7 Fragen an Bernhard Holfeld

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Nicht quer, aber schräg bin ich eingestiegen. Während der friedlichen Revolution 1989/90 beschloss das Bistum Dresden-Meißen, dass eine Pressestelle aufgebaut werden sollte. Nach den DDR-Stationen: Abi, kein Studienplatz, Klimaanlagenbauer, Theologiestudent und Krankenwagenfahrer begann ich also die Pressearbeit mit einer Mitarbeiterin, zwei leeren Schreibtischen, einem Telefon und kaum Vorkenntnissen. Ein für zwei Ossis zum Crash-Kurs erweiterter Theologenkurs des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses vermehrte das Fachwissen (für die unkomplizierte Aufnahme ins Institut binnen nur einer Woche bin ich bis heute dankbar!). Da auch Mangel an neuen einheimischen Radiomachern herrschte, funkte ich bei "Sachsenradio", der Mühlfenzel-Anstalt Sachsens mit (und dazwischen), wurde 1992 beim MDR angestellt und berichte seit 1998 als Korrespondent für Deutschlandfunk und DeutschlandRadio Berlin aus dem ältesten deutschen Freistaat und bilde inzwischen Volontäre mit aus.

Ihre Vorbilder?

Charles de Foucauld und beruflich die BBC.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Die unglaublich zahlreiche und qualifizierte Hörerresonanz von Taxifahrern und Verkäuferinnen bis hin zu Ministern und Stadtoberhäuptern in Sachsen auf die Berichte im Deutschlandfunk.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten ?

Vor allem eine persönliche Integrität, aus der heraus der Journalist das, was er berichtet und kommentiert, mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit vergleicht. Ich meine damit die permanente selbstkritische Frage nach dem Bewertungsmaßstab für Themenwahl und Formulierungen. Negativ ausgedrückt: kein schnelles Mitschreibertum im Mainstream, keine Moralisierung à la Boulevard. Außerdem braucht ein Journalist natürlich eine gute handwerkliche Ausbildung und den Mut zum offenen Wort.

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?

... nur darauf bedacht gewesen zu sein, dass man mir nichts Schlechtes nachsagen kann. Auf den Beruf bezogen heißt das: im Gegensatz zu meinem Kenntnisstand berichtet und gegen meine persönliche Meinung kommentiert zu haben.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Zwei Antwort-Entwürfe habe ich zu dieser Frage geschrieben und wieder aus meinem Bürocomputer gelöscht. Dann ruft meine Frau an: die Kinder wünschten sich zum Abendbrot Rührei und sie, dass ich da bin. O.k. sage ich, halb sieben bin ich zu Hause. Allerdings: eine wahrhaftige Antwort auf diese Frage fehlt mir noch. Es wird halb sieben. Ich weiß, das Rührei beginnt von jetzt an kälter zu werden und die Kinder sollten den Fernseher ausmachen. Fünf nach halb ist die Antwort in dritter Fassung fertig. Zehn nach halb ruft meine Frau am Handy an, ich steige ins Auto und sage, ich sei gleich in Höhe Hauptbahnhof. Um sieben komme ich zu Hause an. "Papi" rufen 4 Kinderstimmen. Ich verteile Luftballons, Werbemitbringsel von einer Pressekonferenz. Zwischen "Danke" und "Oh Prima" höre ich auch ein freudiges: "Weil du später gekommen bist, haben wir noch Teletubbies geguckt." Meine Frau hatte die Eier erst später in die Pfanne geschlagen, deswegen sind sie noch warm. Eine Dreiviertelstunde später betet der dreijährige Franz in seinem Bett: "Danke, dass der Papi heute nicht so spät von der Arbeit gekommen ist." Am nächsten Morgen habe ich Antwortentwurf Nummer drei vom Vorabend gelöscht. Sein Plädoyer für das Miteinander von Qualitätsjournalismus und Familie erschien mir zu theoretisch.

Warum sind Sie in der gkp? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Ich habe 1990 als Branchenneuling und Neu-Bundesbürger in der gkp eine Horizonterweiterung gesucht und gefunden. Ich vermisse im Kollegenkreis das Reflektieren über das berufliche Tun, in der gkp sehe ich die Chance dazu, bei den Stammtischen versuche ich es. Mich hält in der gkp, dass ich gute Bekanntschaften geschlossen habe, auch dass ich als Regionalbeauftragter in Sachsen viel Zeit in sie investiert habe. Zu letzterem korrespondiert allerdings bisweilen der Frust, wenn trotz prominenter Gäste nur wenige Kollegen zum Stammtisch kommen. Um für die Kollegen wie auch für mich zu einem Halt zu werden, braucht die gkp in Sachsen eine breitere Basis.

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