7 Fragen an Dr. Norbert Stahl

Geboren 1930 in Gelsenkirchen. Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium Josephinum in Hildes - heim Studium von Philosophie, Theologie, Germani - stik, Psychologie, Neuere Geschichte und Zeitungswis - senschaft in Freiburg i. Br., München und Wien. Beein - flusst von Martin Heidegger, Romano Guardini und Franz Schnabel. 1958 Promotion mit einer Arbeit über die Pressepolitik Bismarcks auf dem Hinterg rund sei - ner Innen- und Außenpolitik. These: Der Reichskanzler („Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“) war ein Wegbereiter der Hitlerdiktatur, nicht des Nationalso - zialismus. Nach einer Zeitungslehre bei den „Ruhr- Nachrichten“ und der „Kölnischen Rundschau“ ab 1959 Redakteur der KNA zunächst in Bonn und nach einem Intermezzo 1964 als Pressereferent des Stuttgar - ter Katholikentages mehr als 30 Jahre Leiter der KNALandesredaktion Bayern in München. 1985 für ein Jahr Kommissarischer Chefredakteur der KNA. Von 1980 bis 1992 Präsident des Bayerischen Presseclubs, eines Zusammenschlusses katholischer Publizisten. Seit 1995 im „Ruhestand“, d.h. als freier Journalist tätig. u.a. für den Bayerischen Rundfunk und „Kirche In“ in Wien. Seit 28 Jahren Wohnsitz in Eichenau, einer Garten-Gemeinde bei München. Verheiratet mit einer Münchnerin. Ein Sohn, Wirtschaftsjournalist.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Zwischen Theologie und anderen Geisteswissenschaften schwankend, dann zwischen wissenschaftlicher Laufbahn und Journalismus, entschied ich mich für letzteren. Den Anstoß dafür gab Prälat Karl Becker, Rundfunkbeauftragter der Bischöfe, der ein journalistischer „Talentriecher“ war. Dass ich nahezu mein gesamtes Berufsleben mit KNA verband, hing wesentlich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Gemeinsamen Synode, aber auch mit dem ganz außergewöhnlichen Betriebsklima in meiner Münchener Redaktion zusammen und der Möglichkeit, dort jungen Journalistinnen und Journalisten den Weg in die Welt der Medien ebnen zu können. Mit dem „Nachwuchs“ zu arbeiten, war für mich eine große Freude. Viele der Jungen sind in der katholischen Publizistik verblieben und haben es dort zu beachtlichen Positionen gebracht. In diesen Zusammenhang gehört auch die Katholische Akademie in Bayern, Vorbild einer Offenen Kirche, Ort des transzendentalen Dialogs und der Begegnung von Kirche und Welt.

Ihre Vorbilder?

Da gibt es viele, z.B. Eugen Kogon (Der SS-Staat),Walter Dirks (Auseinandersetzung mit der Theodizee- Frage), Otto B. Roegele („Rheinischer Merkur“), Friedrich Heer (Vorrang des Gewissens vor Gehorsam), Richard Barta (journalistischer Berater Kardinal Königs), Hubert Feichtlbauer (Journalistische Ethik), Hanns Sassmann (Thesen eines Wertkonservativen). Schließlich: Johannes XXIII. (aggiornamento), Kardinal Franz König (Recht der Journalisten zur Kirchenkritik), Kardinal Döpfner („Ich wünsche keine Hofberichterstattung“), Lorenz Freiberger (Münchner Katholische Kirchenzeitung).

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Begegnung mit dem polnischen Bischof Majdanski beim Prozess gegen den SS-Arzt Schütz. Er war Opfer pseudomedizinischer Experimente im KZ Dachau, die er nur dank eines deutschen Pflegers überlebte. Majdanski ging auf Schütz zu und reichte ihm die Hand zur Versöhnung. Ich berichtete über den Prozess. Der Bischof äußerte den Wunsch, meine Familie kennen zu lernen, und besuchte mich zu Hause. Es wurde ein bewegender Abend. Majdanski blieb der einzige Bischof, der meine Familie aufsuchte.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Gründliche wissenschaftliche Ausbildung. Unbedingte Wahrheitsliebe, auch und gerade in der Berichterstattung über Vorgänge in der Kirche. Umfassende Bildung, Beobachtungsgabe, politisches Gespür, analytischen Sacherstand, perfekte Schreibe, nonkonformistische Widersetzlichkeit – Talent.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Indem ich beides trenne. Entspannung und Ausgleich finde ich in verschiedenen Vorlieben: Oper, Sinfonische Konzerte, Ausstellungen vor allem moderner Kunst, private Ölmalerei (gegenständlich und surreal), Klavierimprovisationen, Verfassen von Satiren, Glossen und Poemen (eine Veröffentlichung ist in Vorbereitung), Wanderungen am Meer, Venedig-Reisen, Pflege von Freundschaften.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Ursprünglich KNA-Pflichtmitglied, bin ich aus Gründen der Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen sowie aus persönlicher Verbundenheit mit dem früheren Vorsitzenden Hubert Schöne, einem ehemaligen Schüler, und der Vorsitzenden Michaela Pilters, deren berufliche und menschliche Qualitäten ich sehr schätze, in der GKP.

Was erwarten Sie von der GKP?

Dass sich ihre Mitglieder Canon 212 des Kirchlichen Gesetzbuches verpflichtet fühlen, in dem niedergelegt ist: Die Gläubigen haben entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und hervorragenden Stellung die Pflicht, ihre Meinung zu dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und den übrigen Gläubigen kundzutun. In diesem Sinne ist es Aufgabe der GKP, allen Versuchen zur Eindämmung der Freiheit des Wortes in der theologischen Forschung und der kirchlichen Medienpraxis energisch entgegenzutreten und so Schaden für das Ansehen der Kirche abzuwenden. Ferner erwarte ich von der GKP Stärkung der Solidarität unter den Mitgliedern, die schwächer zu werden droht, und mutige Stellungnahmen zu gefährlichen Entwicklungen im Medienbereich.

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