7 Fragen an P. Roger Gerhardy OSA

1. Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Als Zwölfjähriger schrieb ich für unsere Seminarzeitschrift "Rund um den Dicken Turm" meine erste Reportage: "Ein Nachmittag im Schwimmbad". Seitdem war ich dort fester freier Mitarbeiter. Später durfte ich bei der Gymnasiumszeitschrift "Die Glocke" mitmachen. Als meine erste Arbeit lieferte ich ein Porträt des Hausmeisters der Penne ab. Er verzieh es mir lange nicht, dass ich seine Stumpen als Knaster bezeichnete. Als im Windschatten des Zweiten Vatikanum die Kirche und in der Nach-Adenauer-Ära der Staat neu erfunden wurden, machten wir Studenten aus der reichen Stoffsammlung dieser Epoche eine Zeitschrift. Ich war erstmals Chefredakteur. Kurz darauf war ich wieder Lehrling, Volontär, denn direkt nach der Priesterweihe fing ich in Stuttgart bei "Deutsche Zeitung/Christ und Welt" an. Zweieinhalb spannende Jahre mit vielen Reportagen. Ein junger Journalist ohne Entscheidungszwänge. Aber so was kann ja kein endgültiger Lebensentwurf sein.

2. Ihre Vorbilder?

Im Fußball: Uwe Seeler. In der Kirche: Papst Johannes XXIII. ("Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!"); Charles de Foucauld (Vom Lebemann zum Wüstenheiligen); Teresa von Avila (scharfzüngig). Als Schreiber: Ernest Hemingway, besonders seine gesammelten Reportagen von verschiedenen Ecken der Welt. Als Fotograf: Thomas Höpker. Als Menschen: Da es den wenigen wirklich Wichtigen peinlich wäre, ihre Namen hier zu lesen, lasse ich es bleiben, sie zu nennen. Jede Schicht in mir hat wohl ihr jeweiliges Vorbild.

3. Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Das alleinig schönste gibt's nicht. Es war zum Abheben schön, in der Viertausender-Region des Wallis den Sonnaufgang im Gletscher zu erleben, zu fotografieren und zu beschreiben. Bei der Reportage über das Kreuzfest von Carhuamayo in den peruanischen Anden erlebte ich ein faszinierendes Stück Welt. Und als ich im Kongo mit Malaria im Blut und wegen einer vorangegangenen Begegnung mit der grünen Mamba mit reichlich Angst überm Zwerchfell eine Reportage über die Versorgung der Leprösen im Urwald machte, erlebte ich die Grenzen meiner Tapferkeit. Nicht sehr schön für mich, aber ziemlich wichtig.

4. Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugierde auf Menschen, auf unbekannte Gegenden, herausfordernde Situationen, und als Grundvoraussetzung die Fähigkeit, das Erlebte in Sprache oder Bilder umzusetzen. Und ich bin so altmodisch zu glauben, dass man die Menschen im Grunde lieben sollte. Dass unser Herr Jesus einstens mit einem Strick die Händler aus dem Tempel gejagt hat, ist indes ein dankenswerter Steilpass dafür, dass zuweilen ein streng kommentierendes Wort angebracht sein könnte.

5. Wie bringen Sie Ihr privates Leben und den Beruf unter einen Hut?

Da ich als Patermann keine Familie habe, ist das kein so großes Problem. Mein seit Jahrzehnten praktizierter Terminkalender würde wohl keine persönliche Partnerschaft gedeihen lassen.

6. Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Das mit dem Warum ist so wie mit der Liebe. Irgendwann ist sie da, fesselt einen, und dann will man diese Seite des Lebens nicht mehr missen. Ich kenne jetzt so viele Leute in der GKP, dass ich mich freue, wenigstens ab und zu ein paar davon wiederzusehen. Manche, die ich mag, hätte ich ohne die GKP nicht kennengelernt. Und es tut mir leid, wenn ich manchmal Namen von Ausgetretenen lese, die ich eigentlich sehr schätze. Schade drum, denke ich mir dann mit leisem Bedauern.

7. Was erwarten Sie von der GKP?

Zunächst einmal, dass es sie weiter gibt, dass ich dieses Netzwerk weiterhin um mich weiß. Natürlich bin ich getragen vom Netzwerk meines Ordens, webe heftig mit an dem des ifp, dem ich seit über zwanzig Jahren locker und seit über fünf Jahren ziemlich verantwortlich verbunden bin. Die GKP ist darüber hinaus für mich ein Freundeskreis von Menschen, die von demselben Handwerk fasziniert sind wie ich; die ihr Leben auf demselben christlichen Fundament zu gestalten versuchen wie ich; die, so wie ich, nicht daran glauben wollen, dass der Mensch nur aus Essen, Trinken, Schaffen und Schlafen besteht. Auf dieser Basis Menschen zu begegnen, die ansonsten völlig anders gestrickt sind als ich, das ist spannend und verlockend. Es wäre schön, wenn möglichst lange möglichst viele dieser Versuchung erlägen.

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