7 Fragen an Martin Echterhoff

Martin Echterhoff, Jahrgang 1966, seit gut 10 Jahren fester Freier beim MDR. Zunächst Hörfunk, dann Fernsehen. Drei Kinder, in der GKP seit 1993.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Es fällt mir etwas schwer, die Frage wahrheitsgetreu zu beantworten, weil die Antwort wie ausgedacht klingt. Doch wie auch immer, die Suche nach der Wahrheit ist ja das zentrale Moment unseres Berufes, bleibe ich also bei der Wahrheit, auch wenn sie wie eine Episode aus einer mittelklassigen Soap daher kommt. Es war im Sommer 1991. Den verbrachte ich in Afrika als Teilnehmer eines internationalen Workcamps. Ich hatte noch ein Jahr meines Gesangsstudiums vor mir. In dem fühlte ich mich damals nicht sehr wohl. Das Einzelkämpfertum im Elfenbeinturm der Kunst war nicht so sehr mein Ding, was ich mir damals aber nicht so richtig eingestehen wollte. Nach der Afrikareise und dem Abstand zu meinem Alltag war mir klar, dass es keinen vernünftigen Grund gab, Sänger werden zu müssen. Ich habe in Afrika damals so viele Geschichten erfahren. Dort hat mich die Leidenschaft gepackt, von Menschen und deren Schicksalen zu erzählen.

Ihre Vorbilder?

Wolf von Lojewski

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Während der Flut habe ich die Geschichte mit den Jäpels, der Familie auf der Mauer, gemacht. Sie ist dann überall gelaufen. Vier Tage später waren Schröder und Romano Prodi in Weesenstein. Für den zerstörten Ort gab es Hilfe in Millionenhöhe. Und dann war da noch die Geschichte mit dem von der Müglitz zerstörten Kindergarten in Dohna. Für den sind bis zum Jahresende rund 3 Mio Euro Spenden zusammen gekommen. Die Gemeinde wird jetzt ein schönes neues Kinderhaus bauen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Die Liebe zur Wahrheit gekoppelt mit dem Bewusstsein, dass eben diese Wahrheit als allgemeingültige, unumstößliche für den menschlichen Intellekt so gut wie nicht zu fassen ist. Wahrheit kann beunruhigend sein. Besonders wenn sie unser persönliches Bild von der Welt in Frage stellt. Haben wir in solchen Fällen die Wahl zwischen zwei oder mehreren "Wahrheiten", entscheiden wir uns manchmal unbewusst für die bequemere Wahrheit, also für die, die es uns nicht abverlangt, einmal eingenommene Grundsatzpositionen in Frage zu stellen. Das Wissen um unser begrenztes Vermögen, Wahrheit zu erfassen, jedoch mahnt an, die eigene Arbeit immer wieder zu prüfen. Außerdem sollten wir nie vergessen, dass das, was wir in die Öffentlichkeit tragen, Menschen wirklich schaden kann. Wir sollten es uns dreimal überlegen, bevor wir den medialen Stab über jemanden brechen. Doch wenn es sein muss, sollten wir auch den Mut dazu haben.

Warum sind Sie in der GKP?

Wichtig ist mir in dem oft sehr harten Geschäft ein Kreis Kollegen, in dem ich mich ethisch zu Hause fühle. Das heißt, nicht, dass wir in der GKP ständig kuscheln und nicht kontrovers diskutieren. Und gerade ist mir auch wichtig: Dass die Auseinandersetzung darüber, wie Gesellschaften mordern organisiert werden und welche Rolle der Glaube dabei spielen kann, nie aufhört auf der Tagesordnung zu stehen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ein Netzwerk und eine Lobby für gute Berichterstattung, die nicht müde wird, an sich selbst immer wieder die härtesten Prüfkriterien anzulegen.

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