Jens Joest: zu viel PR in der kirchlichen Medienarbeit

Jens Joest ist seit 2007 Print- und Online-Redakteur der Bistumszeitung „Kirche+Leben“ in Münster. Im Interview mit den GKP-Informationen beklagt er einen zu großen Einfluss der PR in der Medienarbeit der Kirche:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?
Mich ärgert das bundesweit wachsende Übergewicht der PR in der katholischen Medienarbeit. Viele Bistümer bauen Pressestellen stark aus, während Redaktionen bei Bistumszeitungen schrumpfen, die sich – anders als Pressestellen – wirtschaftlich behaupten müssen.

Bistümern und ihren PR-Leuten sollte klar sein, dass Bistumszeitungen Menschen im absoluten Kern der Kirche erreichen. Diese Menschen gestalten das Leben der Pfarreien, sind der Kirche so eng verbunden, dass sie ein Zeitungsabo bezahlen – neben der Kirchensteuer. Wer Bistumszeitungen kaputt spart oder schließt, wertschätzt den Kern eigener Engagierter nicht. Zumal diese ein Forum für Dialog, für Gegenpositionen, für Kritik an der Kirche, für Ideen der Laien und der Verbände verdient haben.  So etwas kann die PR von Bistumsleitungen kaum sein. Nicht einmal auf Internetseiten der Kirchenverwaltung oder in Sozialen Medien. Eine Kirche, die nur Wohlfühl-PR und die Sicht ihrer Leitung verbreitet, traut sich nicht aus ihrer vermeintlich heilen Welt heraus. Die Kirche sollte sich aber – wie die Gesellschaft – der öffentlichen Begleitung durch Medien stellen, die auch kritisch berichten und die ganze Palette der Meinungen abbilden. Und die Kirche sollte es nicht für „Nestbeschmutzung“ halten, wenn Bistumszeitungen kritisch nachhaken. Die Kollegen dort tun das, weil sie kompetent und umfassender über Kirche berichten als „weltliche“ Medien.
 
An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?
 Print bleibt mein „Genuss-Medium“. Herausragend jüngst das Stück über einen 40-Jährigen, bei dem Alzheimer diagnostiziert wird („Spiegel“, 2.9.17). Barbara Hardinghaus hat die Familie sieben Jahre begleitet, von der Diagnose bis zum Tod des Mannes im Pflegeheim. Ein Stück, das packt, weil man Alzheimer und Demenz für Krankheiten des Alters hält. Respekt vor der Offenheit der Familie.
 
Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?
 Drüber reden. Falls nicht möglich: Sich mit Leuten umgeben, die mit der Sache nichts zu tun haben. Bei beruflichem Ärger gern Nicht-Journalisten. Alternativ: Ruhige Musik. Wenn die ganze Woche stressig war, fahre ich gern ins Stadion. Zwar ist eher unsicher, ob der VfL Bochum guten Fußball spielt. Aber es gibt kaum einen Ort, wo ich den Kopf so ausschalten kann. Und dann Siegtor kurz vor Schluss…

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