Journalistenreise 2009 nach Norwegen

Datum : 
20.05.2009 - 06.06.2009

Nichts für Pessimisten. GKP-Mitglieder erleben die Diaspora-Kirche Norwegens

Fragt man Bernt Eidsvig, den Bischof von Oslo, nach seiner größten Sorge, dann muss er lange überlegen. Er klagt nicht darüber, dass nur 1,6 Prozent der etwa viereinhalb Millionen Einwohner Norwegens katholisch sind. Dass die Kirche zu mehr als 85 Prozent aus Einwanderern besteht. Dass es kaum katholische Gotteshäuser gibt und viele Pfarrer 70 000 Kilometer im Jahr zurücklegen, um in ihren riesigen Pfarreien Messen zu feiern. „Eigentlich habe ich diese Sorgen ganz gerne“, sagt Eidsvig, 56, der seit 2005 das Bistum Oslo leitet. Denn die norwegische Kirche sei zwar klein – aber in Bewegung.

Davon haben sich 15 Journalisten zehn Tage lang überzeugt. Von Oslo im Süden bis Tromsö ganz im Norden führte die Norwegenreise, die die GKP in Zusammenarbeit mit dem Bonifatiuswerk veranstaltete. Das Land im hohen Norden, wo sich Fjorde tief ins Land hineingraben und der Schnee auch im Sommer nicht von Berggipfeln verschwindet, ist ein Diaspora- Gebiet. Seit der Zwangsreformation im 16. Jahrhundert ist in Norwegen die lutheranische Kirche Staatsreligion, wenngleich deren Einfluss schwindet. Norwegen ist ein säkulares Land.

Dass dagegen die katholische Kirche – im kleinen Rahmen – wächst, liegt an den Einwanderern. Erst kamen die Vietnamesen, dann die Polen. Und tausende Menschen aus mehr als 100 Nationen. Die Zuwanderung ist für Norwegens katholische Kirche einerseits überlebensnotwendig, andererseits eine Herausforderung – schon wegen des Sprachen-Dilemmas, denn größere Gruppen bringen ihre Pfarrer mit und feiern die Messen in ihren Heimatsprachen. Die Norweger sind eine Minderheit in der eigenen Kirche.

„Der Katholizismus in Norwegen ist nichts für Pessismisten“, sagt Eidsvig. Solche würden auch den Kopf schütteln, wenn sie hören, dass ausgerechnet in der tiefsten Diaspora in den vergangenen Jahren mehrere Klöster gegründet wurden. Auf Tautra zum Beispiel, einer Insel in Mittelnorwegen, haben sich Trappistinnen angesiedelt. Sie waren schon einmal da, bis zur Reformation. Der Neubau, 2006 fertiggestellt, ist wegen seiner Architektur preisgekrönt, und zieht viele Besucher an. „Die Leute wissen eigentlich nichts von den Schwestern, aber sie wissen, dass irgendetwas fehlte“, sagt Eidsvig. Kein Grund zur Klage, findet der Bischof.

Katja Auer

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