Andrea Kammhuber findet das Abenteuer im Gebirge

Andrea Kammhuber ist seit 1995 Redakteurin beim BR-Fernsehen, Redaktion Religion und Orientierung. Ihre beruflichen Abenteuer findet sie im Gebirge:

Vor vielen Jahren wollte ich ein 45-Minuten-Porträt über den Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher machen. Ich fragte ihn schriftlich an. Bevor er bei so einem zeitintensiven Filmprojekt zusage, wolle er mit mir erst einmal auf einen Berg gehen, war seine Antwort. Wir trafen uns an einem Samstag im Pitztal und stiegen gemeinsam auf zum Taschachhaus, einer Hütte des Deutschen Alpenvereins auf 2434 Meter.

Langsam, konzentriert, ohne viel zu reden, der Weg ließ das gar nicht zu. Hin und wieder blieben wir vor einer Felsformation stehen, vor einer Silberdistel, weil er das Pfeifen eines Murmeltieres gehört hatte. Der Bischof nahm sich Zeit und mich mit in seine Welt. Hier oben gelten andere Gesetze. Äußerlichkeiten werden unwichtig. Es gibt keinen Standesdünkel. Die Gespräche sind ehrlich und sehr direkt. Der Berg ist die Chance echter menschlicher Begegnung und spiritueller Erfahrung. Hier oben, in den Ötztaler Alpen,  hat Bischof Stecher ins Gipfelbuch am Taschachhaus geschrieben: „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“. Wir haben nach dieser Bergtour den Film miteinander umgesetzt und später einen weiteren. Mich hat seither die Leidenschaft gepackt, Bergerlebnisse und existentielle Erfahrungen in Bilder umzusetzen. Es ist die Frage nach dem Sinn des Ganzen, der ich gerne – abseits des Trubels – nachgehe, weil sie mich selbst umtreibt. Gerade sitze ich wieder im Schneideraum. „Hoch und heilig – Entdeckungen in der Rhön und im Grabfeld“ – das ist mein Thema für die dritte 45-minütige „Hoch und heilig“-Dokumentation im BR-Fernsehen. Da zeigt mir zum Beispiel eine Ziegenhirtin ihren „heiligen“ Platz in der Hochrhön, an dem sie beschlossen hat, ihr Leben grundlegend zu verändern. Es gab sie und es gibt sie, die vertrauensvollen Gespräche von Aug´ zu Aug´, bei denen ich spüre, ich darf ganz viel von einem Menschen erfahren, von persönlichem Glück und Verzweiflung, von Angst, Sehnsucht und Tatkraft, von dem, was sein oder ihr Leben ausmacht, es gelingen lässt oder schwer macht. Auch vor der Kamera. Solche Begegnungen sind für mich Geschenke. Und: es gibt Bilder, die mehr sagen als tausend Worte, die ahnen lassen, dass es hinter allen Argumenten und Sachverhalten noch etwas Anderes gibt. Das ist der Grund, warum ich immer noch gerne beim Fernsehen bin, Filme mache und betreue, auch wenn die Bedingungen schwieriger geworden sind, die Formate kürzer, die Schnitte schneller. Das gründliche Recherchieren, die Suche nach geeigneten Gesprächspartnern und ausdrucksstarken Bildern, und dieses sich jedes Mal wieder neu Plagen, um eine Geschichte packend zu erzählen, das fasziniert mich auch nach 30 Jahren noch. Es ist wie der Aufstieg auf einen Berg. Mühsam, aber lohnend, selbst wenn man nicht immer den Gipfel erreicht.

Andrea Kammhuber

 

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