Orgelkunst mit rheinischem Dialekt

GKP-Mitglieder der Region Rheinland besuchten die Werkstätten der weltberühmten Orgelbau-Firma Klais in Bonn


Werkmeister Norbert Wisnewski (l.) führte die wissbegierige GKP-Gruppe der Region Rheinland durch die Werkstätten der Orgelbau-Firma Klais in Bonn. Foto: Christiane Limberg

In die Geheimnisse des Orgelbaus wurden GKP-Mitglieder der Region Rheinland bei einer Führung durch die weltberühmte 1882 in Bonn gegründete Orgelbau-Firma Klais eingeweiht. Norbert Wisnewski war kurzfristig für seinen Chef Philipp Klais eingesprungen, führte die Gruppe durch die Werkstätten und berichtete aus seiner 30jährigen Erfahrung als Orgelbaumeister.

Jede Orgel, so wurde allen Besuchern schnell klar, ist ein lebendiges Unikat. Als Königin der Instrumente wird sie jeweils für einen ganz bestimmten Raum geschaffen und für Menschen, die durch klimatische Bedingungen, Landschaft, Religion, Kunsttradition und viele andere Faktoren geprägt sind. Erste Orgeln gab es schon etwa 300 Jahre vor Christi Geburt in Griechenland, ihren triumphalen Einzug in die Kirchen hielten sie dann im 12. und 13. Jahrhundert.

Jede Klais-Orgel wird tatsächlich von A bis Z auf dem Firmengelände in Bonn gebaut, und so finden sich dort sowohl das Holzlager, als auch Spieltischwerkstatt, Maschinensaal, Gehäuseschreinerei, Schlosserei, Gießerei, Pfeifen- und Windladenwerkstatt. Die derzeit 61 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Familienbetriebs in bereits vierter Generation beschäftigen sich zu etwa 60 Prozent mit dem Neubau von Orgeln, zu 25 Prozent mit der Restaurierung alter Instrumente und zu rund 15 Prozent mit Service-Arbeiten. 1941 Instrumente sind aktuell in der Opus-Liste des Betriebs aufgeführt.

Letztendlich geht es beim Orgelbau um die hohe Kunst, ein Gleichgewicht herzustellen von Raum und Klang, von Material und Intonation und von Architektur und Gestaltung des Orgelprospekts. Nur Materialien von exzellenter Qualität finden beim Orgelbau Verwendung, damit die Instrumente nachher den unverwechselbaren Klais-Klang hervorbringen, den Norbert Wisnewski vorsichtig mit „katholisch-warm“ und „rheinischem Dialekt“ umschreibt. Jedes Holz, meist Eiche, Kiefer, Fichte oder Buche, wird sorgfältig ausgewählt und möglichst von Januar bis März bei Vollmond geschlagen, informiert der Werkmeister. Statt Elfenbein werden für die Tastatur heute meist Ochsenknochen verwendet. Der Umfang jeder Pfeife wird zunächst physikalisch berechnet und dann mit etwas Spielraum ausgestattet. Jedes Instrument wird zwar schon in großen Teilen probeweise in den Werkstätten zusammengesetzt, dann jedoch wieder komplett abgebaut und sorgfältig in Einzelteile verpackt und beschriftet an die Bestimmungsorte in aller Welt verschickt. Erst vor Ort im Kirchenraum oder Konzertsaal erfolgt die endgültige Montage und Intonation – eine aufwändige Prozedur, die sich für das Mitarbeiter-Team über etwa drei Monate hinzieht, bis das Instrument eingeweiht werden kann. Etwa drei Jahre im Voraus nimmt die Firma neue Auftragsarbeiten an. Derzeit baut die Firma beispielsweise an einer Orgel für einen Konzertsaal in Taiwan und an der Orgel für die neue Elbphilharmonie in Hamburg, wo ab 2016 die Montage vor Ort anvisiert ist.

Jede Orgel sollte als homogenes Gesamtkunstwerk erkannt werden, in dem musikalische, technische und künstlerische Gesichtspunkt berücksichtigt werden. Dass eine Orgel mit solchen Ansprüchen schnell 2,5 Millionen Euro kostet, verwunderte keinen der GKP-Besucher mehr. „Das ist ja geradezu geschenkt!“, entfuhr es einem Mitglied gegen Ende der zweistündigen Führung, als allen klar geworden war, welcher Aufwand betrieben werden muss, um ein wirklich erstklassiges und einmaliges Musikinstrument zu erschaffen, bei dem später alle Register gezogen werden können, um viele Jahrhunderte lang den Lobpreis Gottes anzustimmen.                                                                      Christiane Limberg

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