7 Fragen an Gernot Facius

Gernot Facius, am 6. Dezember 1942 im sudetendeutschen Karlsbad geboren, gehört seit 1976 zur Redaktion der Tageszeitung DIE WELT, für die er gegenwärtig von Bonn aus als Autor und als Verantwortlicher für"Religion und Gesellschaft" tätig ist. Von 1996 bis zu seiner "Heimkehr" an den Rhein Mitte 2000 war er stellvertretender Chefredakteur seines Blattes in Berlin, daneben viele Jahre Leiter des Meinungsressorts. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Mitglied der GKP ist er seit 1988. Mehrere Jahre nahm Facius einen Lehrauftrag im Fach Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wahr.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Schon mit 18 Jahren, als damals jüngster Volontär in der Bundesrepublik. Die Pfarrer in meiner Jugend, konservative, aber aufgeschlossene Geistliche, geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung, hatten das junge Talent entdeckt. Schreiben wurde als Bekenntnis empfunden. Ein Glücksfall, dass man so früh starten konnte, gewiss. Aber rückblickend muss ich fragen: War es nicht doch zu früh? Es ist ganz schön anstrengend, neben dem Beruf noch in Vorlesungen und Seminare zu gehen. Dennoch: Es hat schon Freude gemacht.

Ihre Vorbilder?

Am Anfang so gut wie keine, abgesehen von den Redakteuren des legendären "Prager Tagblatts", denen Max Brod ein literarisches Denkmal gesetzt hat und die schon auf den jungen Hüpfer beim katholischen "fränkischen Volksblatt" (Würzburg) eine große Faszination ausübten. Später alle Journalisten - egal ob rechts oder links -. die es riskierten, auch mal wider den Hauptstrom der Meinung zu schwimmen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Ohne Zweifel der Fall der Mauer. Immer hatte man mitgeholfen, die Erinnerung an die skandalöse Teilung Deutschlands und Europas wach zu halten; immerhin war man mit den Mitteln des Wortes für eine operative Deutschlandpolitik eingetreten - gegen den politischen Mainstream. Nebenbei gesagt gab es noch etwas, das durchaus in die Rubrik "schönstes Erlebnis" passen würde: ein im Frühjahr 1989 unter konspirativen Umständen zustande gekommenes Interview mit dem damaligen Prager Erzbischof, Kardinal Tomasek, in dem mehr oder weniger die samtene Revolution im November vorausgesagt wurde. Klar, dass ich bei meiner Wieder-kehr nach Böhmen als erstes zum Grab des Kardinals im Dom St. Veit ging.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Unabhängigkeit auch gegenüber denen, mit denen man im allgemeinen übereinstimmt. Das ist gerade für Kollegen wichtig, die sich mit der Kirche und ihren Repräsentanten beschäftigen; hier ist die Gefahr der "Vereinnahmung" genauso groß wie in der Politik. Eine gewisse Demut, nicht unbedingt und um jeden Preis auf der Seite der Sieger zu stehen; die Bereitschaft, über den Tag hinaus zu blicken, wirkt oft glaubwürdiger. Und dann natürlich eine qualifizierte Ausbildung, die berufliche "Durchlässigkeit" und Flexibilität garantiert. Gerade in der neuerlichen Phase von Pressekonzentration, die nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine inhaltliche Konzentration ist, erscheint mir das besonders wichtig.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Mühsam, aber nach meinem Rückzug aus der Chefredaktion immer besser.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Mein Eintritt war die spontane Reaktion auf eine bischöfliche Pression gegen eine Kirchenzeitungsredaktion. Es war sozusagen ein Akt der Solidarität. Was mich hält? Die erfreuliche Möglichkeit, ungeachtet aller Differenzen in Detailfragen mit Kolleginnen und Kollegen im Glauben verbunden zu sein.

Was erwarten Sie von der GKP?

Dass sie sich - gut fundiert - am Disput über Verwerfungen und Fehlentwicklungen unserer Mediengesellschaft, und ich sage bewusst: auch unserer Medienindustrie - beteiligt. Dass sie heute und in Zukunft nicht jedes Wort der Hierarchie als Offenbarung aufnimmt und sie sich, wenn es darauf ankommt, als widerständig erweist.

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