7 Fragen an Karl-Ludwig Zöller

Karl-Ludwig Zöller ist Stellv. Justitiar beim Bayerischen Rundfunk in München. Er ist verheiratet, hat drei Kinder.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Ich bin durch meinen Vater, der übrigens auch Mitglied der GKP war, erblich ein wenig vorbelastet. Schon als Schulkind in Trier zog es mich magisch zu meinem Vater in die Redaktionsräume der Trierischen Landeszeitung, weil ich das Rattern der sich geisterhaft bewegenden Fernschreiber und den Geruch von Druckerschwärze in der Setzerei so liebte. Natürlich ging's dann über die Schülerzeitung in die Lokalredaktion, anfangs der Bonner Rundschau; später, als ich vom Germanistikstudium auf Jura umgesattelt hatte, kamen Gerichtsreportagen bei der Badischen Zeitung hinzu. Meine ersten Erfahrungen bei den elektronischen Medien erwarb ich durch ein Volontariat bei der Deutschen Welle. Damals nahm ich über meinen Vater auch schon gelegentlich an GKP-Veranstaltungen teil, wo ich mich erstmals mit ethischen Fragen des journalistischen Berufs befasste. Nach Abschluss meines Studiums bot sich eine Juristenstelle im Justitiariat des Bayerischen Rundfunks. Vielleicht wollte man mich gerade wegen meiner journalistischen Vorerfahrungen, denn man hat dann vielleicht ein größeres Verständnis für die Probleme der sendenden Kollegen. Insofern sehe ich mich jetzt eher in einer dem Journalismus dienenden Funktion.

Ihre Vorbilder?

Auch wenn es sich wenig emanzipiert anhört: mein Vater. Er hatte als bekennender katholischer Journalist im „Dritten Reich" Berufsverbot und saß deshalb sogar für kurze Zeit in „Schutzhaft". Ich habe von ihm gelernt, dass man als Journalist nicht auf die großen Geschichten warten, sondern fähig sein muss, selbst im Alltäglichen das Besondere, das Berichtenswerte zu finden. In jedem Menschen schlummern Geschichten, die man erzählen könnte. Man muss die Menschen nur zum Reden bringen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Nach der Wende habe ich für mehrere Monate in Ostberlin bei der „Einrichtung" gearbeitet. Diese Institution hatte unter ihrem Chef Rudolf Mühlfenzl die Aufgabe, Radio und Fernsehen der ehemaligen DDR in demokratische Strukturen zu überführen. Damals kam eine Redakteurin zu mir, der man 6 Jahre zuvor fristlos gekündigt hatte. Sie hatte das „Verbrechen" begangen, einem Kollegen, gegen den ein Hausverbot wegen seines Ausreiseantrags verhängt war, erlaubt zu haben, seine persönlichen Gegenstände aus dem Schreibtisch zu holen. Sie musste danach als Putzfrau arbeiten und hatte nach der Wende nur noch den einen Wunsch, noch einmal hockerhobenen Hauptes vor diejenigen an ihren Schreibtisch zurückzukehren, die 6 Jahre zuvor ihren Rausschmiss unterschrieben hatten - und sei es nur für einen Tag. Diese Kollegin hatte inzwischen die Altersgrenze überschritten, zudem standen wir kurz vor der Auflösung der „Einrichtung". Ich habe alle Bedenken beiseite geschoben und mit ihr dann trotzdem einen einwöchigem förmlichen Arbeitsvertrag geschlossen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugierde, aber auch Verantwortungsgefühl, denn ein Schreibgerät oder eine Kamera kann eine Waffe sein.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Ich habe immer versucht, meine Familie an meinem Beruf erzählend teilnehmen zu lassen. Das weckte einerseits Verständnis für mein berufsbedingtes Fernbleiben, andererseits bei meinen Kindern die Neugierde an den Medien - mit der Folge, dass meine Tochter inzwischen als Reporterin arbeitet und mein jüngster Sohn sich als Stipendiat des UP auf den Beruf eines Journalisten vorbereitet.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hereingebracht, was hält Sie?

Durch die GKP erkannte ich schon als Student (siehe Frage 1), dass Journalismus stets Orientierung braucht. Diese Orientierung vermittelt die GKP für mich nach wie vor, ich denke dabei auch gerne an die Beiträge von P. Keller auf der letzten Seite unserer „Informationen".

Was erwarten Sie von der GKP?

Die Fortführung dessen, was mich in sie hineingeführt hat. Die GKP - das heißt also: wir alle - sollte versuchen, gerade bei den Berufsanfängern für sich zu werben. Denen wird oft nur das journalistische Handwerk vermittelt, und das schließt eine ethische Orientierung heutzutage nicht mehr automatisch ein.

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