"Wie kurieren wir die Kirche?"

Joachim Frank diskutierte mit Kollegen aus der Region Rheinland über sein aktuelles Buch

„Jetzt hören Sie mal auf mit dem Schreiben von Artikelchen“, befahl Verleger Alfred Neven DuMont nach dem Papst-Rücktritt dem Chefkorrespondenten des von ihm herausgegebenen Kölner Stadtanzeigers, um – zu dessen Verblüffung – fortzufahren: „Sie schreiben jetzt ein Buch!“ GKP-Mitglied Joachim Frank ließ sich das nicht zweimal sagen, ergriff die Chance beim Schopf und präsentierte den Kollegen aus der Region Rheinland beim gut besuchten Stammtisch in der Kölner Altstadt nun das Ergebnis intensiver mehrmonatiger Arbeit: sein 300 Seiten umfassendes Buch „Wie kurieren wir die Kirche – Katholisch sein im 21. Jahrhundert“. Zudem gewährte Frank informative und unterhaltsame Einblicke in seine Schreibwerkstatt und sein turbulentes Berufsleben.

 

Stammtisch der Region Rheinland:
Autor Joachim Frank (Mitte) suchte
mit Kollegen nach Lösungswegen
aus der Kirchen- und Glaubenskrise.

Foto: Christiane Limberg

Um die Aufgabe irgendwie zu strukturieren, habe er zunächst Themen gesammelt, die für das katholische Leben in Deutschland künftig von zentraler Wichtigkeit sein werden. So geht es in seinem Buch sowohl um Reizthemen wie Frauen-Ausgrenzung oder antiquierte Sexualmoral als auch um leisere Themen wie vergessene Spiritualität und Erfahrungen im Bereich Weltkirche. Zu jedem der Themen lässt Frank in lebendigen Interviews sowohl engagierte Christen („nicht immer die üblichen Verdächtigen“) als auch prominente Kirchenvertreter wie Margot Käßmann, Navid Kermani, Annette Schavan oder Bischof Franz-Josef Overbeck zu Wort kommen.

Glaubwürdigkeit, Realitätssinn und Bescheidenheit – das sind die drei Grundmotive, die Joachim Frank nach seiner Interview-Reise durch den Katholizismus im Abschlusskapitel seines Buches als unverzichtbar für die „Großbaustelle Kirche“ benennt. Weil es in der Kirche um den Glauben geht, sei Glaub-Würdigkeit Bestandteil des Produkts selbst: „Mit der Glaubwürdigkeit der Kirche steht und fällt der Wert des Glaubens, den sie verkündet.“ Maßgeblich für alle notwendigen Reformschritte der Kirche sei außerdem ihr Realitätssinn: „Dieser Wirklichkeitsbezug muss das karitative, soziale und politische Engagement der Menschen im Raum der Kirche ebenso bestimmen wie die kirchliche Selbstwahrnehmung.“ Wenn von Bescheidenheit in der Kirche gesprochen wird, so sei damit weit mehr gemeint als der im Vatikan neuerdings angesagte „Bergoglio-Chic“. Die Kirche brauche sich den Menschen gegenüber nicht als Gouvernante aufzudrängen, sondern sollte ihnen vielmehr gelassen-freundlich Geleit geben. Frank: „Noch ist die Kirche zu sehr befangen und beschäftigt mit den Folgen ihres epochalen Reichweitenverlusts.“

Glaubenskrise und Kirchenkrise stehen nach Meinung des Autors in enger Wechselbeziehung zueinander. Nach der Zukunft unserer Kirche gefragt, ist der Publizist nicht pessimistisch. Am Ende seines Buches fasst er zusammen: „In einer Kirche, die sich bewegt, lebt es sich leichter, besser – und schöner.“ Dass sich in der Frauenfrage etwas ändern wird, ist für ihn selbstverständlich: „Die Macho-Gesellschaft wird nicht so bleiben. Das ist nur eine Frage der Zeit“, sagte er den GKP-Kollegen ohne Zögern. Frank hofft, dass es der Kirche gelingt, mit niederschwelligen Angeboten langfristig auch junge Menschen auf sich aufmerksam zu machen und dass die vielen positiven Signale von Papst Franziskus sehr bald als Reformen strukturiert umgesetzt und institutionalisiert werden.

Christiane Limberg

 

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