7 Fragen an Dr. Claudia Nothelle

Geboren 1964 in Unna, aufgewachsen in Köln; Studium der katholischen Theologie, Germanistik und Pädagogik in Bonn und Mainz; schon als Studentin in die GKP eingetreten; Promotion zum Dr. phil. 1993; seit 1992 journalistisch tätig: zunächst im MDR-Landesfunkhaus Thüringen, 1996 in der Zentrale (zunächst Dresden, dann Leipzig), seit 1.3.2003 als TV-Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, ledig.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Eigentlich wollte ich schon in der 9. Klasse Journalistin werden. Aber mein Klassenlehrer wollte mich davon abbringen. "Dafür fehlen Dir die Ellbogen." Dann jedoch hat die Faszination Journalismus (irgendwo zwischen Abenteuer und Schriftstellerei) überwogen. Und inzwischen durfte ich zum Glück feststellen, dass Ellbogen nicht alles sind ... Wesentlich zu dieser und anderen Erkenntnissen beigetragen hat das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses.

Ihre Vorbilder?

Bei vielen Journalisten steht hier Hajo Friedrichs - und dann noch sein Satz, dass man sich mit keiner Sache gemein machen soll, und sei sie auch noch so gut. Hajo Friedrichs halte ich auch für einen hervorragenden Journalisten, aber mit diesem Satz habe ich meine ganz subjektiven Schwierigkeiten. Hat doch auch Hajo Friedrichs selbst immer wieder Position bezogen: für die Menschlichkeit, für den Frieden - und im Ruhestand sogar für eine Partei. Vorbilder finde ich in- und außerhalb des Journalismus: der Arzt, der während seines Urlaubs in Bombay Patienten in Slums behandelt. Oder die Kollegin, die eine Auszeit nimmt und dann Journalisten in Afrika ausbildet.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Als ich nach dem 11. September 2001 aus Pakistan und Afghanistan berichten durfte: In der aufgewühlten Zeit konnte ich die andere Seite der Welt, die andere Seite der Nachricht kennenlernen. Mitten zwischen Terrorangst, Kriegsgefahr und Nachrichtenstress lernte ich faszinierende Menschen kennen - Kontakte und Freundschaften, die bis heute geblieben sind. Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten? Die ganze Liste der Tugenden. Dazu die Neugierde. Und auf keinen Fall die Ellbogen. Statt dessen einen Riecher für gute Themen und den Mut, auch mal gegen den Mainstream anzuschreiben.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Es kann schon ärgern, wenn sich ausgerechnet am Geburtstagsabend Toll Collect und das Verkehrsministerium einigen. Aber: Ich habe mir freiwillig die Arbeit in einer aktuellen Redaktion ausgesucht. Und die Nachrichtenlage folgt nicht dem privaten Kalender. Wahre Freundschaften müssen das aushalten... (tun sie auch, durfte ich feststellen). Dafür gibt es dann auch andere, ruhigere Tage. Flexibilität auf beiden Seiten hilft! Und manchmal ziehe ich doch ganz klare Grenzen.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Die Mitarbeiter im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses haben mich auf die GKP aufmerksam gemacht. Schon während der ersten Praktika musste ich feststellen, dass Christen im Journalistenberuf eher die Ausnahme sind. Die GKP kann da ein hilfreiches Netzwerk sein - auch wenn mein Terminkalender nicht immer zulässt, dass ich zu allen Veranstaltungen komme.

Was erwarten Sie von der GKP?

Die GKP sollte ein Verband sein mit einer hörbaren Stimme innerhalb der Medienwelt - vor allem, wenn es um medienethische Fragen geht. Und natürlich - eine Anlaufstelle für all diejenigen, die Gleichgesinnte suchen und einen Blick, der trotzdem über die eigene Kirchturmspitze hinausreicht.

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