7 Fragen an Joachim Schwind

1961 in Obernburg am Main geboren. Studium der Politikwissenschaft und katholischen Theologie, unverheiratet, in einer Fokolar-Gemeinschaft lebend (Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring), Chefredakteur des Monatsmagazins Neue Stadt und Geschäftsführer des gleichnamigen Verlags.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

In der Phase meiner beruflichen Orientierung schienmir sehr vieles interessant und machbar: Soziales, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, aber auch einige handwerkliche Tätigkeiten. Mich für einen einzigen Beruf entscheiden zu müssen, empfand ich als regelrecht bedrängend. Der Journalismus schien mir als ein Weg, mit möglichst vielen Lebensbereichen in Berührung zu kommen. Und Schreiben war schon recht früh das Medium gewesen, mit dem ich mich am besten ausdrücken konnte. Die Aufnahme eines Studiums und die gleichzeitige, erfolgreiche Bewerbung beim ifp waren die Folge.

Ihre Vorbilder?

Besonders fasziniert haben mich die Gerichtsreportagen des 2003 verstorbenen Spiegel-Reporters Gerhard Mauz. Er verstand es auf meisterliche Art, unbestechliche journalistische Distanz zur Sache in Einklang zu bringen mit einer tiefen Nähe zu den Menschen, über die er schrieb.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Jedes Porträt, bei dem es mir gelungen ist, so viel Vertrauen aufzubauen, dass mich meine GesprächspartnerInnen auf den Grund ihrer Seele blicken ließen. Besonders herausragend: die Begegnung mit einer einfachen, gesundheitlich angeschlagenen Hausfrau und Mutter, die in ihrem 500-Einwohner-Dorf die Welt verändert hat.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neben der an dieser Stelle immer wieder zu recht genannten Neugierde halte ich die Tugend der Demut für unerlässlich. Meines Erachtens gibt es keine sterile journalistische Neutralität. Vielmehr leihen wir unseren LeserInnen, HörerInnen und ZuschauerInnen immer unsere eigenen Augen, Ohren und alle übrigen Sinne. Daher können wir nur weitergeben, was wir selbst aufgenommen und verarbeitet haben. Neutral können wir nur sein, wenn wir uns die Grenzen, die das mit sich bringt - also unsere eigene partielle Blindheit, Taubheit und Dummheit - immer wieder bewusst machen und sie gegebenenfalls mit ins Spiel bringen. Das geht nur mit einer gehörigen Portion Demut.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Ich bin mit Leidenschaft Journalist, weshalb die Mitbrüder (scheußliches Wort!) meiner Gemeinschaft immer wieder unter meiner sprachkritischen Art, meinen kühl-distanzierten Analysen und meiner ständigen Bereitschaft, alles zu kommentieren, zu leiden haben. Ansonsten ist auch in einer geistlichen Gemeinschaft wie dem Fokolar der Einsatz für den Beruf und das Private (was auch in meinem Fall eine Vielzahl an ehrenamtlichen Aktivitäten mit sich bringt) immer wieder auszutarieren. Eine Patentlösung gibt es nicht. Letzten Endes empfinde ich die Spannung - so unangenehm sie bisweilen sein mag - als nützlich und hilfreich, um bei aller Leidenschaft immer wieder auch den richtigen Abstand zum einen wie zum anderen zu finden.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hinein gebracht und was hält Sie?

Die Hauptwurzel meiner Mitgliedschaft ist sicher beim ifp zu suchen. Nach einigen Jahren einer eher passiven Mitgliedschaft bemühe ich mich seit einiger Zeit, mindestens zweimal im Jahr einen überregionalen Termin wahrzunehmen. Erst auf diesem Weg habe ich den wahren Reichtum der GKP entdeckt: ihre Mitglieder. An den Begegnungen schätze ich das G(esellschaftliche): ein freundschaftliches, vertrauensvolles und angenehmes Miteinander; das K(atholische): eine unverkrampfte, aus einem eigenen geistlichen Leben kommende und doch unverbiestert-kritische Verwurzelung in der eigenen Kirche; dasP(ublizistische): äußerst kompetente und zugleich liebenswerte Kolleginnen und Kollegen.

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