7 Fragen an Franz Jussen

Chefredakteur von kontinente; geb. 1959 in Kerkra - de/NL; „Klosterschüler“ bei den Franziskanern; 1979 Studium der Journalistik und Politik an der Univer - sität Dortmund; 1986 Redakteur und 1987 Leiter der Pressestelle von missio-Aachen, 1989 Leiter der KNALandesredaktion Berlin; 1992 Redakteur des Maga - zins kontinente (Köln), 1996 -2006 Chefredakteur, ab 2007Redakteur; 2002-2005 Chefredakteur von missio aktuell (Aachen/München); verheiratet, zwei Söhne; Mitglied der GKP seit 1989.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Meinen Berufswunsch, Journalist zu werden, konnte ich mit der erfolgreichen Bewerbung um einen Journalistik- Studienplatz an der Uni Dortmund ideal verwirklichen. Der sechsjährigen Ausbildung in Theorie und Praxis folgte der „Glücksgriff missio“: Die erste Anstellung als Redakteur katapultierte mich mitten in die Eine-Welt-Berichterstattung eines katholischen Hilfswerks.

Ihre Vorbilder?

Die lebenden Kollegen, deren journalistische Arbeit ich für vorbildlich halte, will ich hier ungenannt lassen, um sie vor Eitelkeit zu schützen. Aus dem Kreis der verstorbenen Kollegen nenne ich: Franz von Sales, weil er auch schwierige (theologische) Themen verständlich vermitteln konnte. Je nach Bedarf motiviert oder tröstet mich sein Wahlspruch „Alles aus Liebe, nichts aus Zwang“. Außerdem liege ich in einigen Punkten auf einer Wellenlänge mit dem rasenden Reporter Egon Erwin Kisch: Sein Interesse an Themen aus der Schattenwelt des Lumpenproletariats, seine Verpflichtung zum Menschlichen und seine Neigung zur nüchternen Sachlichkeit sind mir sehr sympathisch.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Das schönste Erlebnis gibt es nicht. Aber viele besondere Momente und Begegnungen: In zahlreichen Kulturen und Ländern bin ich Menschen begegnet, die mich durch ihren Mut und/oder ihre Demut fasziniert haben. Die wenigsten von ihnen waren prominent.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Unvoreingenommenheit und das Streben, nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren. Mit Sorge beobachte ich, dass bei immer mehr Journalisten die Grenzen zwischen Journalismus und PR/Werbung verschwimmen, weil sie sich immer stärker an der Nachfrage des Marktes und immer weniger an eigenen Werten, Idealen und Maßstäben orientieren (müssen).

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Nicht wirklich optimal. Um im Bild zu bleiben: Es waren bisher immer zwei Hüte. Das soll sich bald ändern. Nach der vollbrachten Fusion der beiden Magazine kontinente und missio aktuell nehme ich einen neuen Anlauf, doch beides unter einen Hut zu kriegen. Dazu gehört, dass ich meine Verantwortung als Chefredakteur abgeben will. Für diesen abenteuerlichen Schritt bin ich bei den Herausgebern von kontinente auf großes Verständnis gestoßen.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?

Als KNA-Redakteur bin ich 1989 „unfreiwillig“ zum GKP-Mitglied geworden, es aber später freiwillig geblieben (seit 15 Jahren zahle ich meinen Beitrag aus eigener Tasche). Und warum? Weil ich die Solidarität des Verbands wohltuend erfahren habe und die GKP als eine Standesvereinigung sehe, zu der es für katholische Journalisten keine Alternative gibt. Zu den GKPMitgliedern, die sich durch ein hohes verbandsinternes Engagement auszeichnen, gehöre ich allerdings nicht.

Was erwarten Sie von der GKP?

Das, was ich bisher auch beobachtet habe: Solidarität und Rückgrat. Ferner: Einstehen für christliche Werte, aber ebenso Unabhängigkeit gegenüber kirchlichen Amtsträgern und Institutionen, die katholische Journalisten für reine Propagandisten halten.

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