7 Fragen an Werner Häußner

Geboren 1954 in Winterhausen bei Würzburg. Studium der Theologie und Geschichte in Würzburg und Padua. Private Musik- und Gesangsstudien in Italien. Seit 1982 Musikkritiker für das „Main-Echo“ in Aschaffenburg. Freie Mitarbeit u.a. bei der „Tagespost“, dem „Fränkischen Volksblatt“, der „Opernwelt“ und der „Musica sacra“. Des Ordinariats Würzburg. Seit Juli 2000 als Angestellter der Diözese Würzburg abgeordnet zur Firma Echter Neue Medien GmbH Würzburg; dort als Geschäftsführer tätig. Seit Oktober 2001 außerdem Redakteur beim „kompass“, der Zeitschrift der Katholischen Militärseelsorge in Deutschland. Verheiratet, zwei Söhne. Seit 1964 ehrenamtlich in der Kirche tätig. Stv. Vorsitzender des Orts- und Kreiscaritasverbands Würzburg und Präsident des Bayerischen Presseclubs.
 

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Als eingefleischter Dampflok-Fan war ich viele Jahre im Redaktionsteam der Eisenbahnzeitschrift „Die Lokrundschau“ aktiv. Als ich zum Studium nach Italien ging, fragte mich ein guter Freund, ob ich nicht für die „Tagespost“ aus Italien über Oper und Musik schreiben wollte. Das tat ich - und die Artikel wurden zu meinem Erstaunen auch gedruckt. Zurück in Deutschland, begann ich die Musikkritik zu professionalisieren und auch über kirchliche Themen zu schreiben. Der Journalismus kam meinen breit gefächerten Interessen und meiner Lebensart entgegen. So ließ ich das ursprüngliche Berufsziel einer wissenschaftlichen Tätigkeit sausen und nahm das Angebot eines Volontariats an. Danach hatte meine Bewerbung auf die Stelle des Leiters der Würzburger Pressestelle Erfolg.
 

Ihre Vorbilder?

Journalistisch bewundere ich einen elegant essayistischen Stil ebenso wie eine präzis formulierte Meldung. Ich schätze Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht der Macht der Verhältnisse beugen, die sich die Schere aus dem Kopf heraushalten, die sich journalistischen Qualitäts- und Ethik-Standards verpflichtet fühlen - und das auch in den Niederungen des Alltags.

Private Vorbilder? Da will ich lieber nennen, wem ich viel zu verdanken habe: einen damals jungen Priester, der mir die menschliche, gütige und barmherzige Seite der Kirche nahe brachte, so dass ich die andere aushalten konnte. Einen Lehrer, der meiner Liebe zu Musik, Theater und Kunst half, sich zu entfalten. Einen Theologieprofessor, der mir beigebracht hat, wie Wissenschaft existentiell relevant wird. Einen Freund und Kollegen, der mich bei den ersten Schritten in den Journalismus gestützt hat. Einige Menschen aus der Kriegsgeneration, die das Inferno überstanden, ohne hart und bitter geworden zu sein.
 

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Reisen nach Lateinamerika und Afrika und Gespräche mit Menschen, die über den beruflichen Kontakt hinaus sehr persönlich und tiefgründig wurden. Zum Beispiel ein Abend mit dem Abt von Ndanda in Tanzania. Oder halbe Nächte mit Bischöfen aus Brasilien, Honduras, Mexico zu der Zeit, als der Vatikan die „Theologie der Befreiung“ zu zerschlagen begann. Und auf der anderen Seite: großes, tief berührendes Theater, zum Beispiel Verdis „Macbeth“ und „Don Carlo“, dirigiert von Claudio Abbado, oder der unvergessliche Zauber der Stimme des Tenors Alfredo Kraus.
 

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Sauberes Handwerk, Liebe zur Sprache, Interesse an dem, worüber man gerade jetzt schreiben soll. Dazu eine stets fragende Skepsis und die Vorsicht vor schnellem Urteilen. Der Kampf gegen eigene und fremde Scheuklappen will im Alltag geführt sein. Klare berufsethische Maßstäbe sind unverzichtbar, will der Journalismus nicht zum Büttel von Ideologien oder Kommerzinteressen herabsinken. Im kirchlichen Journalismus braucht es heute vor allem unerschrockenen Mut und Klarsicht - nach „innen“ und nach „außen“.
 

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen
Hut?

Überhaupt nicht. Für mich persönlich ist das kaum zu trennen. Meine Familie hat auf vieles verzichtet und die Belastungen meines Berufes tapfer mitgetragen. Heute würde ich ihr das nicht noch einmal zumuten: Nach meinen Erfahrungen jedenfalls zahlt es sich nicht aus.
 

Warum sind Sie in der GKP? Was hält Sie?

In die GKP bin ich durch den Tipp einer geschätzten Kollegin gekommen. Ich habe die GKP als Forum des Austauschs, als Ort der Begegnung von älteren erfahrenen und jungen ideenreichen Kolleginnen und Kollegen erlebt. Tagungen und Studienfahrten empfand ich als hilfreich. Und mit dem einen oder anderen hat sich eine Freundschaft entwickelt, die sich ohne den Kontakt in der GKP vielleicht nicht ergeben hätte. In schwierigen Zeiten habe ich erfahren, wie gut die Solidarität unter Kollegen sein kann. Daher halte ich einen Verband wie die GKP für unverzichtbar.
 

Was erwarten Sie von der GKP?

Sie soll weiter einen Raum für Begegnung und Austausch bieten. Sie soll den Horizont weiten und offen sein für die medialen Innovationen der letzten Jahre. Sie soll die Fehlentwicklungen eines zunehmend kommerzialisierten Mediengeschäfts ebenso furchtlos benennen wie die schleichende Auszehrung des kirchlichen Journalismus. Am meisten hoffe ich, dass die „schlummernden“ Mitglieder sich selbst aktivieren und ausprobieren, was ihnen die „Plattform“ GKP zu bieten hat, wenn sie sich selbst einbringen.

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