7 Fragen an Dr. Marcus Nicolini

Geboren 1966 in Solingen (NRW), zuerst Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr, dann Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadt-Sparkasse Solingen. Bei der Sparkasse zu Lübeck im Marketing tätig, dann Studium der Germanistik, katholischen Theologie und Politik in Vechta (Niedersachsen). Parallel Stipendiat beim ifp. 1999 Magister, 2000 bis 2006 Studienleiter der Studienbegleitenden Journalistenausbildung beim ifp in München. Berufsbegleitend bis 2003 germanistische Promotion in Vechta über „Deutsch in Texas“. Seit 2006 Ausbildungsleiter in der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer- Stiftung (KAS) im rheinischen Sankt Augustin.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Ist ein Weg der Spätberufung. In Lübeck habe ich 1991/92 frei für den „Kirchenboten“ des Bistums Osnabrück geschrieben. Dabei hat mich der verstorbene Propst Helmut Siepenkort sehr gefördert. Bei Praktika bei „Kirche + Leben“ in Vechta und beim „Kirchenboten“ entbrannte die Begeisterung für Journalismus vollends. Dr. Anton („Toni“) Dorn und P. Roger Gerhardy haben mich später als Studienleiter zum ifp geholt..

Ihre Vorbilder?

Es gibt bis auf den berühmten Sprachpapst und Ex- Journalistenschulleiter Wolf Schneider wenige Vorbilder für Journalistenausbilder. Hans-Joachim Schlüters („Orangen schälen“) Stilempfinden für gute Reportagen („Zügle-Modell“) hat meinen Geschmack für diese Großform geprägt. Generationen von ifp- und JONA- Stipendiaten haben das erfahren dürfen. Axel Buchholz war mir Vorbild, wie sich Fachkompetenz mit Freude am Unterrichten verbinden lässt. Begnadet im Organisieren von Seminaren und im unprätentiösen Netzwerken ist Beate Füth von der Akademie der Zeitungsverleger. Ihr verdanke ich wesentliche Impulse für das Erkennen meiner Berufung.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Wenn aus jungen Talenten binnen kurzer Zeit Top- Jungjournalisten werden, die ihren Weg gehen, dann ist mir das Berufsmotivation und Erfolgserlebnis. Ich erinnere mich an eine Stipendiatin, die nach einer völlig verunglückten ersten Reportageversion eine brillante zweite Fassung ablieferte. Mir kamen die Tränen vor Freude. Außerdem ermögliche ich es Menschen leidenschaftlich gern, ihre Fähigkeiten zu entdecken und auszuprobieren. Ich freue mich immer wieder, wenn meine Begeisterung fürs Netzwerken das ermöglicht.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Verantwortungsbewußtsein – Bewußtsein dafür, dass Medien Weltbilder ganzer Generationen prägen, Zuverlässigkeit – denn Journalismus und besonders Fernsehjournalismus funktioniert nur im Team, und schließlich Ehrlichkeit – sowohl was die Motivation betrifft als auch bezüglich der recherchierten Fakten.

Was halten Sie für unerlässlich füreinen Journalisten?

Man muss gut recherchierte, spannende Geschichten erzählen können. Dafür braucht es Mut zum unbequemen Recherchieren und Nachhaken, Leidenschaft für den Journalistenberuf als „Berufung“. Außerdem muss ein guter Journalist zuhören können und nicht sich selbst, sondern die Menschen, über die er berichtet, in den Mittelpunkt stellen.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Das frage ich mich seit neun Jahren. Zum Glück bin ich seit zwei Jahren verheiratet. Außerdem wird das KAS-Gebäude, in dem mein Büro ist, abends abgeschlossen. Beides verhindert Büro-Abende. Neuerdings lerne ich Kurzurlaube zu schätzen, in denen auch mein Mailaccount Urlaub hat.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?

Bernhard Rude vom ifp hat mich für die GKP geworben, als ich beim ifp als Studienleiter anfing. Damals gab es den Wunsch, einem Netzwerk erfahrener Kollegen/ innen angehören zu wollen. Heute ist es der Gedanke, dass es Verbände geben muss, in denen sich Menschen mit Leidenschaft für exzellenten Journalismus zusammenfinden. Journalisten, denen das christliche Menschenbild Basis ihres Berufsethos ist.

Was erwarten Sie von der GKP?

Mut, Stachel im Fleisch von Gesellschaft und Kirche zu sein. Mut zu ökumenischem Aufbrechen über die katholische Konfessionsgrenze hinaus. Mut, die Mitglieder zu ermuntern, jungen Menschen nicht Pessimismus zu vermitteln („früher war alles besser“), sondern ihre eigene Flamme der Begeisterung für den Journalismus sichtbar leuchten zu lassen, damit sie auch beim Journalistennachwuchs brennen kann.

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