Schnäppchenjäger

Wer Mitglied in der GKP wird, kann auch unseren Presseausweis bekommen. Für viele Kolleginnen und Kollegen ist dies ein Werbeargument und ein entscheidender Pluspunkt. Gerade wer nicht in die Gewerkschaft eintreten will, dem bietet sich hier eine Alternative. Die meisten Museen z.B. erkennen den Ausweis an; beim Weltjugendtag und dem Papstbesuch galt er gleichwertig zu anderen Ausweisen für die Akkreditierung.

Die langjährigen Verhandlungen, unseren Verband offiziell dem DJV gleichzustellen und damit die amtliche Anerkennung zu bekommen, sind ja leider an der Innenministerkonferenz gescheitert, - da war unsere Lobby nicht stark genug und wir zahlenmäßig zu klein. Dennoch ist der Vorstand auch weiterhin bemüht, mit diversen Veranstaltern Kontakt aufzunehmen. Unsere Mitglieder fänden es gut, so wird uns signalisiert, wenn der GKP-Ausweis zu vergünstigten Bahnfahrten, besseren Telefontarifen, verbilligten Flügen oder satten Rabatten beim Autokauf verhelfen würde.

Mit dem DJV-Ausweis ist das alles möglich. Und die meisten Kolleginnen und Kollegen in und außerhalb der GKP halten dies für selbstverständlich. Aber seien wir mal ehrlich: warum sollten Journalisten günstigere Autos bekommen als z.B. Krankenschwestern, die jeden Tag zur Arbeit fahren? Was berechtigt uns als Berufsgruppe zu Steuerkarten im Theater, wenn wir keine Kulturjournalisten sind und nicht über die Aufführung schreiben? Das sind unangenehme Fragen.

Aber gerade im Kontext der Anschuldigungen und Enthüllungen, die seit Wochen gegen Bundespräsident Wulff und seine Berater publiziert werden, müssen sie selbstkritisch gestellt werden. Vorteilsnahme durch das Amt, so lauten die Vorwürfe an den Hausherrn von Bellevue, und die moralische Entrüstung darüber ist groß, bei Medien und ihren Nutzern. Kein Zweifel, das Image der Politiker hat dadurch enorm gelitten. Filz und Korruption, das gibt es nicht nur in den so genannten Bananenrepubliken, sondern auch bei uns.

Der Slogan „Geiz ist geil“ und eine Schnäppchenjägermentalität, die sich brüstet, einen bestimmten Artikel deutlich unter Preis bekommen zu haben, prägen ein gesellschaftliches Klima, in dem bewundert wird, wer für sich Vorteile herausschlägt. Nun ist es ja kein Fehler und absolut legal, Preise zu vergleichen und geschickt zu verhandeln. Aber Freundschaftspreise hören da auf, wo Abhängigkeiten entstehen.

Als Journalisten haben wir die Pflicht, gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen, Bestechung und Korruption aufzudecken. Aber wir haben auch die Verantwortung für das journalistische Ethos im eigenen beruflichen Alltag. Gewissenserforschung tut not. Wenn positive Berichterstattung durch wirtschaftliches Entgegenkommen erkauft wird und das unabhängige Urteil eingeschränkt wird durch großzügige Geschenke, dann ist die Pressefreiheit ebenso gefährdet wie durch Zensur und dirigistische Eingriffe. Nur subtiler und weniger offenkundig. Unsere Diskussionen auf der Jahrestagung in Berlin über den Lobbyismus werden auch in dieser Hinsicht spannend.
Michaela Pilters

Zur Kommentar-Seite in den GKP-Informationen 02/2012

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