7 Fragen an Ursula Wicklein

Jg. 1940, aufgewachsen in Pirna, 20 Km elbeaufwärts von Dresden, Studium der Germanistik und Nordistik in Leipzig, danach kurzzeitig Redakteurin beim Rundfunk der DDR in Berlin. Etwa zwölf Jahre anfangs im Redaktionssekretariat, dann in der Kulturredaktion der Dresdner CDU-Zeitung DIE UNION; 1990 Mitbegründung der Wochenzeitschrift "Sachsenspiegel" (hrsg. dva Stuttgart) und des Periodikums "thema", das es aus Geldmangel nur auf drei Hefte brachte. Von 1992 bis 2002 Leiterin der Pressestelle des Bistums Dresden-Meißen; Ruhestand/freie Journalistin.

1. Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Nach dem Studium beim Rundfunk als angehende Hörspieldramaturgin eingestellt, bekam ich bald kalte Füße angesichts des harten Solls an zu entwickelnden Stücken pro Jahr. Das anschließende "Medium kennen lernen" in der Kulturredaktion von Radio DDR wurde durch die Geburt dreier Kinder immer wieder unterbrochen. Ich gab diese politisch allmählich nicht konfliktlose Karriere daher ganz gern auf und ging in die "Provinz", wo sich zudem mein Mann als Lehrer wohler fühlen wollte. Nach seinem Unfall mit anschließender Berufsunfähigkeit bewarb ich mich bei der Dresdner UNION. Dort lernte ich Zeitung machen mit allen Einschränkungen und Besonderheiten, die es für ein "Organ" einer DDR-Blockpartei gab.

2. Ihre Vorbilder?

Der frühere Feuilletonchef der UNION Karlheinz Ulrich (seine Artikel haben mich zu meiner Bewerbung angeregt); meine Ressortchefin Uta Dittmann in der Hinsicht, dass sie uns immer ermunterte, alle Freiräume, die irgend möglich waren, auszuschreiten; der Schriftsteller Christoph Hein wegen seine Muts zu klaren Worten und seiner Unbestechlichkeit.

3. Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Da gab es viele. Ein Vertrauensbeweis: Als im Herbst 1989 in Dresden die SPD gegründet wurde, wies die Initiatorin Annemarie Müller die Versammelten auf die Illegalität der Veranstaltung hin, bei der die Teilnahme eine hohe Gefängnisstrafe nach sich ziehen konnte. Ich durfte nach dem Votum der Versammelten mitschneiden, weil ich von der UNION (und nicht von der SED-Zeitung) kam und weil ich versprach, das Band nachher sofort zu löschen (was ich auch tat).

4. Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Gute Kenntnis der Muttersprache und ein lebendiges Gefühl für sie sowie die Fähigkeit, schwierige Zusammenhänge verständlich, aber nicht simpel darzustellen; Achtung den Menschen gegenüber, über die und für die er/sie schreibt; Verantwortungsbewusstsein für die eigenen Äußerungen, gute Allgemeinbildung.

5. Wie bringen Sie Ihr privates Leben und den Beruf unter einen Hut?

Heute ist das für mich kein Problem mehr. Mit kleinen und heranwachsenden Kindern war es oft hart, denn viele praktische Möglichkeiten von heute gab es nicht. Allerdings konnte man bei den Kolleginnen und offiziell in der DDR mehr Verständnis für die Kinder als heute erwarten. Auch für Journalisten gab es einen - zwar nicht immer regelmäßigen - Feierabend. "Ich muss meine Kinder abholen" war ein Wort mit quasi Gesetzeskraft.

6. Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Geworben hat mich mein Vorgänger in der Pressestelle Bernhard Holfeld. Mich hat es gereizt, mit Kolleginnen und Kollegen aus den alten Bundesländern ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Erfahrungen und Berufswege kennen zu lernen. Diese Offenheit füreinander habe ich bei der Vorstandsarbeit und auf GKP-Reisen und -Tagungen schätzen gelernt.

Ich wünsche ihr, dass sie sich nicht zur Ruhe setzt, von Sparzwängen nicht auffressen lässt und für viele Kollegen und Kolleginnen auf der Prioritätsliste oben bleibt. Das zunächst große Interesse und dann die mangelhafte Teilnahme an den mit viel Engagement und Zeit vorbereiteten Reisen machen mich traurig (ich erlebe es gerade als Organisatorin der Fahrt nach St. Petersburg).

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