7 Fragen an Johannes Loy

Am 19. Mai 1963 in Münster geboren, gehört seit 1988 der Redaktion der Westfälischen Nachrichten/ZENO-Zeitungen in Münster an. Nach dem Studium (Geschichte, Katholische Theologie, Erziehungswissenschaften, 1. Staatsexamen Sek. II) volontierte er in den Lokalredaktionen Sendenhorst und Nottuln und kam 1992 als Redakteur ins Feuilleton der Mantel-Redaktion in Münster. Seit 1995 leitet er das Feuilleton-Ressort und ist gleichzeitig verantwortlich für theologische und kirchliche Themen. Johannes Loy ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 1992 ist er Mitglied der GKP. Während des Studiums schloss er sich dem studentischen Unitas-Verband und dem Katholischen Akademikerverband an. Im Diözesankomitee der katholischen Verbände im Bistum Münster ist er als sachkundiges Mitglied für Medienfragen tätig. Bei der diesjährigen Jahrestagung wurde er neu in den Vorstand der GKP gewählt.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Dieser begann 1983 mit 19 Jahren, als ich nach einer erfolglosen Bewerbung beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München die Flucht nach vorne antrat und mich als "freier Mitarbeiter" in der Lokalredaktion Münster-Stadt der Westfälischen Nachrichten bewarb. Zwar studierte ich pro forma auf Lehramt, um mehrere berufliche Optionen offen zu halten. Doch als ich die ersten Zeitungstermine mit Klassentreffen, Schützenfesten und Generalversammlungen hinter mir hatte, merkte man in der Redaktion schnell, dass ich mich mit Kirchenthemen auskannte. So erweiterte sich das Schreib-Spektrum immer mehr, und der Weg zum späteren Volontariat war vorgezeichnet. Die Mitarbeit im Unitas-Verband führte mich auch zu bundesweiten Tagungen und zu den Salzburger Hochschulwochen, wo ich meine Frau Cornelia, damals noch Deutschlehrerin im Priesterseminar des Bistums Oppeln in Neisse, kennen lernte.

Ihre Vorbilder?

Mit Vorbildern im Sinne von "Idolen" kann ich nicht aufwarten. Auf den Journalismus-Geschmack brachte mich meine ältere Schwester Maria, die zu den ersten Förderjahrgängen des Publizistischen Instituts in München zählte. Aus meiner Pfarrgemeinde kam auch Klaus Nientiedt, langjähriger Redakteur der Herder Korrespondenz und heute Chefredakteur des Konradsblatts. Von daher habe ich früh Einblicke in dieses Berufsfeld bekommen. Von vielen Mitarbeitern und Kollegen lerne ich heute noch. Ich möchte Peter Schilder nennen, der lange für Katholika bei der F.A.Z zuständig war. Auch die Beiträge seines Nachfolgers Daniel Deckers (F.A.Z) oder von Gernot Facius (Die Welt) lese ich mit Gewinn. Dr. Bernhard Gervink, früherer Feuilleton-Chef unserer Zeitung, hat mir ebenfalls durch seine analytische Kraft und journalistische Zähigkeit imponiert.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Da gibt es viele. Die Feiern zur Seligsprechung der münsterschen Clemensschwester Euthymia im vergangenen Jahr in Rom waren sicher ein Höhepunkt. Wir standen mit vielen Kollegen während des Seligsprechungs-Gottesdienstes auf den Kolonnaden. Auch die Pressereise der GKP nach Rom kurz vor Eröffnung des Heiligen Jahres 2000 war ein bleibendes Erlebnis. Gerne erinnere ich mich an die - familiär bedingten - Reisen nach Schlesien, von denen ich immer auch journalistisch gezehrt habe, und zwar schon in einer Zeit, als sich noch niemand so recht für Polen interessierte. Dass der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa für mich privat wie journalistisch eine Rolle spielte und spielt, liegt auf der Hand.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Eine fundierte Ausbildung, die neben einem Fachstudium auch ein "studium generale" umfassen sollte. Wer sich für viele Themengebiete von der Theologie bis hin zu Musik und zum Sport interessiert und auch Erfahrung durch kirchliches, soziales oder politisches Engagement sammelt, hat es später leichter, mit journalistischen Herausforderungen umzugehen. Lehrjahre im lokalen Journalismus verleihen Bodenhaftung, Schnelligkeit und Wendigkeit. Distanz und Unabhängigkeit sind gerade für Kulturredakteure, die kritische Rezensionen schreiben müssen, wichtig. Wer in tausend Zirkeln mitmischt, verliert sie. Viele Journalisten nennen als erste Tugend die "Neugier". Sie gehört dazu, doch sollte sie nicht mit nassforscher Dreistigkeit verwechselt werden, bei der die Halbbildung durchscheint. Bescheidenheit und Demut sind ebenfalls unerlässlich. Als Journalist kann man sich der Wahrheit immer nur annähern. Ganz und gar für sich pachten kann man sie nicht.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Anders als viele andere möchte ich mich nicht beklagen. Natürlich müsste man hier und da mehr Zeit für die Familie abzwacken. Ein Leben mit der Stechuhr kann ich mir trotzdem nicht vorstellen. Wenn private Neigungen und Interessen mit dem Beruf zusammenpassen, ist das ein Geschenk. Auch die Familie kann von beruflichen Erfahrungen profitieren. Unsere Tarifverträge an Tageszeitungen erlauben auch eine gewisse Flexibilität, zum Beispiel beim Abfeiern von Sonntagsdiensten während der Woche.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Dr. Bernhard Gervink, im vergangenen Jahr gestorben, hat mich 1992 für die GKP begeistert. Meine Erfahrung nach zehn Jahren: Es tut gut, sich ab und an mit Kollegen zu treffen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen und sich, bei allen Meinungsunterschieden in Zweifelsfragen, doch einer großen Linie verpflichtet und sich im Glauben beheimatet fühlen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Zunächst einmal erwarte ich keine miefige Vereinsmeierei oder Diskussionen über Satzungsfragen. Sondern eine große Weite und Offenheit für alle Themen, mit denen sich Journalisten heute beschäftigen. Da die jüngeren Mitglieder der GKP in ihren unterschiedlichen Berufsfeldern zeitlich stark unter Druck stehen, braucht es Gespür für eine Programmgestaltung, die nicht zusätzlich einengt. Weniger ist manchmal mehr. Wir müssen auch darauf achten, noch mehr Journalisten aus weltlichen Medien zu gewinnen.

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