Journalistenreise 2008 nach Rom (Italien)

Datum : 
20.05.2008 - 21.05.2008


Im fünften Gang durch Rom

Früh einen Gang hoch schalten, das soll energiesparend sein. Und dann das: Unterwegs mit Matthias Kopp geht die bewährte Gleichung plötzlich nicht mehr auf. Egal, wo sich die GKP-Reisegruppe über vatikanisches oder römisches Pflaster bewegte, irgendwo zwischen Apostolischem Palast, Petersdom und diversen Kongregationen – immer eilte ihr ein Matthias Kopp mit großen Schritten voraus. Von wegen energiesparend: „Fünfter Gang“, lautete stets die Anweisung des Reiseleiters. Mit anderen Worten: „Presto, der nächste Kardinal wartet.“


Kardinal Tauran

Das Programm der GKP-Exkursion Ende November war abwechslungsreich, hochkarätig und vom neuen Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz perfekt organisiert: Rund zwei Dutzend Besuchs- und Gesprächstermine im und um den Vatikan packte Kopp in fünf arbeitsreiche Tage. Zwei Themenfelder bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt. Zum einen ging es um die Beziehungen des Heiligen Stuhls beziehungsweise der katholischen Kirche mit anderen Staaten und Religionen. In den Hintergrundgesprächen mit dem israelischen BotschafterMordechay Lewi, mit dem Chefdiplomaten im Staatssekretariat, Pietro Parolin, und auch mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, ging es insbesondere um die Beziehungen zum Judentum und die Hintergründe einer geplanten Israelreise des Papstes. Die Pläne für den Besuch im Heiligen Land sickerten während des Aufenthalts der GKP-Mitglieder in Rom durch und wurden inzwischen offiziell bestätigt.

Erzbischof Celli
Erzbischof Celli

Zum anderen ging es bei der Reise auch immer wieder um die Medienarbeit im Vatikan. Hierzu trafen die 25 mitgereisten GKP-Mitglieder den Präsidenten des päpstlichen Medienrates. Erzbischof Claudio Maria Cellisprach vor allem darüber, wie die virtuelle Welt die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen verändert. Angesprochen auf das Mediennutzungsverhalten Jugendlicher und die Bedeutung interaktiver Webangebote sagte Celli, man ziehe durchaus in Erwägung, den Heiligen Vater eines Tages auf der Videoplattform „Youtube“ Botschaften verkünden zu lassen. Solche theoretischen Überlegungen zur Medienarbeit wurden bei anderen Treffen in ganz praktische Fragen übersetzt. Pater Lombardi
Pater Lombardi
Pater Federico Lombardi, Direktor des Vatikanischen Pressesaals und zugleich Chef des vatikanischen Fernsehens und von Radio Vatikan, äußerte sich unter anderem positiv zu den in Deutschland diskutierten Fernsehplänen der katholischen Kirche. Er verfolge die Initiative mit Interesse, bei Bedarf werde man aus Rom Bildmaterial zuliefern. Die Chefredakteurin der deutschsprachigen Ausgabe des Osservatore Romano, Astrid Haas, sowie Stefan von Kempis, Redakteur bei Radio Vatikan, berichteten von ihrer Arbeit. Bei den Abendessen stießen zur geselligen Runde die Rom-Korrespondenten Andreas Englisch („Bild“), Antje Pieper (ZDF), Alexander Smoltczyk („Spiegel“) undJohannes Schidelko (KNA).

 

Andreas Englisch, rechts
Andreas Englisch, rechts.

Georg Genswein
Georg Genswein

Einen Einblick in den „geheimnisvollen“ Vatikan sollte die Reise geben – ein Versprechen, das voll und ganz eingelöst wurde. Beim dritten Besuch fühlte sich die GKP-Reisegruppe im Apostolischen Palast schon fast wie zu Hause. Im Aufzug mit silberner Christophorus-Plakette ging es nach oben, wo die Journalisten aus Deutschland von Prälat Georg Gänswein und von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone empfangen wurden. Bertone, zweitmächtigster Mann im Vatikan, sprach über die große Politik (USA, Irak-Konflikt, Beziehungen zu Deutschland), machte aber auch kein Geheimnis aus seinen persönlichen Interessen: Hinter dem Kardinal parkte im prunkvollen Audienzsaal ein Formel-1-Modellauto eines italienischen Rennstalls repräsentativ auf einem goldenen Tisch. Besuche im Vatikan haben durchaus ihre heiteren Momente.
Kardinal Bertone  Kardinal Bertone
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone

 

Sant Egidio
Bei der Basisgemeinde Sant Egidio

Eindrucksvoll war das Treffen mitCesare Zucconi. Der Leiter der Basisgemeinschaft Sant Egidio verdeutlichte unter anderem, welche Bedeutung die weltweit agierende Laienbewegung nicht nur im sozialen Bereich, sondern auch als Moderatorin bei Friedensverhandlungen in vielen Krisenregionen hat. Um caritative Hilfsaktionen des Vatikan ging es im Gespräch mit Kardinal Josef Cordes (Päpstlicher Rat Cor Unum). Cordes betonte, dass der moralische Wert von Hilfsprojekten oft größer sei als der materielle.

 

Weitere Gesprächspartner während des fünftägigen Aufenthalts waren unter anderem Kardinal Walter Kasper(Päpstlicher Rat für die Einheit der Christen), KardinalGiovanni Lajolo (Präsident des Governatorats von Vatikanstadt), Erzbischof Luis Francisco Ferrer (Sekretär der Glaubenskongregation), Erzbischof Josef Clemens (Laienrat) sowie Abtprimas Notker Wolff.
Kardinal Kasper Kardinal Lajolo
Kardinal Walter Kasper (l) und Kardinal Giovanni Lajolo (r)
Bischof Clemens Notker Wolff
Erzbischof Josef Clemens (l) und Abtprimas Notker Wolff (r)

Mosaikwerkstatt
In der Mosaikwerkstatt

Darüber hinaus ließ es sich Matthias Kopp nicht nehmen, die Reisegruppe an wichtige Plätze in und rund um Rom zu führen: Petersdom, Lateran, Vatikanische Mosaikwerkstätten. Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch des Klosters in Subiaco, das über der Einsiedlerhöhle des Heiligen Benedikt erbaut wurde. Herrliche Wand- und Deckenfresken zieren die mehrstöckige Kirche.
In Subiaco
Die Reisegruppe in Subiaco

 

Am letzten Tag führte Matthias Kopp die Gruppe schließlich unter die Erde. Bei der Führung in der Domitilla-Katakombe bekamen die GKP-Mitglieder sonst nicht zugängliche Teile der Friedhofanlage zu sehen. Kopp hatte hier einst selbst an archäologischen Grabungen teilgenommen und konnte so zahlreiche Schätze wie alte Mosaike und Deckenmalereien zeigen. Und ausnahmsweise marschierte die Gruppe in der unbeleuchteten Katakombe mal nicht „im fünften Gang“ – die Gefahr von Verlusten wäre hier einfach zu groß gewesen.

(Text und Fotos: Christian Klenk, Eichstätt) 

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