7 Fragen an Erik Händeler

Verheiratet, Vater einer 14 Monate alten Tochter; Zeitungsvolontariat beim Donau Kurier, Stadtredakteur in Ingolstadt; Studium von Wirtschaftspolitik und Volkswirtschaft; seit 1997 freier Wirtschaftsjournalist, damit sich die wirtschaftliche Debatte weniger um (wirkungslose) Makroökonomie und mehr um das Sozialverhalten der Informationsarbeiter dreht. Gerade erschien sein Buch "Die Geschichte der Zukunft" im Brendow-Verlag.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus

Wirklich sehr persönlich: Glaubenskrise mit 14, intensive Auseinandersetzung, danach das Bedürfnis, das mit anderen zu teilen. Deswegen Schülerzeitung, Glaubensthemen, religiöse Kurzgeschichten. Irgendwann Chefredakteur mit breiter Themenpalette, fließender Übergang zum zweijährigen Zeitungsvolontariat. Immer Anläufe, in einer areligiösen Umwelt Glauben zu thematisieren, z. B. Fasten im Kloster; Eltern, die ein Kind im Straßenverkehr verloren haben und mit Gott hadern; Interview mit Leuten, die wieder in die Kirche eintreten. Das ist als freier Wirtschaftsjournalist so geblieben: Wer über Finanzberatung schreibt, kommt schließlich auf die Frage nach der Lebensplanung, auf Sinn und ob Geld Herr oder Diener ist. Wer über Fehlentscheidungen im Management schreibt, schreibt über Arroganz und Statuskämpfe. Ich habe das Gefühl, je weiter entfernt ich mich von der sichtbaren Kirche bewege, um so besser kann ich religiöse Themen anschneiden. Journalismus ist kein Selbstzweck. Franz von Sales hat ja auch nicht über irgendwas geschrieben, um Journalist zu werden, sondern er ist Journalist geworden, um bestimmte Inhalte zu transportieren.

Ihre Vorbilder?

Vorbilder sind meistens Leute mit irgendwelchen Eigenschaften, die man selber nicht besitzt: Also mal so lässig drinsitzen wie Günter Graf, so höflich sein wie Matthias Kopp oder den rheinischen Humor vom Helmut Ruppert. Aber Franz von Sales soll ja auch eher hitzig gewesen sein.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Immer dann, wenn man den eigenen Horizont verlässt: die Reportage über das Flüchtlingslager in Somalia, die Fahrt mit der Ingolstädter Müllabfuhr, die Reportage über die Nachtschicht bei Audi, die Straßenkinder in Addis Abeba. Das relativiert das eigene Leben. Diesen Luxus hat doch sonst keine Berufsgruppe.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Wahrhaftigkeit und Fairness. Die meisten tun nur so, als wären sie neutral und objektiv. Dabei ist schon die Auswahl meiner Themen eine Wertentscheidung, oder wen ich wie lange zu Wort kommen lasse. Die Frage ist, ob es irgendetwas gibt, was wir für einen katholischen Journalisten für unerlässlich halten.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Fragen Sie das mal meine Frau. Aber sie unterstützt mich sehr. Als Freiberufler habe ich das seltene Privileg, zu Hause im Büro zu arbeiten und dabei meine Tochter auf dem Schoß oder krabbelnd um mich herum zu haben. Je größer sie wird, um so mehr Kompromisse muss ich aber dabei schließen, zum Beispiel mit ihr abmachen, dass ich zumindest solange ungestört arbeiten darf, solange sie dafür ungestört Schubladen und Regale ausräumen darf.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?

Irgendwann saß ich mal in einem Flugzeug nach China, neben einer Frau. Das war Michaela Pilters. Den Rest können Sie sich denken. Überrascht bin ich, dass ich bis 1998 nichts von einer GKP gehört hatte. Sonst wäre ich schon neun Jahre eher eingetreten. Mich zieht an, dass es kein anderes, für jeden zugängliches Substrat innerkirchlicher Öffentlichkeit gibt als die GKP.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ich bin nicht der Meinung, dass man in der GKP Mitglied wird, weil man daraus einen Nutzen zieht. Sondern nur aus ideellen Gründen. Die GKP ist der Teil der Kirche, der in den Medien wirkt. Dafür muss man den einzelnen auftanken und thematisch anregen. Wirtschaft und Gesellschaft reorganisieren sich gerade von der Gruppenethik der Industriegesellschaft über die heutige Individualethik hin zu einer Universalethik. Die Themen der Zukunft sind die Themen der Kirche. Das hat sie aber noch nicht verstanden. Der Job der GKP wäre, innerkirchlich wie in der Gesellschaft dafür Katalysator zu sein.

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