7 Fragen an Jens Joest

Jahrgang 1978, aufgewachsen am Möhnesee im westfälischen Kreis Soest, Abitur in Münster. Studium in Osnabrück und im dänischen Aarhus im Fach Europäische Studien, Schwerpunkt Politikwissenschaft. Stipendiat des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), Jahrgang 2000. Volontariat bei der Nordwest-Zeitung im niedersächsischen Oldenburg 2005. Seit April 2007 Redakteur der Bistumszeitung Münster Kirche+Leben und des Internetmagazins kirchensite.de. Mitglied der GKP seit Januar 2008.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Den Beruf lernte ich durch meinen Vater kennen. Ein Schulpraktikum 1994 beim Soester Anzeiger war der erste Schritt, dort schloss sich eine langjährige freie Mitarbeit an. Einen anderen Beruf habe ich seither nie ernsthaft erwogen. Endgültig überzeugt hat mich die ifp-Zeit.

Ihre Vorbilder?

Es gibt viele, bei denen man sich Dinge abschauen kann, seien es Kollegen oder Autoren anderer Blätter. Sympathisch finde ich meinen Namenspatron, Johannes den Täufer. Fast wie ein Journalist stellt er Jesus als den eigentlich Wichtigen vor. Eitel sind Journalisten wohl alle. Aber Johannes hat die Größe, von sich weg zu weisen. Vorbildliches leistet außerdem, wer trotz der Umstände (Zeitdruck, Personalknappheit, Sparvorgaben, Tarifflucht) und trotz aller Eingriffe (von oben, von Anzeigenkunden, woher auch immer) Qualität produziert. Das geschieht, auch in kleinen Redaktionen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Mich begeistern einzelne Geschichten. Am tiefsten beeindruckt hat mich bisher ein Gespräch im Advent 2008. Für die Weihnachtsausgabe von Kirche+Leben traf ich einen unheilbar kranken 78-Jährigen. Er war mit seiner Lage völlig im Reinen und erzählte seine Lebensgeschichte schonungslos offen. Er beschrieb eine Nahtod-Erfahrung. Seither habe er keine Angst mehr vor dem Sterben. Und, dass er sich auf sein letztes Weihnachtsfest freue. Auch er könne die Geburt Jesu feiern, weil Jesus alles Leid selbst erfahren habe. Der Mann ist noch vor Weihnachten verstorben. Dass mein Artikel erscheint, war sein fester Wille.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Offenheit, Fairness, Gründlichkeit. Neugier auf Menschen und ihre Geschichten. Hartnäckigkeit, wenn es sein muss. Und die Fähigkeit, seine Arbeit zu hinterfragen: Kommen alle Seiten zu Wort? Wo mache ich mir in einer Wertung einen bestimmten Standpunkt zu eigen? Das Wort Verantwortungsbewusstsein ist mir eine Nummer zu groß. Aber bei mancher Formulierung lohnt ein Nachdenken, was sie für den Betroffenen bedeutet.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Ohne eigene Familie bisher ganz gut. Es gibt aber Tage, an denen der Beruf ein nennenswertes Privatleben verhindert.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat sie hineingebracht, was hält Sie?

Während der Journalistenreise von ifp und GKP nach Vilnius 2007 haben mich Carolin Meyer und Bernhard Rude geworben. Ich bin eingetreten, weil mir am Austausch mit Kollegen liegt. Zumal mit solchen, die sich von ihrer christlichen Haltung leiten lassen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ich erhoffe einen offenen Austausch, weg von Altersoder Hierarchieunterschieden. Auch schadet es nicht, sich bei Jahrestagungen oder auf Reisen Horizonte öffnen zu lassen. Noch ist die katholische Kirche ein Global Player. Deshalb sollte es Journalisten geben, die die Kirche von innen kennen und nach außen erklären können. Angefangen damit, dass man den katholischen Propst nicht mit B schreibt.

Druckversion

AddThis

|||||