7 Fragen an Bernhard Wiedemann

Geboren am 15. November 1948 im thüringischen Bad Langensalza, aufgewachsen als ältester von fünf Geschwistern in einem streng katholischen Elternhaus. Seit über 30 Jahren verheiratet, eine erwachsene Tochter. Leiter der Redaktion Bildung und Wissenschaft beim Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig. In der GKP viele Jahre Vorstandsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender; seit 1996 Vorsitzender der Jury des Katholischen Journalistenpreises.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus

Bereits während des Studiums der Ingenieurpädagogik Chemie in Magdeburg erhielt ich das Angebot, in der Redaktion der Fachzeitschrift "Berufsbildung" mitzuarbeiten. Als dann ein Redakteur gesucht wurde, nahm ich das Angebot an. Denn mir war klar geworden, Lehrer - auch in der Erwachsenenbildung - ist nichts für mich. Darüber schreiben, aus der Praxis berichten und wissenschaftliche Abhandlungen redigieren, lag mir. Da zum guten Schreiben auch fundiertes Wissen gehört, schloss ich an der Humboldt- Universität zu Berlin noch ein Diplomstudium Berufspädagogik ab und absolvierte verschiedene Lehrgänge journalistischer Fortbildung. Wegen meiner politischen Überzeugung verließ ich 1988 die Zeitschrift und baute für die Katholische Kirche in der DDR die Pressestelle der Berliner Bischofskonferenz mit auf. Nach der Wende war diese Pressestelle - wie vieles andere im Osten Deutschlands - überflüssig. Ein Angebot des SFB half mir, erste Schritte im Medium Fernsehen zu gehen. Als aus dem Staatsfernsehen der DDR öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wurden, erhielt ich den Ruf zur Mitarbeit am Aufbau des Kirchenfunks. Mit Gründung des MDR übernahm ich die Kirchenredaktion Fernsehen und leite heute die Redaktion Bildung und Wissenschaft.

Ihre Vorbilder?

Immer wieder sind mir in meinem Leben Personen begegnet, die für mich Ansporn waren, mich an Ihnen zu messen. Da war mein Großvater mit seinem unerschütterlichen Glauben und weiten Herzen, da gab es eine journalistische Lehrmeisterin mit außerordentlichem Können und unendlicher Geduld, da ist ein Pfarrer mit Managerfähigkeiten und großer Menschenliebe. Außerdem habe ich die Lebensgeschichte und das Wirken meines Namenspatrons Bernhard von Chlairvaux nie aus den Augen verloren.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Das war wohl die Zeit der Wende, ich war damals Leiter der Pressestelle der Berliner Bischofskonferenz. Jeder Tag war ein Erlebnis für mich. Regelmäßig habe ich darüber auch in der KNA, Büro Berlin, berichtet. Die Worte meines Vaters, der wenige Monate zuvor gestorben war, erhielten in dieser Zeit für mich eine neue Bedeutung. Schon in den 60-er Jahren hatte er uns Kindern gesagt: "Wir bleiben hier; denn wir können dieses Land nicht den Kommunisten überlassen."

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Voraussetzung für einen guten Journalisten ist immer die Liebe zur Wahrheit und die Fähigkeit, dies in den entsprechenden Situationen umsetzen zu können. Dazu kommt das Beherrschen des journalistischen Handwerks, das erlernbar ist, das aber auch Talent und Begabung voraussetzt. Für ebenso unerlässlich halte ich jedoch die fachliche Kompetenz des Journalisten auf dem Gebiet, über das er berichten will. Recherche und Gegenrecherche reichen oft nicht aus. Ich muss selbst genügend wissen, um hinter die ganze Wahrheit zu kommen.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Meine Frau ist ebenfalls im MDR-Fernsehen tätig, und unsere Tochter ist aus dem Haus. Ich liebe meinen Beruf und - wenn es sie gibt - die Freizeit. Beides kann ich genießen.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?

Um nicht Lehrer in der DDR sein zu müssen, bin ich Fachjournalist geworden. Dann habe ich erfahren, dass man auch Journalist und katholisch sein kann. Eine kleine Gruppe westdeutscher Kollegen - unter ihnen die damalige Vorsitzende der GKP, Dr. Eva-Maria Streier - erzählten schon 1989 im katholischen Bildungshaus in der Berliner Pappelallee davon. Als es dann möglich war, bin ich als erster "Ossi" in die GKP eingetreten. Die Vielfalt der Kollegen aus den unterschiedlichen Arbeitsgebieten des Journalismus und die Gemeinsamkeit im Katholischsein verbindet mich noch immer mit der GKP.

Was erwarten Sie von der GKP?

Die künftige Attraktivität der GKP hängt wesentlich davon ab, wie es dem Vorstand gelingt, neue junge Mitglieder zu gewinnen. Sie sollten jedoch nicht als eine Sondergruppe mit eigenem Netzwerk verstanden werden, sondern vielmehr das gesamte Leben der Gesellschaft mit ihren Ideen und Vorstellungen beeinflussen. Jeder gestandene Journalist muss sich in seinem Beruf immer wieder mit Neuem auseinander setzen. Das Neue gehört deshalb auch zum Leben der GKP.

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