7 Fragen an Wolfram Christ

Geboren 1963 in Steinheidel-Erlabrunn im sächsischen Erzgebirge, Journalistikstudium in Leipzig, Abschluss mit Diplom. 1987 – 1990 DDR-Fernsehen in Berlin (Ratgeber, Jugendfernsehen elf99), danach freiberuflich tätig. 1991/92 RIAS-TV (Frühstücksfernsehen), 1992 - 1996 NDR (plusminus, Markt im Dritten). Seit 1993 eigene Produktionsfirma und Arbeit für ZDF (Blickpunkt, 3Sat-Tagebuch, Sonntags). 1998 feste Mitarbeit bei Tellux Dresden GmbH, ein Jahr später Ausstieg bei der Tellux und Verlagerung von Christfilm und Wohnsitz von Berlin ins Erzgebirge, nach Eibenstock. Seither vorwiegend diverse ZDF-Beiträge und mdr-Dokumentationen als Autor, Regisseur und Produzent.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Autor zu sein ist mein Traum seit meinem 14. Lebensjahr. Damals fiel mir ein Büchlein mit Reportagen, Kurzgeschichten und Kommentaren von Erich Kästner in die Hände. So wie er wollte ich mich einmischen, meine Welt ein bißchen gerechter machen. Damals sah ich noch keine Differenz zwischen meinem katholischen Glauben und dem Anspruch, in der DDR „Parteijournalist“ sein zu müssen. Ich dachte: „Jesus wollte, daß es auch dem Geringsten gut geht – bei Karl Marx steht das so ähnlich.“ Wie weit Theorie und Praxis auseinanderklafften und wie viele Fehler sogar die Theorie hatte, merkte ich erst beim Studium im „Roten Kloster“, der Sektion Journalismus an der Uni Leipzig und später beim DDR-Fernsehen. Ich wollte mich im Umweltschutz engagieren – und mußte über Ernteerfolge berichten. Deshalb schloß ich mich auf der Suche nach Wahrheit bereits kurz nach dem Studium 1987 enger meiner neuen Gemeinde in Berlin Pankow an. Seit 1988 trug ich mich mit Ausreisegedanken. Unsere friedliche Revolution sehe ich als persönliche Befreiung.

Ihre Vorbilder?

Immer wieder Erich Kästner.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Die Rettung der Gloriosa in Erfurt. Ich konnte den MDR nach monatelanger Diskussion von der Bedeutung dieser einmaligen Glocke überzeugen. Am Ende haben wir zwei große Livesendungen vom Domplatz sowie eine wunderschöne historische Doku anläßlich ihres ersten Läutens nach der Reparatur gemacht. Zehntausend glückliche Menschen mit Tränen in den Augen vor den Domstufen und ein Marktanteil, wie ihn sonst fast nur noch Gottschalk schafft, waren der Lohn. Da wußte ich, daß ich nicht alles verkehrt gemacht haben konnte.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Mut, Ehrlichkeit, Offenheit, Ausdauer – und Gottes Segen.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Was ist Privatleben? – Im Ernst, meine Familie hat es nicht leicht mit mir. Wenn ich nicht über neuen Ideen brüten kann, fehlt mir was. Deshalb habe ich auch ehrenamtlich in meiner Heimatstadt Eibenstock einem deutsch-tschechischen Jugend-Theater-Treffen auf die Beine geholfen. Deshalb gebe ich immer wieder jungen Leuten die Chance, sich in unserem Metier auszuprobieren. Gerade ist der erste frei finanzierte 45minütige Dok-Film einer 19-jährigen Kamerafrau und ihrer 20-jährigen Cutterin fertig geworden. Viele haben gestaunt, was alles geht. Wir hatten eine tolle Premierenfeier. So etwas gibt mir mindestens so viel Kraft wie ein Urlaub.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Ich habe nach 1990 nach Gleichgesinnten gesucht. Die fand ich zuerst beim BKU, dem Bund Katholischer Unternehmer. Ende der Neunziger sprach mich dann Frau Pilters an. – Was mich hält? Viele kluge Köpfe und einige von mir sehr geschätzte Kollegen mit den gleichen Idealen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Vor allem einen möglichst nicht versiegenden Austausch von Gedanken und Informationen.

Druckversion

AddThis

|||||