7 Fragen an Sabine Prokscha

Geboren 1978 in Fürth. Derzeit Studium an der Freien Universität und Humboldt Universität in Berlin: Politikwissenschaft, Geschichte und Nordamerikastudien.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Co-Moderation der Kindersendung „Kinder-Milch- Frühschoppen“ des Lokalrundfunks in Hof und Mitarbeit bei Schüler- und Studentenzeitungen. 2003 Stipendiatin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Praktika bei Sächsischer Zeitung Dresden, Kieler Nachrichten, Financial Times Deutschland und Bayern 2 Radio. Dabei war immer klar: der einsame Akt des Schreibens konnte mich noch nie begeistern. Ich habe schon immer lieber geredet.

Ihre Vorbilder?

Deutschland: Bascha Mika (taz): Wer erfolgreiche und gleichzeitig beliebte Chefredakteurin von so einem wilden Haufen ist, der verdient einfach Bewunderung. Dagmar Reim (RBB): Die erste und einzige Intendantin inmitten vieler alter Männer. Respekt. Friedrich Küppersbusch: Dass es seine Sendungen „Zack“ und „Privatfernsehen“ nicht mehr gibt, ist ein Armutszeugnis für das deutsche Fernsehen. Anne Will (ARD): Dieser Frau vertraue ich mehr als meinem Arzt. International: Jon Stewart (Comedy Central): Legt pointiert den Finger auf tagesaktuelle Wunden: So muss eine TV-Glosse aussehen. Larry King (CNN): Seine Interviews sind so genial, weil er so normal ist. Fast alle Autoren der Zeitschrift „The Economist“: Kurz, klar, kompetent.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Immer wenn ich zeigen kann, dass scheinbar Eindeutiges auch eine zweite Seite hat oder vermeintlich Simples komplexer ist als gedacht. So bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Günter Rexrodt. Als der ehemalige FDP- Bundestagsabgeordnete vehement forderte, „gute Lehrer besser und schlechte Lehrer schlechter“ zu bezahlen, stimmte der ganze Saal zu. Ich auch. Dann wollte ich wissen, nach welchen Kriterien er denn gute Lehrer von schlechten trennen will. Langes Schweigen. Schließlich: „Das weiß ich nicht.“

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Niemals das Motto der Sesamstraße vergessen („Wer nicht fragt, bleibt dumm“). Bei der Kindersendung im Lokalrundfunk habe ich mir immer gesagt „Ich darf blöde Fragen stellen, ich bin Kind“. Jetzt sage ich mir„Ich darf blöde Fragen stellen, ich bin Journalist“. Dabei besteht zwar die Gefahr, sich eine Blöße zu geben, aber schlimmer als diese Peinlichkeit ist die nicht gestellte Frage. Wenn sich die Neugier dann noch mit fachlicher Kompetenz paart, ist ein guter Journalist geboren.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Die Frage ist: Müssen Privatleben und Beruf zwangsläufig konkurrieren? Können sie sich im Idealfall nicht ergänzen?

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hinein gebracht und was hält Sie?

Hinein brachte mich eine Empfehlung des ifp. Überzeugt hat mich die erste GKP-Veranstaltung. Statt sich dem Medienhype um Gunter von Hagens´ „Körperwelten“ anzuschließen, lud die GKP zur Präparatesammlung des Pathologischen Instituts der Berliner Charité ein. Thema: die Zur-Schau-Stellung von Verstorbenen, Würde, Pädagogik und Sensationslust. Am umstrittensten waren die ausgestellten Totgeburten. Sorgfältig auf weißen Regalen aneinandergereiht, schwammen missgebildete Säuglinge in Einmachgläsern und starrten vor sich hin. Muss das sein? Oder braucht es diesen sanften Zwang, damit deutlich wird, dass gesundes Leben nicht selbstverständlich und die richtige Kombination zweier Gene purer Zufall ist? Und wo bleibt die Pietät? Wären diese Babys beerdigt, würden Blumen auf ihrem Grab liegen. Hier sind die konservierten Kinderleichen zu Exponaten heruntergestuft, an denen sich Besuchergruppen vorbeischieben. Dieses Hintergrundgespräch steht exemplarisch dafür, was mich in der GKP hält: Ohne jedem Trend hinterher zu hecheln, setzt sie eigene Akzente, stellt Fragen, vor denen sich sonst gerne gedrückt wird, und holt Begriffe wie „Würde“, „Pietät“ und „Gewissen“ aus der Moralapostelecke. GKP bedeutet für mich Journalismus mit interessanten Themen und neuen Blickwinkeln - aber ohne Marktgeschrei.

Was erwarten Sie von der GKP?

Mehr Nachwuchs.

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