Region München: Hintergrundgespräch über Sterbehilfe auf der Palliativstation

Dass immer mehr Menschen in Deutschland einen ärztlich assistierten Suizid befürworten, liegt nicht zuletzt an der modernen Medizin. Umso wichtiger sei es, so der Palliativmediziner und Privatdozent Dr. Marcus Schlemmer, dass die  Bereitschaft unter den Ärzten wächst, einen natürlichen Tod zuzulassen. Noch immer empfänden viele seiner Kollegen das Sterben als medizinische Kapitulation.

Es waren Fragen, die weit über medizinisches Wissen hinausgingen, die unser GKP-Hintergrundgespräch prägten. Allein der Ort, die Palliativstation am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München, gab dem Treffen eine besondere Atmosphäre. Zwei Kerzen brannten auf dem Gang.  Zeichen dafür, dass hier ein Mensch verstorben ist. Nicht umgeben von medizinischen Apparaten, sondern von Menschen, die keine Angst haben, wenn der Tod unausweichlich kommt. Jedes Zimmer, in dem jemand verstorben ist,  bleibt, so war zu erfahren, 24 Stunden frei.  Was das in einem Klinikalltag, der sich zunehmend an Belegungszahlen und Abrechnungseinheiten bemisst, bedeutet, das bestätigte auch die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Dr. Nadine Schmid-Pogarell. Mit der Palliativstation will der Orden der Barmherzigen Brüder ein Zeichen setzten: Palliativmedizin ist – wie Chefarzt Marcus Schlemmer nicht müde wird zu betonen – eine Alternative zum Sterbetourismus in die Schweiz. Bei Menschen, die auf seiner Station die Erfahrung machen, dass es für ihre Schmerzen und Ängste Hilfen gibt, verliert sich der Gedanke an den Suizid schnell. Ohnehin, so der Mediziner, seien es lediglich 0,7% der Schwerkranken, die sich ein vorzeitiges Ende wünschen. Weil er fürchtet, dass die Selbsttötung bei Schwerkranken zu einer gesellschaftlich akzeptierten Option werden könnte, sieht Schlemmer auch den ärztlich assistierten Suizid äußerst kritisch. Er fordert ein Umdenken. „Es muß gelingen,“ so der Palliativmediziner, „ Alten und Kranken klar zu machen, dass sie uns nicht zur Last fallen.“

 

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