Bernhard Beutler ärgert sich schon früh zwischen 7 und 8 Uhr

Dr. phil. Bernhard Beutler (81), Kanadist, in der gkp seit mehreren Jahrzehnten, war u.a. Volontär für kna beim Vatikanischen Konzil, später Pressereferent des Goethe-Instituts e.V., Leiter von Kulturinstituten im Ausland; lebt heute im Ruhestand als Publizist und Kulturberater in München. Auf die Frage, worüber er sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert habe, gab er zur Antwort:

Der Ärger beginnt morgens zwischen 7 und 8 Uhr. Da höre ich den Deutschlandfunk, Nachrichten, Presseschau, Themen zum Tage. Im Allgemeinen sehr informativ. Aber kaum ein Tag, an dem man nicht wieder und wieder feststellen muss, dass diese Herren und Damen (wobei Letztere sich meist provokanter gerieren, wie auch in den Talkshows des TV) eigentlich nicht auf Inhalte zielen, sondern primär auf Personalien. In die gleiche Rubrik gehören Riesenfotos von Politikern  in auch angesehenen Printmedien: DIE ZEIT / Süddeutsche etc. – optisches brainwashing!

Auch abstoßend, beim morgendlichen TV: permanente Mischung zwischen Pseudo–„Privatem“ der Moderatoren und den diese zuerst begrüßenden Nachrichtensprechern. Das führt zu abrupten Übergängen - von Albernheiten zum 1. Satz der Nachricht: „Im Mittelmeer ertranken gestern…“ Unerträglich! Die wesentlichen Inhalte bleiben mehr und mehr auf der Strecke – was letztlich zur Frage der jeweiligen Berufsethik führt.
Ach ja: Lektüre von Kirchenzeitungen! In Ausgaben der letzten Wochen fanden sich in einem Kirchenblatt auf 32 Seiten mindestens fünf, aber auch mehr Fotos des zuständigen Erzbischofs. Wieder Personenkult! Wie wär es mal mit Christusdarstellungen als Leitmotiv, aus Kreuzgängen, Krypten, Kirchen? – z. B. zur Vorbereitung des ökumenischen Christusfestes am
14. September im Lutherjahr?

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?
Freude am Journalismus dann, wenn Sachstände kritisch beleuchtet werden. „Namen sind Schall und Rauch“? Dennoch mag hier Heribert Prantl  / SZ mit seinen kritischen Hinterfragungen aktueller Entwicklungen als Beispiel dienen. Freude auch über Medienredaktionen, die den Mut haben, langwierige  „Hearings“ aus dem Ausland zu übertragen, wie zuletzt das des geschassten FBI–Chefs James Comey (Phoenix, n-tv).  

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?
Zur Abreaktion gelten folgende Varianten: Statt „Stammtischgemoser“ direkter Brief an die entsprechende Programmredaktion (sehr selten) – ein Gang durchs „Kunstareal“ hier an den Pinakotheken und Museen in der Maxvorstadt (täglich) – und, trotz Brechts „Schlechte Zeiten für Lyrik“,  eben doch Flucht: der Rückzug in die Poesie…

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