Informativ und unterhaltsam in der jüdischen Gemeinde

Köln, Roonstraße. Poller auf der Bürgersteigkante, gegenüber im Eingang des Parks ein Polizeiauto. Sicherheit muss sein, denn es ist die Adresse der orthodoxen jüdischen Gemeinde, dieses Mal Treffpunkt der GKP-Region Köln-Bonn. Die Sicherheitsprüfung am Eingang ist von Vertrauen geprägt, strenge Kontrolle sähe anders aus. Aber die Führung von Israel Meller, Sekretär des Rabbinats der Synagogen-Gemeinde Köln sowie Sekretär der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, ist ohnehin darauf aus, zwar viele Informationen zu vermitteln, vor allem aber Sympathien zu wecken.

Gut ein Dutzend GKPler – unterschiedlich vorinformiert durch Besuche in Israel und anderen Synagogengemeinden – zeigen sich beeindruckt, nicht nur von der Größe des Bauwerks, das 1899 erstmals eingeweiht wurde, in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und im Krieg bis auf die Außenmauern zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Denn zunächst dachte nach Kriegsende kaum jemand daran, dass nach der Ermordung von 11.000 jüdischen Mitbürgern Kölns durch die Nationalsozialisten je wieder eine jüdische Gemeinde hier Fuß fassen könnte. In den Straßen rund um die Synagoge erinnern ungezählte Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an das Schicksal dieser Kölner Juden. Heute umfasst die Gemeinde 5.500 Mitglieder, ganz überwiegend Übersiedler aus Russland und anderen GUS-Staaten in den letzten Jahren.

Dabei ist die Kölner jüdische Gemeinde die älteste überhaupt nördlich der Alpen. Und wie Meller nicht ohne Stolz bemerkte, „haben wir Kölsche dat auch schriftlich“. Denn ein Dekret Kaiser Konstantins des Großen belegt die Gründung für das Jahr 321. Eine Kopie aus dem Archiv des Vatikans ließ Papst Benedikt XVI. allerdings ans Jüdische Museum in Berlin übermitteln, obwohl dies ein angemessenes Gastgeschenke bei seinem Besuch 2005 im Rahmen des Weltjugendtages in der Kölner Synagoge gewesen wäre. Es war damals der erste Papstbesuch einer Synagoge in Deutschland überhaupt.

Die Kölner Synagogen-Gemeinde, die seit ihrer Neugründung 1945 eine orthodox geführte Einheitsgemeinde ist, hat ihre traditionell gute Infrastruktur weiter ausgebaut. Sie bietet ihren Mitgliedern alles, was für jüdischen Alltag und die Religionsausübung wichtig ist: Neben dem Gemeindehaus mit großer Synagoge und Mikwe in der Roonstraße verfügt sie über ein mit Schule, Kindertagesstätte, Elternheim und Sozialabteilung umfassend ausgestattetes Wohlfahrtszentrum. Mit den Begegnungszentren in Chorweiler im Kölner Norden und im rechtsrheinischen Stadtteil Porz ist die Gemeinde auch dort präsent, wo insbesondere viele ihrer neuen Mitglieder leben.

Eindrucksvoll waren die Hinweise auf die Stellung der Frau im Judentum. Äußerlich ablesbar vielleicht an dem Umstand, dass im vierköpfigen Gemeindevorstand in Köln zwei Frauen Verantwortung übernommen haben. Nach jüdischem Verständnis ist die Frau die „Ernährerin“ der Familie, selbst dann, wenn sie „nur“ für Haushalt und Kindererziehung sorgt. Und man kann davon ausgehen, dass sie auf die Einhaltung der vielfachen Vorschriften zu Gebetszeiten, Kleidung oder koscherer Ernährung zu achten hat.

Die Führung zeichnete sich dadurch aus, dass sie oft im Frage- und Antwortspiel erfolgte und Meller den jüdischen Alltag immer wieder mit Beispielen aus seinem Familienleben mit Frau und vier Kindern bereicherte. So gelang eine Veranstaltung in der richtigen Balance zwischen Information und Unterhaltung, erst recht bei dem abschließenden koscheren Essen.

Beim Tischgespräch reichten die Themen vom Beschneidungsurteil und seinen Folgen, über die Politik in Israel und den Wein von den Golanhöhen bis zur staatlichen Finanzierung über die Kultussteuer und Mitteln für den Denkmalschutz. Wichtig sei, so die Botschaft des Abends, Unwissenheit zu vermeiden, aus der Angst und Hass entstünden.

Text und Bild: Dr. Martin Thull

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