7 Fragen an Dr. Johannes Schießl

Johannes Schießl, geb.1964 in München, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Studium der Philosophie bei den Jesuiten, intensive Beschäftigung mit Musik und Jugendarbeit. Von 1989 bis 1991 Assistent von Pater Wolfgang Seibel im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Danach Volontariat und drei Jahre als Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung. Spätberufene Promotion, daneben Pressesprecher der Barmherzigen Brüder in Bayern. Seit 1998 Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung, Sprecher der Redakteure im Katholischen Medienverband, GKP-Mitglied seit 1990.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

In der Pfarrjugend haben wir ein Blättchen namens „Eselsohr“ gemacht, und in der Abitur-Zeitung habe ich einen angriffslustigen Leitartikel „Der Humbug mit dem Humanismus“ geschrieben. Doch das war nur Vorgeplänkel. Als Öffentlichkeitsreferent des BDKJ im Münchner Erzbistum bin ich auf das „ifp“ gestoßen. Schon bald ergab sich meine erste Stelle als Assistent von Pater Seibel – eine Zeit, in der ich viel (kennen) gelernt habe.

Ihre Vorbilder?

Mit Journalisten als Vorbildern tue ich mich eher schwer. Der erste Journalist, der mir namentlich auffiel, war Herbert Riehl-Heyse und sein bayerisch räsonierender Tonfall. Erst viel später habe ich erfahren, dass er seine ersten journalistischen Schritte bei der Münchner Kirchenzeitung gegangen ist. Wenn wir gerade beim eigenen Medium sind, ist da unbedingt noch der spätere Prälat Michael Höck zu nennen, der die Zeitung mutig durch die Nazi-Zeit gesteuert hat und mit vier Jahren im KZ Dachau dafür bezahlt hat.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Als erstes fallen mir die Tage ein, die wir während einer GKPReise nach Brasilien mit Bischof Erwin Kräutler am Xingu verbracht haben. Gerade wie er mich mit dem Auto zu der Stelle gefahren hat, wo er fast einem Anschlag zum Opfer gefallen wäre. Die menschliche Seite der Kirche in der „Dritten Welt“ beeindruckt mich immer wieder. Und – nur scheinbar ein Kontrast – darf hier mein Interview mit Kardinal Joseph Ratzinger aus dem Jahr 2003 nicht fehlen, bei dem er von seinem baldigen Ruhestand geträumt hat ...

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugier im guten Sinn auf alles und alle in Gottes bunter Schöpfung, eine große Portion Menschenfreundlichkeit und eine sorgfältige Schreibe.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Das Dauerbrenner-Thema unserer Generation, die „Life-Work-Balance“. Ich selber empfinde es als bereichernd, dass auch meine Frau berufstätig ist, zumindest mit einer halben Stelle. Da verfestigen sich die Rollen nicht zu stark. Natürlich erfordert ein solches Familienleben eine ganze Menge an Absprachen, gerade weil uns die gemeinsame Erziehung unserer Kinder ein Anliegen ist. Aber wir leben nun mal in der „rush hour“ des Lebens.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Schuld daran ist Toni Dorn. Als ich ins Institut kam, hat er es so dargestellt, als ob man einfach Mitglied in der gkp sein müsse. Ich habe das sogar noch als Ehre empfunden, gerade wegen der Bezeichnung Publizist. Was mich hält, sind Erinnerungen an Veranstaltungen, die ich heutzutage nur noch sehr dosiert wahrnehmen kann, und die „Informationen“ – Günter Graf ein ehrendes Angedenken.

Was erwarten Sie von der GKP?

Auch wenn’s ein Schlagwort ist, dass sie ein Netzwerk für katholische Journalisten bildet. Dass sie sich ihrer Stärke als Selbstzusammenschluss bewusst bleibt. Dass sie es immer wieder schafft, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, was andere tun. Und dass sie so offen bleibt, um junge Menschen für ihre Idee zu begeistern.

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