Projektpartner und Papst

Essen - Mit Fachleuten des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat in Essen hat die GKP-Regionalgruppe Ruhrgebiet über Papst Franziskus, seine Arbeit in Argentinien, seine Rolle in der Zeit der Militärdiktatur und als Verantwortlicher für das Schlussdokument von Aparecida (2007) diskutiert.

Die Lieblingsfrage an Adveniat in den Tagen nach dem Konklave, so berichteten es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lateinamerika-Hilfswerkes, sei gewesen: „Also Ihr bei Adveniat, Ihr kennt doch sicher jemanden, der den neuen Papst aus Argentinien persönlich kennt?“ Sie kennen, denn sie kennen Papst Franziskus, den früheren Erzbischof Jorge Bergoglio persönlich. Lange Jahre sei er Projektpartner von Adveniat gewesen, berichtete Stefanie Hoppe, die selbst in Buenos Aires geboren wurde, als Länderreferentin für Argentinien arbeitete und sich heute für die Bildungsarbeit beim Hilfswerk in Essen verantwortlich zeichnet. Zuerst als Provinzial der Jesuiten, dann als Rektor einer Hochschule, schließlich als Erzbischof in Buenos Aires: Jorge Bergoglio war den Mitarbeitenden von Adveniat bekannt als Partner, der selbst einen einfachen Lebensstil pflegte, der einem auch mal den Koffer schleppte und sich vor allem für jene Projekte einsetzte, die den Armen zugute kamen.

Die Frage nach der Verstrickung Bergoglios in die argentinische Militärjunta verneinte Michael Huhn, Historiker, Bibliothekar und Archivar bei Adveniat. Die Medien hätten sich bereits am Tag nach der Wahl auf diese Frage gestürzt und sich dabei einzig auf eine Quelle gestützt, Aussagen und Veröffentlichungen des argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky. Diese seien aber durchaus differenziert zu betrachten, weil nicht beweisbar, sagte Huhn. Journalistische Sorgfalt sei hier in der Analyse der historischen Quellen angebracht gewesen. Zudem hätten die beteiligten Personen – bis auf Verbitsky – anders lautende Erklärungen abgegeben.

Die Rolle Kardinal Bergoglios bei der V. Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik 2007 in Aparecida beschrieb Christian Frevel, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Adveniat, der als Journalist die Generalversammlung vor Ort beobachtet und im gleichen kleinen Hotel wie Bergoglio gewohnt hatte. Die Bischöfe hätten den damaligen Vorsitzenden der Argentinischen Bischofskonferenz, der über hervorragende Theologen als Berater in Aparecida verfügt habe, zum Leiter der Redaktion für das Schlussdokument gewählt. In dieser Funktion habe er (gemeinsam mit dem honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga) sich gegen Versuche der Einflussnahme und Manipulationen am Schlussdokument erfolgreich zur Wehr gesetzt. Diese Versuche seien seitens der vatikanischen Kurienvertreter, aber auch aus rechten Gruppierungen innerhalb der Kirche Lateinamerikas gekommen.

Über die aktuelle Situation in Buenos Aires informierte Pressesprecherin Carolin Kronenburg. Sie war zwei Mal für Adveniat vor Ort, um über die Lage in Armenvierteln von Buenos Aires, die sogenannten Villas, die prekären Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung und die nicht enden wollende Suche der „Madres de la Plaza de Mayo“, der Mütter der während der Militärdiktatur Verschwundenen, zu berichten.  – Ein kleiner Vorgeschmack auf die Journalistenreise nach Argentinien, die die GKP im ersten Halbjahr 2014 zusammen mit Adveniat anbietet.

Fast drei Stunden lang wollten die ausdauerndsten Journalisten an diesem Abend bei Adveniat Hintergrundinformationen zum neuen Papst erhalten – ein Gespräch, das Teilnehmer rückblickend als sehr informativ beurteilten. (Christian Frevel)

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