7 Fragen an Br. Paulus Terwitte ofm.cap.

Br. Paulus Terwitte (46) trat mit 19 Jahren in den Kapuzinerorden sein. 1985 wurde er zum Priester geweiht. In Offenburg, Stühlingen, Gera und Frankfurt/M. war er als Seelsorger, Supervisor, Ausbilder für Telefonseelsorge oder in der Hospizarbeit tätig. Seit 2000 geht er auch per Fernsehen und Radio auf die Menschen zu. Zum 2. Februar 2006 wurde er von seinen Oberen für die Berufungspastoral seines Ordens freigestellt. Er leitet das Kapuzinerkloster in Die burg. Die Kapuziner laden dorthin Jugendliche zum Berufspraktikum ein oder fordern junge Erwachsene beim „Kapuziner TREFF Punkt Entscheidung“ her aus.

Ihr persönlicherWeg zum Journalismus?

Mir war es immer schon wichtig, nicht nur im unmittelbaren Kontext über das gesprochene Wort und die dargestellte Szene auf Menschen zuzugehen. Mein erstes Gedicht erschien in der Jugendzeitschrift „17“. Der Durchbruch kam allerdings erst im Jahre 2000. Mit Ulrich Fischer, heute ZDF-Beauftragter, brachte ich die Idee eines täglichen geistlichen Kommentars zu BILD-Schlagzeilen zur Welt. Fünf Jahre erreichte ich auf diese Weise Menschen, die Zaungäste der Frohen Botschaft sind. Ich bekam immer mehr Tuchfühlung mit TV-Kameras und Radiomikrofonen. Jetzt freue ich mich auf neue Kontakte, die durch das Interesse an meiner neuen Aufgabe entstehen.

Ihre Vorbilder?

Ulrich Fischer mit seiner Kreativität und der Bereitschaft, quer zu denken. Der Selige Anicet Koplin, deutscher Kapuziner, der in Warschau mit lustigen Gedichten (in Latein!) auf dem gesellschaftlichen Parkett gern gesehen war und abends dann zu den Armen der Stadt ging. Sein loses Mundwerk, das auch die SS nicht verschonte, brachte ihm den Tod in Auschwitz. Marianne, eine Frau, die seit meiner Priesterweihe, ihren konkreten Schmerz im Rücken täglich als Gebet zum Himmel schickt, damit ich Rückgrat behalten kann im Dienst.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Die Vorbereitung und dann der Vollzug der Ganzkörpertaufe eines Babys, bei der auch noch wundervolle Fotos entstanden. Die letzte Nacht bei einem sterbenden Balletttänzer, in der die ganze Nacht die Musiksammlung „Hinübergehen“ erklang. Die Bestattung einer Kindergärtnerin, bei der „ihre“ Kindergartenkinder soviel vom Leben mitbekommen durften wie Kinder es selten von uns Erwachsenen ermöglicht bekommen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Ausdauer, Wahrheitsliebe, Neugierde, Achtung vor der Privatsphäre eines Menschen, Liebe zu Literatur und Sprache sowie eine Frömmigkeit, die dem Wort demütig einen Platz einzuräumen bereit ist, das von Gott her im Heute kraftvoll Fleisch werden will.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Meine Lebensordnung ist mir eine gute Hilfe, nicht aus den Fugen zu geraten.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Seit etwa zwei Jahren habe ich ein aufgeklärteres Verhältnis zu Sitzungen. Wenn wir nicht gemeinsam etwas erarbeiten, setzen sich andere auf die Tagesordnung der Welt. Deswegen bejahe ich Termine und die Mühe, in gewachsenen Strukturen Anliegen aufzugreifen und zu bearbeiten. Als Katholik sollte mir das ja eigentlich selbstverständlich sein, aber es hat doch einige Reifungsschritte gebraucht, bis ich verinnerlicht habe, dass Freiheit auch heißt, sich vom Damals und Morgen für Heute in die Pflicht nehmen zu lassen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Die GKP sollte ein aktives Networking anbieten. Wir dürfen einander vertrauen, dass nur jene Mitglieder sind, die es ernst meinen mit dem Willen, katholisch engagiert ihr Handwerk auszuüben. Eine Networking- Plattform könnte da gute Hilfen anbieten. Auch sind Patenschaften für neue Mitglieder und für Nachwuchskräfte, die noch nicht Mitlieder sind, ein guter Weg. Ich denke auch an eine Praktikumsbörse und ein Verzeichnis von Mitgliedern, die bereit sind, bei Verbänden und in Gemeinden ihren Beruf vorzustellen. Und schließlich wünsche ich mir ein aktives Zugehen auf die Hauptamtlichen der Kirche, die durch die Bank einfach viel zu viel Angst vor den Medien haben. Wie wär‘s mit einem GKP-Pfarrer-Fortbildungsevent?

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