7 Fragen an Dr. Shingo Andreas Yoshida

Als Pensionär der Deutschen Welle genießt er heute die Tage ohne den Sendetermin, den Redaktionsschluß und die Konferenzen, widmet sich gelegentlich der deutschjapanischen Verständigung durch Vorträge und Sprachvermittlung. Er ist seit 1968 verheiratet, seit 1984 Mitglied der GKP (das 300ste !).

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Wie ein Junge sich als Lokomotivführer in die Zukunft träumt, wollte ich immer Journalist werden. Mein Jugendplan, als Redaktionsjunge bei einer Zeitung zu arbeiten, das Abendkolleg zu besuchen und so Journalist zu werden, wurde von einem richtigen Redakteur einer Tageszeitung nicht gut gefunden. Er riet mir, ich solle das Universitätsstudium absolvieren und dann die Aufnahmeprüfung bei der gewünschten Zeitung bestehen, das sei der übliche und der beste Weg zum Journalismus in Japan. Nach dem Studium der Zeitungswissenschaft an der Sophia- Universität in Tokio ging ich zur Freien Universität in Berlin, um Publizistik zu studieren. Im Anschluß an die Promotion nahm ich die Stelle eines Redakteurs für das gerade neu eröffnete Japanische Programm bei der Deutschen Welle in Köln an und blieb bis zur Pensionierung bei diesem Sender, während die Redaktion 1999 wegen der angeblichen Finanznot geschlossen wurde.

Ihre Vorbilder?

Alle guten Journalisten sind meine Vorbilder. Oft mußte ich alleine den Weg gehen. Dabei sind die Vorlesungen und die Lehrbücher meiner beiden Lehrer in Tokio und Berlin, Hideo Ono und Emil Dovifat (Zeitungslehre), stets die leuchtenden Wegweiser geblieben.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Der Hörerbrief eines japanischen Frachterkapitäns von seiner Kommandobrücke bestätigte die frisch grüne Landschaft Irlands, genauso, wie ich sie in meinem Reisebericht beschrieben hatte. Ein junges Hörerehepaar aus Japan auf der Deutschlandsreise traf ich zufällig unterwegs in der Bahn. Ein japanischer Ingenieur schrieb aus der Gefangenschaft während des Golfkrieges seinen Musikwunsch: Er wünschte sich das Lied von Lili Marleen. – Das sind rührende Augenblicke für den Redakteur eines global operierenden Kurzwellensenders. Auch Themen wie die deutsche Einheit, das G-7/8 Treffen in Köln, die Verleihung des Friedens-Nobelpreises, der Katholikentag in Freiburg (der erste für mich), die Einladung zum kaiserlichen Bankett in Brühl/Bonn – alles waren im einzelnen schöne Erlebnisse im Beruf.

Was halten Sie für unerläßlich für einen Journalisten?

Gesunder Menschenverstand und breites präzises Wissen gehören zum normalen Maßstab für das Journalistenwesen. Neugierde und Zähigkeit gehören zur Natur eines Journalisten. Ich möchte noch die Geduld und die Bescheidenheit hinzufügen.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Ich wollte Journalist werden. So wurde mein privates Leben zum Berufsleben. Dabei muß ich zurückfragen, ob es denn zum Bereich des privaten Lebens gehört, wenn ein Rundfunkjournalist zu Hause Radio hört, fernsieht oder Zeitung liest. Man bleibt doch immer Journalist.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Die GKP, wie ich sie verstehe, ist eine freundschaftliche Berufsgemeinschaft unter Kolleginnen und Kollegen mit dem gleichen Glauben. Und gerade diesen Punkt habe ich schon oft bei der Teilnahme als Gast an Veranstaltungen gefunden und denke, daß diese Atmosphäre sich erhält.

Was erwarten Sie von der GKP?

Sie soll so bleiben, wie sie ist: Katholischer Frohsinn und kollegiale Aufrichtigkeit tun mir gut.

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