7 Fragen an P. Eberhard von Gemmingen SJ

Seit 1982 Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, seit etwa 1980 GKP-Mitglied. (RV-deutsch erreicht nach Angaben der Mediendienstleistungsgesellschaft rund 300.000 HörerInnen)

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus

Nach meiner Priesterweihe 1968 durch Kardinal Döpfner in München habe ich anschließend noch ein Jahr Theologie in Tübingen studiert, wo man "Revolutionsluft" atmete. Dort wuchs mein Wunsch, bei der action 365 zu arbeiten, die das Evangelium aus den Kirchen zu den Menschen, die mit Kirche "nichts am Hut" hatten, tragen wollte. Ich wollte also immer schon gerne hinaus in die Öffentlichkeit und dabei moderne Medien einsetzen. Weltkirche und besonders die in den Entwicklungsländern hatten es mir früh angetan. Diese Welt-Weite meines Denkens veranlasste wohl meine Jesuiten-Oberen, mich 1980 zum ZDF als kirchlichen Beauftragten zu schicken. Dort lernte ich ein paar Grundregeln des Journalismus. Wegen der Verstrickung in das nicht gut geklärte Staat-Kirche-Verhältnis im ZDF bat ich nach zwei Jahren um Ablösung. Kurz darauf fragte man mich, ob ich nicht die Leitung der deutschsprachigen Redaktion bei Radio Vatikan übernehmen wollte.

Ihre Vorbilder?

Ich möchte eher von ein paar Persönlichkeiten sprechen, die ich bewundere: Charles de Foucauld, der vom Lebemann zu einem außergewöhnlichen Christusnachfolger und Verkünder wurde. Und der Pfarrer Ars, Jean-Marie Vianney. Was muss das für ein Gläubiger gewesen sein, dass Menschen aus ganz Frankreich in sein "Käsnest" kamen, um mit ihm zu sprechen, bei ihm zu beichten. Offensichtlich muss man nur richtig leben, um die Menschen zu erreichen - wie ein Benedikt und ein Franz von Assisi. In unseren Tagen bewegte mich Mahatma Gandhi und, ganz nahe zu meiner Tätigkeit, Mario von Galli, der Kirchenstoff so "rüberbrachte", dass sich die Medien um ihn rissen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Anfang Oktober 2002 sprach ich in Berlin mit fünf jungen Journalisten, die sich auf ein Inserat hin bei Radio Vatikan beworben hatten. Sie wollten seriösen Journalismus machen und waren offenbar davon überzeugt, dass das bei uns möglich ist. Es gibt mir ein sehr gutes Gefühl: Bis Berlin hat sich herumgesprochen, dass aus Rom Gutes kommt. Jedenfalls glauben die Bewerber nicht, dass im Vatikan nur Hofberichterstattung betrieben wird. Von den vielen außerordentlichen Erlebnissen mit dem Papst erinnere ich mich besonders an den Besuch im noch kommunistischen Polen 1983, als eine regimekritische Demonstration durch die Straßen zog. Die Panzer lauerten hinter allen Ecken. Ich - als Newcomer - zitterte, ob es jetzt krachen würde. Es krachte nicht. Ich habe dann noch viele Papstreisen mitgemacht, muss jedoch sagen, dass das Interessanteste dabei meine privaten Ausflüge nach der Papstvisite waren: von Mexiko aus flog ich nach Nicaragua, wo kurz zuvor sechs Jesuiten ermordet worden waren, von Peru aus flog ich nach Kolumbien und besuchte dort in einem Slum einen Exoten-Jesuiten, von Polen aus besuchte ich das Baltikum, von Litauen aus flog ich nach Moskau. Bei all diesen Abstechern erlebte ich mehr vom Land als während des Papstbesuches.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Dass er sachlich informieren und nicht seine persönliche Weltanschauung verkünden will, dass er versucht, Aussagen und Handlungen von Verantwortungsträgern wirklich zu verstehen, damit er zunächst mal vermitteln kann, was die Persönlichkeit sagen oder tun wollte. Er kann und soll dann auch kritische Fragen stellen. Guter Journalismus kann nur gelingen, wenn sich Kritik mit Wohlwollen verbindet. Wenn ich gar nicht versuche, einen anderen Menschen aufgrund seiner Motive und seiner früheren Handlungen zu verstehen, werde ich weder ihm noch dem Publikum gerecht.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Das ist bei mir nicht so schwer. Als Jesuit habe ich keine Familie, meine Freizeit ist begrenzt. Mein Beruf ist auch meine Berufung. Für mich sind zwar Gebet, Betrachtung und die Messe sehr wichtig, aber mein Leben besteht im Wesentlichen aus der beruflichen Arbeit.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?

Weil ich möchte, dass katholische Journalisten zusammenarbeiten, sich gegenseitig helfen und mit christlich-katholischen Gedanken die Öffentlichkeit zu beeinflussen versuchen. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine wirklich humane Gesellschaft langfristig nur als solche existieren kann, wenn sie transzendent verankert ist. Anders ausgedrückt: Langfristig und in Konfliktsituationen wird der Mensch dem Menschen zum Wolf, wenn er nicht gebändigt ist durch eine Bindung an Gott. Gesellschaftliche, rechtliche und verfassungsmäßig garantierte Ordnungen brauchen vor allem in kritischen Situationen transzendente Begründungen. Das müssen katholische oder allgemein christliche Journalisten in der Öffentlichkeit vertreten.

Was erwarten Sie von der GKP?

Rückgrat, Mut, Beharrlichkeit im Vertreten von Überzeugungen, die dem Menschen dienen, weil sie den Geboten Gottes entsprechen.

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