7 Fragen an Rafael Ledschbor

Jahrgang 1966, geboren und aufgewachsen in der katholischen sorbischen Oberlausitz. Studium der katholischen Theologie in Erfurt, zunächst mit dem Ziel Priestertum, später als Laientheologe. Im Anschluss Ausbildung zum Journalisten an der Tochtergesellschaft des IfP, der Katholischen Medienakademie (KMA), in Leipzig. Seit 1993 Redakteur der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift der katholischen Sorben Katolski Poso (Katholischer Bote).

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Den hat ein ehemaliger Lehrer der Grundschule in mir damit geweckt, dass er mich während meiner Abiturzeit animiert hat, über einige regionalgeschichtliche Themen zu schreiben. Damit hat er mich auch dazu gebracht, öfter etwas in der Zeitschrift Katolski Poso zu veröffentlichen. Nachdem ich das Ziel Priester zu werden aufgeben hatte, hat mir ein sorbischer Geistlicher angeboten, mich journalistisch ausbilden zu lassen, um beim Katolski Poso als Redakteur arbeiten zu können. Gerade in der Zeit bot sich der Kurs der KMA an. Und nach dieser Ausbildung wurde ich als Redakteur angestellt.

Ihre Vorbilder?

Da gibt es eigentlich viele – nämlich all jene, die gute Beiträge schreiben oder schöne Fotos schießen. Es gibt aber keinen konkreten Journalisten, dem ich nacheifern würde.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Der Beruf bringt ja immer wieder Höhepunkte mit sich. Ich darf Menschen persönlich kennen lernen, mit denen ich sonst nie zusammenkommen würde. Und manchmal kann man auch im regionalen Bereich Menschen mit ganz interessanten Lebensgeschichten vorstellen. Ich denke dabei zum Beispiel an eine Sorbin, die den Bombenangriff im Februar 1945 in Dresden nur deshalb überlebt hat, weil sie nicht auf den Rat der Priester der ehemaligen Hofkirche gehört und nicht Zuflucht im Keller auf der Schlossstrasse gesucht hat. Sie hat lieber ihrer Freundin geholfen, deren Eltern in der zerbombten Stadt zu suchen. Im Keller des Geistlichen Hauses auf der Schlossstrasse sind alle ums Leben gekommen.

Was halten Sie unerlässlich für einen Journalisten?

Neben der beruflichen Qualifikation müssen wir in jedem, über den wir schreiben, unseren Mitmenschen sehen und entsprechend würdevoll mit ihm umgehen – auch mit dem, der Schlimmes angerichtet hat.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Vor mehr als sechs Jahren würde ich gesagt haben: Kein Problem. Aber seit der Zeit ist meine Frau schwer krank. Mit drei Kindern (8, 10 und 11 Jahre) ist es gar nicht so einfach, als Journalist auch nebenbei Hausmann zu sein. Aber da ich meine Arbeit liebe und diese sich meist auf den regionalen Bereich beschränkt, war und ist das doch irgendwie möglich. Dankbar bin ich unserer kleinen Redaktion, die auf meine Situation große Rücksicht nimmt.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Bei der Jahrestagung vor zwei Jahren in Schmochtitz, als ich als Gast über uns Sorben sprechen sollte, fragte mich die Vorsitzende der GKP, Michaela Pilters, vor Beginn der Veranstaltung: „Warum sind Sie eigentlich noch nicht in der GKP?“ Danach war ich noch eingeladen, zusammen mit den Kollegen – einige wenige kannte ich, andere durfte ich kennen lernen – gemütlich zusammen zu sitzen. Auch die animierten mich, doch einzutreten. Am nächsten Tag hat der Vorstand meinem Aufnahmeantrag zugestimmt. Nach zwei Jahren kann ich zwar noch kein großes Fazit ziehen, was mich hält. Aber ich habe alles daran gesetzt, wie im vergangenen Jahr auch dieses Jahr wieder zur Jahrestagung zu fahren, damit ich wieder solche guten Begegnungen mit Kollegen aus ganz verschiedenen Teilen des Landes haben darf.

Was erwarten Sie von der GKP?

Von anderen etwas zu erwarten darf man meiner Ansicht nach nur, wenn man sich selbst auch für die anderen einbringt – auch wenn die eigenen Möglichkeiten beschränkt sind. Deswegen hoffe ich, dass dieses gegenseitige Geben und Nehmen, das ich in der relativ kurzen Zeit meiner Mitgliedschaft erlebt habe, auch in Zukunft selbstverständlich bleiben wird.

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