7 Fragen an Karl Volker Schmitt

Jg. 1927. Schulzeit im Dritten Reich in Karlsruhe und Heidelberg. Kriegsdienst und Gefangenschaft. Studien - jahre in Heidelberg, Freiburg und Mainz (Neuere Ge - schichte, Soziologie, Vergl. Kulturwissenschaften). Re - daktions-Volontariat bei der "Trierischen Landeszei - tung"(TLZ). Nach Jahren als Reporter-und Redakteur bei Tageszeitungen in Saarbrücken und Stuttgart Wech - sel zur Agenturarbeit (KNA). Danach Einstieg in die elektronischen Medien als Kirchenfunkredakteur beim NDR. Von 1969-1975 verantw. Redakteur für die kath. Sendungen im ZDF. 1982 bis 1990 Leiter der ZFP (Zentrale Fortbildung der Programm-Mitarbeiter von ARD/ZDF).

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

So richtig "Feuer gefangen" für den Journalistenberuf habe ich als Student und Redakteur der Mainzer Studentenzeitung "nobis". Später hatte ich hervorragende Chefs. Sie waren Meister ihres Fachs, ließen sich "in die Karten gucken", boten Freiraum für die eigene Entwicklung - waren menschlich integer und verlangten Leistung. Um einige zu nennen: Ignaz Keßler (TLZ), Dr. Konrad W. Krämer (KNA), Heinz Zahrnt, Dr. Manfred Linz (beide NDR) und Franz Wördemann, ehemaliger Chefredakteur Fernsehen des WDR und Gründungschef der ZFP.

Ihre Vorbilder?

Noch heute - ich bin ja längst Pensionär und nicht mehr aktiv - wünschte ich mir z.B.: recherchieren zu können wie Hans Leyendecker (investigativer Journalismus), - Agenturmaterial kritisch bearbeiten zu können wie Wolf Schneider, - zuhören und mitdenken zu können, danach ausdrucksstark und verständlich vor Mikro und Kamera sprechen zu können à la Schulz von Thun, - und schließlich fair sein zu können wie ein Christenmensch.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Nach 37 erlebnisreichen Berufsjahren, davon mehr als die Hälfte im "säkularen" Bereich, fällt mir hier ein Ranking schwer. Dafür eine der "kleinen" aber aufschlußreichen Begebenheiten: Kam ein Kollege aus der ZDF-Chefredaktion und meinte, er hätte gerade in Spanien (Franco-Zeit) gedreht und noch interessantes Material über den Widerstand. Der Politik im ZDF sei es zu "heiß". Er hätte aber gehört, wir bei "Kirche und Leben" seien da offener. Wir schickten den Kollegen postwendend noch einmal nach Spanien, um noch den "Aufhänger" für unser Programm zu drehen. Der Intendant lehnte die Dienstreise nach Spanien ab, genehmigte sie aber nach einem Anruf des kirchlichen Beauftragten. Der Beitrag über konspirative Treffen unter Beteiligung von Kirchenleuten wurde gesendet. Ein Beispiel, wie Journalisten und Kirche durchaus den Freiraum schaffen könnten, der oft auch im säkularen Bereich nicht gegeben ist. Ich sehe aber, so etwas ist weithin Vergangenheit - aus einer Phase des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Mein Journalistenleben war ein anhaltender Lernprozess mit für mich wichtigen Begegnungen und Ereignissen - und insgesamt ein schönes Erlebnis. Dafür bin ich dankbar.

Was halten Sie fürunerlässlich für einen Journalisten?

Erst recht mit Blick auf die heutige Medienentwicklung nenne ich: Zivilcourage und Unbestechlichkeit. Umgekehrt soll ein Journalist keine Kreuzzüge führen und soll auch nicht verkündigen wollen. Ansonsten siehe oben!

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Als Pensionär geht das gut. Vorher musste die Familie darunter leiden. Da meine Frau selbst als Journalistin gearbeitet hat, haben wir beide versucht, uns gegenseitig zu entlasten. Mehr noch: nachdem ich einmal fristlos wegen Insubordination gefeuert war, konnte sie mir den Weg in einen neuen Job ebnen.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht?

1952 folgte ich als Student einer Einladung der GKP zu einer Tagung für angehende Journalisten. Dort trat ich bei - und später bei der KNA in Solidarität mit den Kollegen auch wieder aus, weil man uns ungefragt in eine Zwangsmitgliedschaft überführt hatte. Hubert Schöne bewog mich, wieder einzutreten.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ein Großteil ihrer Ziele kann sie derzeit nicht erreichen. Seit dem Tod von "Publik" geht es - aus meiner Sicht - Schritt für Schritt zurück zu einer vorkonziliaren Kirche mit ihren Denkverboten. So dialogunfähig wie zur Zeit ist unsere Kirche meines Erachtens schon lange nicht mehr gewesen. Schön dagegen ist mancher persönliche und kollegiale Kontakt durch die GKP.

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