folgende Besinnungstext von ihm

Wenn einer behauptete: „Der Mensch ist 18,70 Euro wert!“, so schiene uns das recht unsinnig. Aber diese Preisangabe wird weniger sinnlos, nimmt man den Menschen nur als Summe seiner physikalischen Elemente, also von Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und den verschiedenen Spurenelementen. Analysiert man den Menschen nach den chemischen Verbindungen, die ihn aufbauen, so wäre der Preis höher; und sehr ansehnlich würde der Erlös, berechnete man seine organischen Bestandteile, also Nieren, Herz und alles, was sich heute verpflanzen lässt, nach Marktpreisen.
Diese Betrachtung scheint inhuman, doch sie verdeutlicht, dass man die Frage nach dem Menschen unter sehr unterschiedlichen Gesichtspunkten angehen kann. Ich kann ihn als physikalisches Gebilde oder als Organismus betrachten; dann werden meine Aussagen nicht schlechthin falsch, aber völlig unzureichend. Weil unser ganzes Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber aber von der rechten Antwort auf die Frage: „Was ist der Mensch?“ abhängt, genügen solche Auskünfte nicht. Weiterlesen »

Abenteuer im Beruf: Die Altarschelle

Judith Rupp ist Pressesprecherin im Bistum Trier und leitet den Bereich „Kommunikation und Medien“. In der GKP ist sie seit 2014 dank des hartnäckigen Werbens ihres früheren Chefs Dr. Stephan Kronenburg. Das Bistum Trier ist seit 60 Jahre mit Bolivien in einer Partnerschaft verbunden.

Wissen Sie, was „Altarschelle“ auf Spanisch heißt? Ich wusste es nicht, zumindest nicht bis zum März 2015. Da hatte ich nämlich eine im Gepäck, auf dem Flug nach Bolivien. Natürlich wurde ich nach der Ankunft in Santa Cruz vom Zoll rausgebeten. Was das denn sei, was da golden schimmernd zwischen meinen T-Shirts lag, wollte der Zollbeamte wissen. Mit dem Ausdruck „campanilla del altar“ konnte er nichts anfangen, und so musste ich mit meinen drei Brocken Spanisch erklären, wozu das Teil gut sein soll und dass ich es für „Padre Leo“ als Geschenk aus seinem Heimatbistum mitbringe. Ob den Beamten mein Gestammel überzeugt hat oder ob er dachte, dass ich wohl kaum Schaden mit einer Glocke anrichten würde – er ließ mich mitsamt der Schelle einreisen. Weiterlesen »

Buchtipp: "Ich lass mir den Mund nicht verbieten!"

Michael Haller Walter Hoemberg Ich lass mir den Mund nicht verbieten Reclam VerlagMit Blick auf den Journalismus heute erscheinen sie als Sternstunden: In 60 Schlüsselereignissen und Porträts zeigt der von den beiden Kommunikationswissenschaftlern Michael Haller und Walter Hömberg herausgegebene Sammelband, dass Meinungs- und Pressefreiheit einst erst erstritten werden mussten. Die lesenswerten Beiträge unter anderem über Daniel Defoe, Marion Gräfin Dönhoff, Heinrich Heine, Günter Gaus, Nikolaus Groß, Egon Erwin Kisch, Maria Leitner, Alexander Puschkin, Joseph Pulitzer und Joseph Roth illustrieren die Entwicklung des Journalismus von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Vor 20 Jahren sind einige der Buchbeiträge schon in der Medienzeitschrift „Message“ erschienen. Nun verweisen sie erneut auf journalistische Wegbereiter, deren Publizistik die Demokratisierung der westlichen Gesellschaften förderte und stärkte. (rub) Weiterlesen »

Ärger über Corona-Berichterstattung

In der Rubrik "Zu meinem Ärger" im Juni-Heft der GKP-Informationen schreibt Barbara Wiegard, Pressesprecherin im Berliner Büro von MISEREOR:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Auch wenn in Krisenzeiten die Tendenz zur nationalen oder gar regionalen Verengung der Nachrichten vielleicht verständlich ist, bin ich mittlerweile genervt von zahllosen Berichten über sinkende COVID-Fallzahlen in Würselen und Hygienekonzepte in Sachsen. Es wird häufiger über Demonstrationen von 50 Verschwörungstheoretikern in Berlin berichtet, als über die Bewältigung der Pandemie in anderen europäischen Ländern, natürlich mit Ausnahme der Corona-Hotspots, wie Italien. Vielmehr würde mich interessieren, wie es den Menschen in den osteuropäischen Ländern, wie Polen, Ungarn oder Litauen geht oder wie es Griechenland und Portugal erfolgreich geschafft haben, trotz des notwendigen Schuldenabbaus in den vergangenen Jahren die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Dass in Europa die Grenzen zur Pandemie-Eindämmung geschlossen werden musste, war schmerzhaft, wenn auch wichtig. Die Medien hätten aber durch einen breiteren Fokus vermocht, die Nähe zu den europäischen Nachbarn gerade in dieser Zeit wieder herzustellen. Weiterlesen »

Leibspeise

P. Christof Wolf SJ, der geistliche Beirat der GKP, erklärt im Juni-Heft der GKP-Informationen die Bedeutung des Fronleichnamsfestes:

Heute hat jede Firma, jede Institution ein Corporate Design, das der Webseite, dem Instagram-Account, allen Social-Media-Auftritten ihr Gesicht gibt, so dass die Identität der Marke überall unverkennbar präsent ist. In gewisser Weise gab es das immer schon. Frühere Generationen haben zum Beispiel viel Wert auf Wappen oder Denkmäler gelegt. Die Sehnsucht nach Identitätsstiftendem ist ein urmenschliches Verlangen, den eigenen Werten und Beziehungen Ausdruck zu verleihen. Weiterlesen »

Im Todestrakt

Harald Biskup, ehemaliger Chefreporter beim Kölner Stadt-Anzeiger, für den er weiterhin unregelmäßig schreibt,berichtet im Juni-Heft der GKP-Informationen über eine abenteuerliche Begegnung mit einem zum Tod Verurteilten:

Lange konnte ich die sechs Ziffern auswendig, wie eine vertraute Telefonnummer. 999 027 – die Häftlingsnummer von John Avalos Alba, inhaftiert in Ellis Unit One, einem Hochsicherheitsgefängnis im endlosen texanischen Weideland, 20 Kilometer von Huntsville entfernt. „Stadt des Todes“ hat man Huntsville genannt, denn nirgendwo sonst in den USA macht der Staat so häufig von dem sich selbst gegebenen Recht auf Töten Gebrauch.
Als ich John Alba kurz vor Ostern 1998 nach mehreren Gesuchen und einer Genehmigung der Justizbehörden von Texas besuchen darf, sitzt er schon seit mehr als sechs Jahren im Todestrakt von Ellis. Er war schuldig befunden worden, seine Frau, mexikanisch-stämmig wie er, in einem Supermarkt erschossen zu haben. Sie soll ihn mit zahlreichen Liebhabern betrogen haben, doch Entlastungszeugen wurden nicht gehört. Weiterlesen »

Nicht nur kritisch, sondern auch selbstkritisch

Klaus Nientiedt ärgerte sich darüber, dass manche Medien beim Thema Coronakrise Intrerviewpartner eher vorführen wollen, als sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

 

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Medien aus? Der Informationsbedarf in der Gesellschaft scheint größer zu werden – aber ebenso der Druck auf die Medien, in dieser Situation auf sich aufmerksam zu machen. Dabei traten manche negative Seiten des medialen Handels zutage.
In den ersten Wochen der Corona-Pandemie war immer wieder der Wunsch zu hören, man solle nicht in Panik verfallen. Dieser Satz war immer wieder gerade auch bei solchen Medien zu hören, etwa den Boulevardmedien, deren  zuspitzende und dramatisierende Berichterstattung selbst am ehesten dazu geeignet waren, Panik zu verbreiten. Bei verschiedenen Interviews zu dem Themenbereich erwischte ich mich bei dem Eindruck, der Interviewer wolle den Interviewpartner wohl eher vorführen, als sich tatsächlich kritisch an sein gewähltes Thema heranzuwagen. Weiterlesen »

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