Impressionen von der Beerdigung von P. Dr. Albert Keller SJ

Impressionen von der Beerdigung von P. Dr. Albert Keller SJ

Der am 5. Juli in München gestorbene langjährige Geistliche Beirat der GKP wurde am 9. Juli auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach bei München beigesetzt. Die Tegernseer Gebirgsschützen, deren Feldkurat P. Keller war, haben der Beerdigung ihr eigenes Gepräge gegeben. Max Kronawitter gibt in einem anschließenden Text seine Eindrücke von der Beisetzung P. Kellers wieder.

Fotos: Karl Grüner
Am Grab von Pater Keller

Es ging durch Mark und Bein als die Gebirgsschützen am offenen Grab von Pater Keller den Ehrensalut abfeuerten. Eine stattliche Abordnung der Kameraden war gekommen, um ihrem Feldkuraten die letzte Ehre zu erweisen. In Pullach, dort wo Keller mit dem Philosophiestudium seine Jesuitenlaufbahn begann, wurde er am 9. Juli der Erde übergeben. Verwandte, Freunde und einstige Kollegen, aber auch ungewöhnlich viele Mitbrüder aus dem Jesuitenorden gaben ihm das letzte Geleit.

Er sang den AndachtsjodlerEtwas irritiert schaute der eine oder andere, als ein Weggefährte Kellers vor dem Sarg den Andachtsjodler anstimmte. So fremdartig dieser Gestus auf dem Jesuitenfriedhof zunächst wirkte, wer Keller kannte, der konnte bald schmunzelnd bekennen: das passt. "Albert ruhe in Frieden, bis wir uns wiedersehen" rief ihm der Sänger nach. Und so war es eine seltsame Mischung aus Schwere und österlicher Leichtigkeit, die bei Bilderbuchwetter alle Trauergäste einte. Das Stehen auf den Gräbern der vorangegangenen Jesuiten, darunter Namen wie Reinhold Iblacker oder Walter Brugger, machte deutlich, in welche Gemeinschaft der Verstorbene nun hinübergewechselt war.
"Wenn ich an Pater Keller denke, denke ich an die Freiheit. Ich habe wenige Menschen kennengelernt, die so frei waren wie Pater Keller." Mit diesen Worten eröffnete Hochschulrektor Prof. Michael Brodt das anschließende Requien in der Pullacher Hl.Geist-Kirche. Der Rektor des Berchmannskolleges, Pater Martin Maier, würdigte Keller in seiner Predigt als Original. Er erzählte von einem Lateinamerikanischen Mitbruder, der nach einer Begegnung mit dem Lederhose tragenden Pater Keller bekannte: "Bisher habe ich die Vielfalt der Charaktere in der Gesellschaft Jesu unterschätzt." Der Humor, so Maier, sei für Albert Keller etwas Wesentliches gewesen. "Gott muss Humor haben," war Kellers Überzeugung, "sonst könnte er die Menschheit nicht ertragen" Auch Maier verwies auf die Bedeutung der Freiheit im Denken Kellers und der daraus resultierenden Grundskepsis allen Normen und Ordnungen gegenüber. Wie Jesus habe Keller deshalb immer dem Menschen den Vorrang gegeben vor der strikten Einhaltung von Gesetzen. Sein leidenschaftliches Eintreten für einen menschlichen Umgang mit kirchlichen Verordnungen, habe ihm, so Maier, den Titel "Rebell auf der Kanzel" eingebracht. Rabiat ist er immer dann geworden, wenn er das Gefühl hatte, die Zustimmung zu Normen sei nicht das Resultat einer Überzeugung, sondern von oben verordnet.

Kellers Theologie zielte auf den Menschen. Deshalb, so Maier, habe Keller das Gleichnis vom verlorenen Schaf auch gerne uminterpretiert: Die Kirche, so sein Vorwurf, kümmert sich um das eine daheimgebliebene Schaf mehr, als um die 99, die sich verirrt haben. Den Fernstehenden die frohe Botschaft nahe zu bringen, darin habe Pater Keller seine missionarische Aufgabe gesehen: als Pfarrer auf Kreuzfahrtsschiffen, als Autor und Prediger oder als Teilnehmer von Talkrunden im Fernsehsehen. "Owi (so nannten die Mitbrüder Pater Keller), du hast", so endete Maier, " deinen guten Kampf gekämpft!"

Als am Schluss der Totenmesse das Lied "Christ ist erstanden" verklang, lud Pater Maier die Anwesenden, ganz im Sinne des Verstorbenen, ins Gasthaus. "Dort", so Maier, "wollen wir die Auferstehung von Pater Keller feiern." "Eine schöne Leich!", sagte ein Gebirgsschütze beim Verlassen der Kirche. "Des hat dem Albert g´fallen," meinte darauf ein anderer.

Max Kronawitter

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