7 Fragen an Dr. Günter Graf

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Während des Studiums der Philologie (Deutsch, Englisch, Philosophie) nahm ich in einer "Springstunde" an einem Seminar der Publizistikwissenschaft teil, in dem zeitgeschichtliche Themen behandelt wurden. Das gefiel mir. Ich wechselte von der Philosophie zur Publizistik und von der Germanistik zur Kunstgeschichte. In den Semesterferien volontierte ich in der Lokalredaktion einer Tageszeitung. Ein Kommilitone und späterer Freund (Günther Mees) bot mir an, mit ihm den Jesuitenpater Leppich auf seinen spektakulären Massenveranstaltungen quer durch die Republik zu begleiten und darüber ein Buch zu schreiben. Das Buch wurde ein Auflagenrenner und veranlasste den damaligen Domvikar Tenhumberg, mir anzubieten, für das Bistum Münster journalistisch zu arbeiten. Das war 1952 und führte zur Gründung der ersten Bischöflichen Pressestelle in Deutschland, die ich bis 1994 leitete.

Ihre Vorbilder?

Bischof Heinrich Tenhumberg, Schwester Euthymia, Dietrich Bonhoeffer.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Da könnte ich über vieles berichten, u.a. über sogenannte Affären, über die in den Medien sachlich geschrieben und gesprochen wurde, nachdem ich die Kolleginnen und Kollegen rechtzeitig - und zunächst vertraulich - informiert hatte. Dieses Vertrauen ist nie enttäuscht worden.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Beherrschung der Sprache, Neugier, Fähigkeit zu unterscheiden und angemessen zu gewichten, Empathie, Fairness.

Was sollte Ihnen einmal nachgesagt werden?

Schade, dass er nicht mehr da ist.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Kein Thema mehr (leider).

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Als ich 1954 eintrat, war das eigentlich selbstverständlich für einen katholischen Journalisten, der freundschaftlichen Kontakt, Begegnungen mit kompetenten Vertretern ihres Fachs im gesellschaftlichen Umfeld, Erfahrungen auf Reisen in Deutschland und im Ausland suchte - in einer "Gesellschaft", in der man sich geistig und körperlich wohlfühlen konnte (eine besondere Bereicherung waren die Einkehr/Besinnungstage mit Pater Keller). 
Warum ich bleibe? Weil dies für mich nach wie vor selbstverständlich ist.

Was erwarten Sie von der GKP?

Heute wird das Leben des einzelnen und das Zusammenleben von anderen Kräften bestimmt als vor 40 Jahren. Katholische Journalisten sind davon nicht ausgenommen. Beschwörungen der Vergangenheit bieten kein Rezept für 2001. Die GKP sollte versuchen, junge Kolleginnen und Kollegen da auszumachen, wo sie sind, und mit ihnen Inhalte und Formen zu finden, die eine solidarische Mitgliedschaft möglich machen. Es lohnt sich, einige der Antworten auf die "Acht Fragen ..." in den "Informationen" unter diesem Gesichtspunkt nachzulesen.

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