Abenteuer im Beruf: Eine Reise an die Ränder

Marina Dodt (60) arbeitet hauptberuflich bei einer Krankenkasse in der Unternehmenskommunikation. Als Berufspendlerin ist sie zwischen Berlin und Mecklenburg unterwegs, mit einem besonderen Blick für diese scheinbar vergessene Region und einmaligen, abenteuerlichen Rand-Notizen.

„Sie wollen wirklich zu uns in die Pampa kommen?“ Die Stimme am anderen Ende der Leitung klingt ungläubig. Ja, ich will, denn schließlich ist das genau das Anliegen einer neuen Serie, die die Berliner Redaktion unserer Bistumszeitung „Tag des Herrn“ in diesem Jahr startete. Die Kirche müsse aus sich selbst heraus und an die Ränder gehen, an die geografischen und noch mehr an die Grenzen menschlicher Existenz, diese Forderung von Papst Franziskus führt an die brandenburgischen Ränder des Erzbistums. Wie lebt es sich hier in dieser extremen Diasporasituation mit einer Katholikenzahl von unter zwei Prozent, hohem Altersdurchschnitt, aussterbenden Gottesdienststandorten, Gemeindeteilen ohne Ministranten, ohne Erstkommunionkinder, ohne RKW (Religiöse Kinderwoche) - ohne Zukunft? Die Gelegenheit zu einem Besuch in der alten Pilgerregion Prignitz mag hierfür als Beispiel stehen.

Der trutzige, stolze Havelberger Dom als Bischofssitz des vorreformatorischen Bistums oder der Pilger- und Wallfahrtsort Wilsnack mit seiner Wunderblutkirche machten die Elbregion zwischen Berlin und Hamburg einst europaweit berühmt. Heute gehört die Prignitz mit nur 36 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Deutschlands. „Mehr Rand geht nicht“, so sagt es Jonathan Matzke vom Vorstand des Berliner Diözesanverbandes der Katholischen Landjugendbewegung im Landjugendhaus „St. Bonifatius“  Meyenburg, das nur einen Steinwurf entfernt von der mecklenburgischen Grenze liegt. Er betreut hier gerade einen Kurs mit 18 Jugendlichen, die in ihren Ferien eine Gruppenleiterschulung absolvieren. Und Teilnehmerin Tessa aus Blankenfelde erzählt aufgeschlossen und begeistert, wie viel sie hier für ihre ehrenamtliche Arbeit in der Malteser Jugend schon lernen und mitnehmen konnte, von der coolen Gemeinschaft, der spannenden Stadtrallye, dem heutigen bunten Abschlussabend. Frohes Jugendleben am „Ende der Welt“ und ganz junge Leute in der Verantwortung – wie wohltuend!
Nächste Station: die Prignitz-„Hauptstadt“ Perleberg. Die Kreis-, Hanse- und Rolandstadt überrascht mit ihrer Fachwerk-Altstadt und einem unglaublichen Glaubens- und Gemeindeleben der kleinen katholischen Schar. Die ca. 450 Katholiken trotzen den gravierenden Diasporaproblemen mit  besonderer Kreativität, so einem erstmals wieder stattfindenden Krippenspiel in der  Pfarrkirche Wittenberge, einem Nikolausfest für die ganze Stadt, mit der Wiederauflage biblischer Musicals.  2019 soll nächste Premiere des ökumenischen Projektes sein, vielleicht auch mit einer Aufführung im Dom zu Havelberg, wo vor über 1000 Jahren die Geschichte des Christentums in dieser Gegend begann.
„Pampa“ Prignitz? Von wegen. Sie ist tatsächlich unendlich weit, oft menschenleer, aber keineswegs gottverlassen! Und sie vermittelt eine Ahnung, dass es weitergeht, und dass es gerade diese Ränder sind, die unsere Mitte halten.

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