Ideologiefreie Schulpolitik

Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann trifft die GKP

Die neue baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat im Gespräch mit der GKP Südwest und dem Ökumenischen Presseclub ein Beispiel ihres ideologiefreien und pragmatischen Politikverständnisses  gegeben. Eisenmann empfing zwölf Teilnehmer des GKP-Südwest-Termins am 2. Februar in ihrem Ministerium.  Dabei zeigte sich auch: Eisenmann ist flink im Denken und Reden. Ihre erfrischende Offenheit ist in einem lange Zeit von Ideologie behafteten Politikbereich bemerkenswert. Dass sie als frühere Stuttgarter Schulbürgermeisterin etwas von ihrem Fach versteht, schadet nicht.

In Baden-Württemberg wird über Bildung derzeit verstärkt diskutiert, seitdem eine Vergleichsstudie ergeben hat, dass das Bundesland, das jahrelang auf den vorderen Plätzen gelandet war, nun ins untere Mittelfeld abgerutscht ist. „Wir haben das so nicht kommen sehen. Für die Experten kam das Ergebnis aber nicht überraschend“, sagte Eisenmann im Gespräch mit der GKP. Sie hütete sich jedoch davor, allein der grün-roten Vorgängerregierung die Schuld an der Entwicklung zu geben. Vielmehr hätten viele Faktoren eine Rolle gespielt. Eisenmann versucht nun, Ruhe ins System zu bringen und alle Schularten mit Respekt zu behandeln. Sie führt viele Gespräche mit Experten, Lehrern, Schülern, Eltern und Verbänden. Ergebnis erster Umsteuerungen: Künftig wird in Klasse eins wieder verstärkt Wert auf Rechtschreibung gelegt.

In Zeiten von Fake News und des Wahlerfolgs von US-Präsident Donald Trump hält es die Ministerin auch für angebracht, in den Schulen wieder mehr Wert auf humanistische Bildung zu legen.  „Demokratieerziehung  in der Schule ist heute wichtiger denn je“, sagte sie. Fächer wie Geschichte und Gemeinschaftskunde würden an Bedeutung eher noch gewinnen, auch wenn man zuletzt besonders stark auf die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik und Naturwissenschaften) fixiert gewesen sei.  Eisenmann bekräftigte zudem das Ziel, islamischen Religionsunterricht bedarfsdeckend anbieten zu wollen. „Davon sind wir noch weit entfernt. Bisher erreichen wir zwei Prozent der muslimischen Kinder, das ist zu wenig“, betonte  sie. Auch der Ethik-Unterricht soll an den baden-württembergischen Schulen ausgebaut werden.

Grün und Schwarz – gerade in der Bildungspolitik lagen in der Vergangenheit Welten zwischen den beiden politischen Farben. Wie das nun in einer Regierung zusammen passt?  Hier beweist Eisenmann wieder ihren pragmatischen Ansatz. In den Koalitionsverhandlungen habe es durchaus geknirscht, meinte sie. Aber der ausgehandelte Koalitionsvertrag biete eine gute Basis fürs Regieren, er sei sogar exzellent. Eine wichtige, positive Rolle für Bildungsfragen spiele auch, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor seinem Wechsel in die Politik Lehrer gewesen war.

Dieter Klink

 

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