7 Fragen an Karl Grüner

Karl Grüner, Dipl.theol., Jahrgang 1943, verheiratet, zwei Kinder. War Kirchenzeitungsredakteur in Fulda und München, dazwischen Referent in der Erwachsenenbildung, Schwerpunkt Medienpädagogik. Zuletzt 18 Jahre lang Studienleiter für die Volontärsausbildung der katholischen Presse am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 2005 freier Journalist und Webdesigner.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Die Leidenschaft zum Schreiben prägte schon meine Schulzeit. Während des Theologiestudiums in den 60er Jahren in Eichstätt weckte Dr. Josef Scharrer, Gründer der Gesellschaft für christliche Öffentlichkeitsarbeit (GCÖ) in Würzburg mein Interesse für die Medienarbeit in der Kirche. Er vermittelte mir nach Studienabschluss eine Redakteursstelle beim Bonifatiusboten in Fulda, wo ich das journalistische Handwerk im Schnelldurchgang erlernte. Nach einem Jahr wechselte ich jedoch als Bildungsreferent ins Heinrich Pesch Haus in Mannheim (später Ludwigshafen), wo ich das Referat Medienpädagogik aufbaute. Neun Jahre später kehrte ich als Redakteur der Münchner Kirchenzeitung in den Journalismus zurück.

Ihre Vorbilder?

Für die Lebenseinstellung und -gestaltung, natürlich unerreichbar, Franz von Assisi. Für den Beruf: meine wenige Jahre älteren Kommilitonen vom Gymnasium Burghausen, die sich, was viele nicht wissen, ihre ersten Sporen bei der Münchner Kirchenzeitung verdient haben: Herbert Riehl-Heyse (SZ) und Hannes Burger (Kirchenberichterstatter der SZ zu Synodenzeiten; später: Die Welt)

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Die journalistische "Entdeckung" von Schwester Imma Mack, die als Postulantin bei den Armen Schulschwestern den in Dachau gefangenen Priestern regelmäßig Hostien ins KZ schmuggelte. Mein Artikel wurde in zahlreichen Zeitungen nachgedruckt und erschien auch in französischer und polnischer Sprache. Später schrieb Schw. Imma selbst ihre Erinnerungen und erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 2004 die Ernennung zur Ritterin der französischen Ehrenlegion. Sie starb 2006.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Natürlich Neugier und Mitteilungsbedürfnis, sicheren Umgang mit der Sprache, Verlässlichkeit, Sorgfalt bei der Recherche und beim Redigieren. Darüber hinaus aber auch: - Dialogfähigkeit. Sie setzt voraus, dass man eine eigene Meinung hat und diese auch vertritt, aber nicht dogmatisch absolut, sondern mit Respekt vor anderen Auffassungen.
- Fairness im Umgang mit Kollegen. Nicht seine Ellbogen rücksichtslos einsetzen, um möglichst schnell vorwärts zu kommen. 
- Selbstbescheidung. Der Journalist sollte sich als Moderator, als Vermittler im Gespräch der Gesellschaft sehen und die Medien nicht als Instrumente für seine eigene Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung missbrauchen.
- Schließlich Standfestigkeit gegenüber Drohungen oder auch Schmeicheleien, aber auch gegenüber der Versuchung des Wegschauens, mit dem es sich als Journalist sicher bequemer leben ließe.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Seit meiner Pensionierung spielt sich meine journalistische Tätigkeit weitgehend am heimischen Computer ab. Davor, als Studienleiter im ifp, hatte ich ständig ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie, die mich viele Wochen im Jahr nicht zu Gesicht bekam, wenn ich in Tagungshäusern Volontärskurse leitete. Die Erziehung der Kinder war deshalb überwiegend Sache meiner Frau, die auch sonst mit so manchen kleinen und großen Katastrophen allein fertig werden musste.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht und was hält Sie?

Das Bedürfnis, über den Tellerrand der eigenen Redaktion hinaus mit gleich gesinnten Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen, hat mich 1983 den Aufnahmeantrag stellen lassen. Viele Jahre war ich Nutznießer interessanter Veranstaltungen und wertvoller Begegnungen. Seit einigen Jahren kann ich mich als Betreuer der GKP-Website selber für den Verband nützlich machen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ich erwarte, dass die GKP weiterhin ein Forum darstellt für den offenen, fairen Dialog zu brisanten Themen in Gesellschaft und Kirche. Ich erhoffe mir einen lebhaften Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen älteren und jungen Mitgliedern und Anregungen zur spirituellen Lebensgestaltung im Kontext beruflicher Stresserfahrung.

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