Bogna Korengs Abenteuer: zweisprachig und trimedial

Bogna Koreng ist Sorbin. Sie leitet das MDR Studio in Bautzen, in dem zweisprachig und trimedial gearbeitet wird. Die sprachliche Herausforderung wird oft zum Abenteuer:

Wie könnte ich das Wort-ungetüm „Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft“ ins Sorbische übersetzen? Diese slawische Sprache lebt doch vom Verbalen. Keine Zeit, einen Sprachwissenschaftler zu fragen. Die Meldung muss fertig werden. Mein Abenteuer – mein Beruf. Natürlich könnte ich an dieser Stelle über „echte“ Abenteuer schreiben, als ich im texanischen Serbin die Nachkommen sorbischer Auswanderer des 19. Jahrhunderts besuchte und tatsächlich einen alten Herrn fand, der noch sorbische Kinderreime kannte. Oder über meinen Tauchgang als Moderatorin im Steinbruch. An den Folgen meines Mutes einer Ahnungslosen litt ich ein halbes Jahr lang.

Meine tägliche Herausforderung besteht darin, ganz nah zu sein am Rezipienten und dennoch den journalistischen Abstand bei der Berichterstattung zu wahren. Ich kann nicht abtauchen in die Tiefen eines großen Medienhauses. Im Gegenteil: An meinem Auto kleben früh mitunter Zettel mit einem Hinweis für den Sorbischen Rundfunk. Privat ist nicht (mehr). Die Sorben sind zwar eine kleine Community, seit langem jedoch nicht mehr nur regional zu erfassen. Dies gilt für die Themen ebenso wie für die Übertragungswege. Ja, wie teile ich mich via Twitter oder Facebook sorbisch mit? Wir haben Lösungen gefunden, dank pfiffiger Köpfe. Und so sind für mich Microsoft, die Digitalisierung genauso Themen, über die ich berichte, wie das Frühlingserwachen, das Kinderfest oder neue Gesetzgebungen. Womit wir wieder beim Sprachproblem wären. Die rasante technische Entwicklung wirkt sich auf die Sprache aus. Neue Wortschöpfungen überschwemmen den Markt, und wir sorbischen Journalisten mutieren allmählich zu Sprachwissenschaftlern. Dabei dürfen wir vor lauter Moderne nicht bereits bestehende Begriffe vergessen.  Tradition und Moderne, das ist der Spagat, den wir meistern müssen. Die Nähe zu den Rezipienten hilft mir schon – ich erlebe unmittelbar, was sie freut und ärgert. Unsere Jugendredaktion sorgt für jugendlichen, manchmal abenteuerlich frischen Wind. Und diesen journalistischen Spagat lebe ich. Die Wände in unserer Redaktion zieren nationale und internationale Journalistenpreise. Warum? Weil wir unter dem Motto arbeiten: Für die Sorben kann man sorbisch über alles berichten, in allen Formen – der Kreativität sind und dürfen keine Grenzen gesetzt werden. Schon als Kind habe ich gelernt: Als Vertreterin einer Minderheit musst du immer ein Stück besser sein, so wirst du auch akzeptiert. Keine Angst, ich grenze mich als Sorbin nicht ab. Ich arbeite zweisprachig und bimedial (Hörfunk und Fernsehen) seit nunmehr über 20 Jahren. Seit 2003 leite ich das zweisprachige MDR Studio Bautzen. Und doch ist der Sorbische Rundfunk für mich das größte Abenteuer, die wichtigste Herausforderung: nämlich in meiner Muttersprache umfassend zu informieren, zu unterhalten, Hilfe bei der Sprachfestigung zu leisten, in den Reihen der Jugendlichen Nachwuchs zu gewinnen, sie für das Sorbische, den journalistischen Beruf zu begeistern. Somit bin ich Journalistin, manchmal Ausbilderin, teils auch Sprachwissenschaftlerin und Botschafterin der sorbischen Sprache.                     

 

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