7 Fragen an Brigitte Muth-Oelschner

Brigitte Muth-Oelschner, Jahrgang 1940, geboren „auf Schalke“, kriegsbedingt aufgewachsen in Berlin, im Ruhrgebiet und im Rheinland. Volontariat bei ei - nem privaten Nachrichtendienst für Politik und Wirt - schaft in Bonn. Danach Redakteurin bei der Zentralre - daktion der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn. Während einer längeren Familienphase Ausbil - dung zur Ehe- und Familientherapeutin; einige Jahre therapeutisch tätig. Danach Rückkehr in den Journa - lismus: Deutsche Stiftung für UNO-Flüchtlingshilfe, Kölner Kirchenzeitung und Ruhrwort. Von 1990 bis 1996 Leiterin der Deutschen Abteilung der Internatio - nalen Katholischen Presse-Agentur in Fribourg, anschließend Informationsbeauftragte des Bistums Basel und Sprecherin des Bischofs.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Als Kind habe ich mir die Nase an einem Schaufenster der „Recklinghäuser Zeitung“ platt gedrückt und eine riesige „Heidelberger“ bestaunt. Für mich war klar: Ich will einmal für eine Zeitung arbeiten! Leider war die Familie damit nicht einverstanden: Es hieß damals, als Frau könne man es in diesem Beruf nicht weit bringen. (In meinen ersten Jahren als parlamentarische Berichterstatterin gab es auf der Pressetribüne im Bundeshaus nur ganz wenige Frauen!). Mutter und Lehrer waren sich einig: lieber einen „sozialen Beruf“. Nachdem ich es dann aber geschafft hatte, mehr oder weniger vom Lehrerinnenseminar in Innsbruck zu fliegen, bot sich mir schließlich die Gelegenheit, in den Journalismus einzusteigen.

IhreVorbilder?

Neben Emil Dovifat mein erster Chefredakteur, Peter Hinterholzer. Er hat mir beigebracht, dass es nicht auf die Person des Berichterstatters, auf den gedruckten Namen des Verfassers ankommt, sondern auf den Inhalt einer Meldung, eines Kommentars. Nie vergessen habe ich P. Emile Gabel, der in der katholischen französischsprachigen Presse eine wichtige Rolle spielte.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Meine schönsten Erlebnisse hatte ich immer dann, wenn aus Menschen, mit denen ich in Kontakt kam oder die ich interviewte, später Freunde wurden. Ein Erlebnis, dass mich tief berührt hat: Einige Tage vor seinem Tode konnte ich noch einmal persönlich mit Dom Helder Camara sprechen. Es war die letzte Begegnung mit einem Mann, der Kirchenpolitik und Kirche längst hinter sich gelassen hatte. Für mich sah es so aus, als ob er bereits auf dem Weg in den Himmel war.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugier und Respekt, Beharrlichkeit und Mut, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die Fähigkeiten, Vertrauen zu schaffen und gleichzeitig auf gesunder Distanz zu bleiben. Schließlich der Gedanke daran, dass die Medien als „Vierte Macht“ nicht „Macht“ sondern in erster Linie eine besondere Verantwortung haben.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Privates und berufliches Leben unter einen Hut zu bringen, ist mir nicht gut gelungen. Bis zu meiner Heirat habe ich meinen Beruf immer vor das Privatleben gestellt. Als Familienfrau mit zwei Kindern war an eine Berufstätigkeit nicht zu denken. Als Therapeutin mit eigener Praxis konnte ich mir meine Arbeit schon eher familienfreundlich einteilen. Später, nach Rückkehr in den Journalismus, war ich als Alleinerziehende und von ihrem Ehemann getrennt lebende Frau für einige Mitglieder der höheren Geistlichkeit in Deutschland etwas suspekt. Das war in der Schweiz nicht der Fall.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

In die GKP hineingebracht haben mich KNA-Chefredakteur Kraemer und Geschäftsführer Finge, die verfügten, dass jeder KNA-Redakteur (Redakteurinnen gab es zu meiner Zeit bei KNA nur drei!) gleichzeitig Mitglied der GKP zu sein hatte. Vor 27 Jahren bin ich aber dann noch einmal aus Überzeugung Mitglied der GKP geworden, weil ich die GKP für unverzichtbar hielt und halte: Für mich ist sie wie eine Art Lobby, die versucht, christliche Werte in Beruf und Gesellschaft zu vermitteln. Bei den Mitgliedern schätze ich den freundlich-kollegialen bis freundschaftlichen Umgang untereinander.

Was erwarten Sie von der GKP?

Ich wünsche mir, dass die GKP weiterhin ein Forum ist, in dem sich die Medienschaffenden in aller Offenheit begegnen können, gleich, ob sie für kirchliche oder weltliche Medien tätig sind. Ich freue mich über die immer größer werdende Zahl junger Kollegen. Ihnen wünsche ich die Erfahrung, dass man als Journalist auf einem christlichen Fundament gut und fest stehen kann und dabei keineswegs alleine ist. Ich hoffe und erwarte aber auch, dass die GKP immer dann, wenn die Institution Kirche Schwierigkeiten hat, sich an ihre eigenen, vor allen in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ und in ihrem Dekret „Inter Mirifica“ gemachten Vorgaben zu halten, klar und deutlich Stellung bezieht. Die gleiche Wachsamkeit sollte sich natürlich auch auf Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft erstrecken.

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