7 Fragen an Hans Deckers

Im Mai wurde Hans Deckers als langjähriger Geschäftsführer der GKP verabschiedet.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Als Sozialreferent in der Zentrale des Kolpingwerkes (1959-1968) habe ich mich mit sozialpolitischer Fachliteratur auseinandergesetzt. Ich bestaunte damals, und das ist bis heute so geblieben, wie Journalisten dem Publikum schwierige Zusammenhänge in einer verständlichen Sprache erläutern konnten. Es reizte mich, Ähnliches zu versuchen. Die Leitung des Kolpingwerkes betraute mich mit der Schriftleitung der Zeitschrift "Spiegel der Gewerke". Außerdem wurde ich Redakteur verschiedener Informationsbriefe und arbeitete beim "Kolpingblatt" mit.

Ihre Vorbilder?

Wir stehen auf den Schultern der Vorgängergenerationen. Nach Katastrophen werden Stimmen laut, die nach Vorbildern rufen. Das sind Folien, keine Kopien. Der Gesellenvater Adolph Kolping hat mein Leben von Jugend an geprägt. Mit 19 Jahren habe ich mich seiner Bewegung angeschlossen und gelernt, für andere Verantwortung zu übernehmen. Als ich 1968 die Geschäftsführung der GKP übernahm, lernte ich Prof. Dr. O.B. Roegele kennen, den ich bereits durch seine Beiträge im Rheinischen Merkur als analytischen Beobachter gesellschaftlicher Vorgänge in Deutschland wahrgenommen hatte. Viele Jahre konnte ich mit ihm im Vorstand der GKP zusammenarbeiten. Meine persönliche Wertschätzung für ihn ist bis heute ungeschmälert. Ich schätze an ihm Offenheit, Toleranz, Festigkeit, Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Klugheit und Bescheidenheit.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Neben den Begegnungen mit französischen Journalisten und Publizisten im Rahmen der Deutsch-Französischen Publizistentreffen hat mich die 12-tägige Reise mit 40 Journalisten und Verlegern im April 1973 nach Polen am stärksten beeindruckt. Wir führten Gespräche mit den Kardinälen Kominek, Wyszinski und mit der Znak-Gruppe. Es war der erste Besuch einer größeren Reisegruppe katholischer Publizisten in Polen, dem auch von staatlicher Seite große Aufmerksamkeit entgegen gebracht wurde. Stationen wie Warschau, Breslau, Gnesen, Krakau, Nowa Huta, Tschenstochau und das KZ Auschwitz sind unvergessen. Wir können heute kaum nachvollziehen, welchen Schikanen der polnische Klerus damals ausgesetzt war. Als wir uns mit einem Pfarrer unterhalten wollten, schaute dieser sich ängstlich um und flüsterte: "Ist auch kein Spitzel unter Ihnen? Ich habe schon zweimal gesessen und möchte nicht noch einmal ins Gefängnis." Das war kein "schönes Erlebnis"; es hat uns betroffen gemacht.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Katholische Journalisten sollten ohne "Wenn und Aber" nach bestmöglicher Recherche berichten und kommentieren. Sie sollten sich nicht als "Nachrichtenempfänger", sondern als "Nachrichtengeber" verstehen. Neugier und Fleiß gehören zu ihren wichtigsten Eigenschaften. Sie sollten sich Unabhängigkeit bewahren und billigen Beifall, von welcher Seite auch immer, überhören. Gegen ungerechtfertigte Kritik und Verdächtigungen sollten sie sich wehren. Das kirchliche Geschehen sollten sie kritisch begleiten, allerdings ihre Kirche nicht "kleinreden" oder "kleinschreiben".

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

33 Jahre habe ich mir diese Frage gestellt und keine befriedigende Antwort gefunden. Heute brauche ich keinen Hut mehr, um darunter etwas zu ordnen.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Ich bin nicht geworben worden, sondern mit der Tätigkeit als Geschäftsführer des Diözesanrates im Erzbistum Köln wurde mir als "Beigabe" die ehrenamtliche Übernahme der Geschäftsführung und Mitgliedschaft der GKP auf den Schreibtisch gelegt. Zunächst war die Geschäftsführung auf drei Jahre begrenzt; nach deren Ablauf hat sich niemand mehr an die Befristung erinnert. Die GKP ist mir ans Herz gewachsen, und ich werde ihr die Treue bewahren.

Was erwarten Sie von der GKP?

ach meinem Ausscheiden als Geschäftsführer geht die Arbeit weiter. Jeder ist zu ersetzen. Mein Wunsch ist, dass die Mitglieder der GKP erkennen, dass jeder Einzelne seinen Beitrag zum Gelingen des Ganzen einzubringen hat - nichts Außergewöhnliches zu tun, sondern das Gewöhnliche außerordentlich treu zu tun. Für die GKP kommt es nicht darauf an, wie viele wir sind, sondern wie gut wir sind.

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