8 Fragen an Aloys Funke

Aloys Funke, Jahrgang 1940, gebürtig aus dem thüringischen Eichsfeld. Mit 14 (1954) "Republikflucht", nach dem Abitur in Holland (1961) Rückkehr in die DDR. Studium der Theologie in Erfurt, kirchliche Jugendarbeit im Kommissariat Magdeburg. Von 1987 bis 1990 Kirchenredakteur für Catholica im Zentralorgan der CDU "Neue Zeit", ab Sommer 1990 bis Ende 1993 im gleichen Ressort tätig nach Übernahme der Zeitung durch die F.A.Z. Von Januar 1994 bis Ende 1999 Öffentlichkeitsreferent beim Caritasverband für das Bistum Dresden--Meißen, verantwortlich für die Publikationen des Verbandes, u.a. für die Armutsuntersuchung von Caritas und Diakonie in Sachsen "Menschen im Schatten" (1998). Seit Januar 2000 wieder in Berlin, ohne Arbeit.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Von 1975 bis 1990 trafen sich theologisch interessierte katholische Laien in Berlin, "um nicht nur Veränderungen in der katholischen Kirche, sondern auch in der sozialistischen Gesellschaft zu reflektieren" (Zitat aus meiner Stasi-Akte). Als Ergebnis dieser Arbeit publizierten wir Beiträge im Union-Verlag Berlin. Dort veröffentlichte ich 1983 eine erste Auseinandersetzung mit den neuen Jugendreligionen unter dem Titel "Geschäfte mit dem Seelenheil". Die große Akzeptanz (2 Auflagen im ersten Jahr) öffnete mir den Weg ins Kirchenressort der "Neuen Zeit".

Ihre Vorbilder?

Literarisch: Heinrich Böll, Reinhold Schneider, Joseph Gülden; theologisch/pastoral: Papst Johannes XXIII., Bischof Hugo Aufderbeck, die Professoren Erich Kleineidam und Heinz Schürmann, mein Onkel P. Honorius Hanstein, Franziskanerpater und Kirchenrechtler, Hubertus Halbfas.

Was war ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Die journalistische Begleitung des Konziliaren Prozesses in der Vorbereitung der Ökumenischen Versammlung in der DDR war für mich das aufregendste Erlebnis. Unvergessen sind die Tagungen in Dresden und Magdeburg 1988 /1989 sowie der Europäische ökumenische Dialog in Assisi im August 1988, zu dem ich reisen durfte. lch spürte bei der Vorbereitung der Ökumenischen Versammlung an der Basis der kirchlichen Gruppen die Veränderungsprozesse, wie sie zunehmend gesellschaftsverändernd und solidarisierend wirkten und so zu den Ereignissen im Herbst 1989 führten.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Redlichkeit im Recherchieren, im Berichten und Kommentieren. Eigene Betroffenheit spürt der Adressat, "Schneesieber" werden früher oder später durchschaut.

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Dass ich den Ideologen widerstanden habe, die den Menschen nach ihrem Bild verbiegen wollen. Meine Ehrfurcht und Behutsamkeit gilt dem, "was im Menschen ist". Das habe ich zu entfalten versucht: in der Pädagogik, in der Pastoral, in der Publizistik.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

In den Jahren der Tätigkeit in Dresden (Montag bis Freitag) mit dem Wohnort Berlin habe ich nur durch exakte Arbeitsorganisation beides notdürftig harmonisieren können.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?

Vordergründig führten mich die Kontakte mit den Mitarbeitern der Pressestelle der BBK (Prälat Dieter Grande, Bernhard Wiedemann seit 1989) zur GKP. Der eigentliche Grund liegt tiefer: wer ständig Entwicklungen und Informationen reflektieren und kommentieren muss, der braucht selbst Informations- und Gesprächspartner. Es gibt Kolleginnen und Kollegen in der GKP, die ich anrufe, wenn ich einen Gesprächspartner suche. Die Großveranstaltungen der GKP sind für mich ein Forum, auf dem ich das Feeling der Gruppe zu erspüren suche. Sie helfen mir, meine eigene Identität mit der sich wandelnden Kirchlichkeit zu vergleichen und zu hinterfragen.

Was erwarten Sie von der GKP?

Journalistische Pluralität in der Katholizität mit ökumenischer Weite, Bereitschaft zum Nonkonformismus in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen, Solidarität mit denen, die keine Macht und deshalb auch keine Stimme haben.

 
Druckversion

AddThis

|||||