7 Fragen an Roland Juchem

Roland Juchem (46) arbeitet seit drei Jahren als stellvertretender Chefredakteur in der Zentralredaktion der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Zuvor war er knapp neun Jahre Chefredakteur der KirchenZeitung für das Bistum Aachen. Der studierte Theologe und Pädagoge ist verheiratet mit Silvia Retta- Juchem und hat vier Kinder. Mitglied der GKP ist er seit Anfang der 1990er Jahre.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Von hinten durch die Brust ins Auge. Das Fach Deutsch in der Schule interessierte mich kaum, Aufsätze und Co. waren ein Graus, mehr als Mittelmaß war nicht drin. Erstes wirkliches Interesse, ja Spaß an der Sprache weckte meine junge schwarze Englischlehrerin an der Shaker Heights High School während eines Austauschjahres in Ohio/USA: Poe, Thoreau, Whitman ... Jahre später hielt Professor Rolf Zerfaß in Würzburg eine Vorlesung über Seelsorge in der Mediengesellschaft. Seine entlarvenden Einsichten und handfesten Ausführungen im Predigtkursus zogen das Interesse fort von der Gemeinde- hin zur Medienarbeit. Der restliche Weg: Praktikum beim Institut für Kommunikation und Medien (IKM) an der Hochschule der Jesuiten in München, eine Einführung in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Theologen beim „Seibelinstitut“ (IfP), Praktikum bei „Kirche + Leben“/Münster, ebendort und mit dem IfP das Volontariat.

Ihre Vorbilder?

Namen könnte ich keine hervorheben. Ich habe gelernt von Kollegen und Kolleginnen. Mir imponieren gute Redner und Prediger, Sachbuchautoren ohne akademische Sprachdünkel, liebevoll und überraschend gemachte Zeitungen, Zeitschriften, Artikel ...

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Immer wenn mir eine Leserin, ein Leser sagen oder schreiben: Dein Text hat mir etwas gegeben. So habe ich das noch nie gesehen. Jetzt habe ich das mal richtig verstanden. Beeindruckt und geprägt haben mich auch die Summer-Universities der UCIP in Indien/Pakistan und Südostafrika.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

In der Recherche die Bömmels’sche Erkenntnistheorie aus der „Feuerzangenbowle“: „Also wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm.“ Beim Schreiben das fiktive Gespräch mit dem Leser an dessen heimischem Küchentisch, wo offen und auf Augenhöhe gesprochen wird. Darüber hinaus: Neugierde und Distanz, Skepsis und Offenheit, Wille zur Aufklärung und Allergie gegen Meinungssoße sowie Freude an klaren, schönen Wörtern und Sätzen.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Mit flexiblen Kolleginnen und Kollegen auf der einen sowie einer verständnisvollen Ehefrau auf der anderen Seite. Mit moderner Technik, die gelegentliche Arbeit von zu Hause ermöglicht und dem klaren Vorhaben: Es gibt Termine und Aufgaben, da muss die Familie zurückstehen; und es gibt Zeiten und Anlässe, da kann ich im Beruf nicht Vollgas fahren.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

An den Anlass erinnere ich mich nicht mehr. Es waren Kontakte – ich meine über Christian Frevel –, die Anfang der 1990-er Jahre zur Mitgliedschaft führten, um ähnlich gesinnte Kolleginnen und Kollegen zu treffen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ein Netzwerk verschiedenster beruflicher Mitstreiter, das beruflich relevante Informationen und Austausch bietet, Weiterbildungen und Kontakte. Ansporn, die eigenen Ansprüche an einen menschenwürdigen Journalismus hochzuhalten. Stete Aufklärung in der Kirche, dass Journalismus weder Seelsorge, Predigt noch Korpsgeistpflege ist.

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